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Deutsche Bank kämpft um ersten Jahresgewinn seit 2014

11:22 Uhr 24.10.2018
Christian Sewing
Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, während der Hauptversammlung des Finanzinstituts im Mai. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Bank strebt trotz weiterhin schwacher Geschäfte den ersten Jahresüberschuss nach drei Verlustjahren an. Das Institut sei vor allem beim Kostenabbau gut vorangekommen, bilanzierte der seit April amtierende Konzernchef Christian Sewing.

«Wir haben die Kosten im Griff und verfügen über das Kapital, um wieder wachsen zu können», erklärte er. «Wir sind auf gutem Wege, das Gesamtjahr 2018 mit einem Gewinn abzuschließen - zum ersten Mal seit 2014.»

Allerdings lasse die Wende bei den Erträgen auf sich warten. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand einen leichten Rückgang der gesamten Einnahmen der Bank. Sewing mahnte in einem Schreiben an die Mitarbeiter des Frankfurter Dax-Konzerns: «Wir dürfen uns nicht zurücklehnen, im Gegenteil. Wir brauchen ein starkes Jahresende.»

Im dritten Quartal verdiente Deutschlands größtes Geldhaus wegen schwacher Geschäfte und Kosten für den Konzernumbau deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Immerhin fiel der Gewinnrückgang nicht so stark aus wie befürchtet. Das Vorsteuerergebnis halbierte sich fast auf 506 Millionen Euro, der Überschuss sank um knapp zwei Drittel auf 229 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben 211 Millionen Euro. Für die ersten neun Monate weist die Bank unter dem Strich 692 Millionen Euro Gewinn aus.

Auf die Frage, wann er die Wende hin zu höheren Erträgen erwarte, blieb Finanzvorstand James von Moltke in einer Telefonkonferenz vage. «Wir konzentrieren uns darauf, die Sachen zu kontrollieren, die wir kontrollieren können: Personal, Kosten, Bilanzmanagement.» Ziel des Vorstandes sei, Stabilität und Ruhe in das Unternehmen zu bringen, das werde sich auf Sicht auch positiv im Geschäft niederschlagen.

Von Juli bis Ende September fielen die Erträge mit knapp 6,2 Milliarden Euro um neun Prozent geringer aus als vor Jahresfrist. In allen drei Sparten der Bank - Investmentbanking, Privatkunden und Vermögensverwaltung - liefen die Geschäfte schlechter.

Die seit März an der Börse notierte Fondstochter DWS beispielsweise hat weiterhin mit den Auswirkungen der US-Steuerreform zu kämpfen: Im dritten Quartal musste die DWS Mittelabflüsse von 2,7 Milliarden Euro verkraften. In den USA müssen heimische Investoren seit Kurzem so gut wie keine Steuern mehr zahlen, wenn sie ihr Geld ins Inland zurückholen. Viele Profi-Anleger ziehen deshalb Gelder aus Europa ab.

Die Deutsche Bank insgesamt müht sich derzeit um den Spagat, das Geschäft bei sinkender Stellenzahl zu halten beziehungsweise auszubauen. Ende des dritten Quartals hatte die Bank 94 717 Vollzeitstellen und damit etwa 700 weniger als Ende Juni. Bis zum Jahresende soll die Zahl unter 93 000 sinken. Bis Ende 2019 sollen es deutlich weniger als 90 000 sein. Sewing drückt bei dem bereits unter seinem Vorgänger John Cryan begonnenen Konzernumbau aufs Tempo.

Denn die Kosten der Bank sind im Branchenvergleich immer noch hoch. Im dritten Quartal lagen sie auf bereinigter Basis - also ohne Sonderfaktoren wie Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten, Konzernumbau oder Abfindungen - bei rund 5,5 Milliarden Euro.

Während sich der deutsche Branchenprimus um bessere Zeiten müht, enteilt die US-Konkurrenz immer weiter. Der dortige Marktführer JPMorgan Chase ist auf dem besten Weg, im Gesamtjahr 2018 mehr Geld zu verdienen, als die Deutsche Bank derzeit an der Börse wert ist. Im dritten Quartal steigerte das größte US-Geldhaus seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast ein Viertel auf 8,4 Milliarden Dollar (7,3 Milliarden Euro). Auch bei anderen großen US-Banken lief es dank niedrigerer Steuern, höherer Zinsen und boomender US-Wirtschaft blendend.

An der Börse kamen die Zahlen der Deutschen Bank nicht gut an: Der Kurs der Aktie rutschte am Vormittag um bis zu knapp fünf Prozent ab - und kam damit in die Nähe des Rekordtiefs von knapp 8,76 Euro vom Sommer. Das Papier gehört seit Jahren zu den größten Verlierern am Kapitalmarkt, daran änderte auch Sewings Berufung im April nichts: seitdem ging es um weitere 20 Prozent nach unten. Seit Jahresbeginn verlor die Deutsche-Bank-Aktie fast 44 Prozent an Wert.

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