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Deutschland ist Verpackungsmüll-Europameister

17:53 Uhr 26.07.2018
Verpackungsmüll
Die Deutschen verbrauchen mehr als 220 Kilo Verpackungen pro Kopf im Jahr - der europäische Durchschnitt liegt bei 167,3 Kilo pro Kopf. FDoto: Stefan Sauer Foto: Stefan Sauer

Berlin (dpa) - Kaufen, öffnen, wegwerfen: Verpackungen haben meist ein kurzes Leben, bevor sie in der Tonne landen. Und allen Appellen zum Trotz produzieren die Deutschen unverändert viel Verpackungsmüll. 220,5 Kilo pro Kopf und Jahr waren es im Jahr 2016, wie das Umweltbundesamt bekannt gab.

Das machte 18,16 Millionen Tonnen insgesamt - und damit etwa gleich viel wie im Vorjahr, nämlich 0,05 Prozent mehr. Der Verpackungsverbrauch in Deutschland liegt damit weiterhin deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 167,3 Kilo pro Kopf. Knapp die Hälfte, nämlich 47 Prozent, ging auf das Konto privater Verbraucher.

Für Umweltschützer ist die Sache klar. «Wir produzieren viel zu viel Verpackungsmüll - ein trauriger Spitzenplatz in Europa», kommentierte die Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA), Maria Krautzberger, die Zahlen. Müll müsse vermieden werden durch den Verzicht auf unnötige und unnötig materialintensive Verpackungen. Auf Platz zwei in Europa liegt Luxemburg mit 211,9 Kilogramm pro Kopf - basierend auf Werten aus dem Jahr 2015. Irland liegt auf Platz drei mit 209,1 Kilogramm pro Kopf (2015). Laut Umweltbundesamt haben sich diese Werte innerhalb eines Jahres nicht deutlich verändert.

Warum fällt überhaupt so viel Verpackungsmüll an? Die Bundesbehörde nennt mehrere Gründe: zusätzliche Funktionen wie Dosierhilfen, aufwendige Verschlüsse, kleinere Portionen für Single-Haushalte, den Online-Versandhandel und den Trend zum «To go»-Konsum - also Essen und Trinken zum Mitnehmen in Plastik, Pappe oder Styropor.

In der öffentlichen Debatte ist derzeit vor allem Plastik ein Thema - ausgelöst durch schockierende Bilder verschmutzter Strände und riesiger Müllstrudel im Meer. Pro Kopf ging der Plastik-Verpackungsmüll bei Privatpersonen sogar ein klein wenig zurück auf 24,9 Kilo pro Kopf und Jahr - 2015 waren es 25 Kilo.

Doch das alleine hilft nicht: «Dafür wurden mehr Glas- und Aluminiumverpackungen verwendet, was auf einen Ersatz der Kunststoffverpackungen schließen lässt», teilte das UBA mit. Gerade Glas und Aluminium seien in der Herstellung aber sehr energieintensiv. «Kunststoff durch andere Verpackungsmaterialien zu ersetzen, ist nicht immer ökologisch sinnvoll», mahnte Krautzberger. Recycling-Experte Rolf Buschmann vom BUND erklärte: «Nur im regionalen Vertrieb und im Mehrwegsystem ist Glas aus ökologischen Gesichtspunkten gleichwertig wie Kunststoffe oder besser.»

Dass so viele Verpackungen produziert und weggeworfen werden, ist in Deutschland vor allem ein Problem der Rohstoffverschwendung und des Energieverbrauchs. In der Natur oder im Meer landet deutscher Müll nur selten. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) betont aber immer wieder, dass Deutschland als Industrienation auch eine Vorbildfunktion habe, was Konsumgewohnheiten angeht.

Mehr als 70 Prozent des deutschen Verpackungsmülls wurden 2016 recycelt. Allerdings waren die Quoten ganz unterschiedlich: 85,5 Prozent bei Glas, 87,9 Prozent bei Alu, 88,7 Prozent bei Papier und Karton und sogar 92,1 Prozent bei Stahl, aber nur 49,7 Prozent bei Kunststoff und 26 Prozent bei Holz.

Die Bundesregierung hofft auf die Wirkung des neuen Verpackungsgesetzes, das ab Januar 2019 in Kraft tritt. Dann steigen nicht nur die verpflichtenden Recycling-Quoten. Die Lizenzgebühren, die Hersteller für ihre Verpackungen und deren Entsorgung zahlen, müssen sich dann auch danach richten, wie leicht oder schwer eine Verpackung recycelt werden kann. Die Grünen im Bundestag forderten am Donnerstag außerdem ein verbindliches Ziel zur Vermeidung von Verpackungsmüll sowie eine Regulierung der Industrie, damit sie zum Beispiel auf «unsinnige Doppelt- und Dreifachverpackungen» verzichte.

Einen Schwerpunkt legte das Bundesamt in seinem Bericht auf ein Umweltproblem, das bisher nicht viele auf dem Schirm haben: Verpackungen, die Magnete beinhalten. Sie seien zwar eine «Nischenerscheinung», aber rohstoffpolitisch interessant, hieß es da. Der Grund sei, dass Magnete sehr oft das Metall Neodym enthalten, bei dessen Abbau radioaktives Thorium und Uran freigesetzt würden.

Neodym zählt zu den seltenen Erden. Solche Magnete werden etwa für wiederverschließbare Pralinen- oder Zigarettenschachteln verwendet. Im Jahr 2017 fielen laut UBA etwa 4,5 Tonnen neodymhaltige Magnete als Verpackungsabfall an, davon rund 1,5 Tonnen reines Neodym. Bisher werde keine Rückgewinnung von Neodym aus Verpackungen durchgeführt, so dass das seltene Metall verloren gehe.

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