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Kein Weihnachtsfriede im Lebensmittelhandel

14:59 Uhr 21.12.2018
Kaufland
Der "Kaufland"-Schriftzug an einer Filiale der Handelskette. Foto: Jens Wolf/ZB

Neckarsulm (dpa) - Von Weihnachtsfriede keine Spur: Im deutschen Lebensmittelhandel eskalieren die Konflikte zwischen den großen Ketten und Markenherstellern wie Nestlé oder Unilever. Verbraucher werden deshalb vielleicht schon bald öfter vergeblich beim Einkauf nach bestimmten Produkten suchen.

Für großes Aufsehen sorgte dabei am Freitag die Handelskette Kaufland. «Zum 31. Dezember beendet Kaufland die Jahrzehnte langen Geschäftsbeziehungen zu Unilever in Deutschland», teilte sie mit. Damit dürften schon bald bekannte Marken wie Knorr, Mondamin, Pfanni, Dove, Duschdas oder Signal aus den Regalen des Unternehmens verschwinden. Nur einige ausgewählte Eissorten aus dem Unilever-Angebot will die Kette weiter verkaufen. Unilever wollte die Vorgänge nicht kommentieren. Zuvor hatten die «Lebensmittel Zeitung» und das «Handelsblatt» darüber berichtet.

Eigentlich sind Streitigkeiten zwischen Händlern und Lieferanten nichts Ungewöhnliches. Immer wieder kommt es dazu, dass Händler einzelne Produkte «auslisten» oder umgekehrt Markenhersteller vorübergehend die Belieferung eines Händlers einstellen. Meist wollen sie damit Preiserhöhungen oder bessere Lieferkonditionen durchsetzen.

Doch in den vergangenen Monaten haben die Auseinandersetzungen eine neue Qualität erreicht - auch, weil die Händler inzwischen internationale Einkaufsbündnisse schmieden. So wollen sie ihren großen Lieferanten, die in der Regel deutlich mehr Geld verdienen als sie selbst, besser Paroli bieten.

Bereits im Frühjahr hatte Edeka zusammen mit europäischen Verbündeten wie Intermarché und Coop Schweiz monatelang mit dem Schweizer Lebensmittelriesen Nestlé über Konditionen gestritten und zeitweise fast 200 Produkte des Herstellers boykottiert. Dabei habe das Händlerbündnis dem Schweizer Giganten deutlich verbesserte Bedingungen abgerungen, berichtete die «Lebensmittel Zeitung».

Gerade erst einigte sich dasselbe Händlerbündnis nach harten Konflikten mit Red Bull, Kellogg's und Heineken über die künftigen Lieferkonditionen, wie Edeka am Freitag mitteilte. Ein Streit mit dem Süßwarenhersteller Mars, der ebenfalls mit Bestellstopps ausgetragen wird, schwelt derweil nach Angaben der «Lebensmittel Zeitung» weiter.

Kaufland hebt den De-facto-Abbruch der Geschäftsbeziehungen zu einem der größten Konsumgüter-Hersteller der Welt noch einmal auf ein neues Level. Dabei teilt der Händler, der in den vergangenen Monaten bereits zahlreiche Unilever-Produkte auslistete, noch einmal kräftig aus. Eine Analyse der Marktdaten habe ergeben, «dass Unilever-Produkte eine hohe Austauschbarkeit aufweisen und die Kunden sich bereits darauf eingestellt haben», begründete Kaufland dies.

In den Augen von Kaufland ist es ein Akt der Selbstverteidigung: Unilever versuche, seine Marktposition zu nutzen, um die eigenen Erträge noch weiter zu erhöhen - und habe von Kaufland drastische Preiserhöhungen gefordert. Hätte Kaufland dies akzeptiert, hätte das nach seinen Angaben zu «erheblichen Erhöhungen der Verkaufspreise geführt, die über marktübliche Preise hinausgegangen wären».

Unilever kommentierte die Vorgänge zunächst nicht. Die «Lebensmittel Zeitung» berichtete aber unter Berufung auf informierte Kreise, dass das Unternehmen den Bruch in Kauf genommen habe, weil der Händler in Deutschland nicht mehr die Wachstumsraten früherer Jahre aufweise, aber trotzdem jedes Jahr bessere Konditionen einfordere. Das habe ihn zu einem teuren Kunden gemacht.

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