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Nachhaltige Mode: Textilbündnis kommt langsam in Fahrt

16:51 Uhr 13.08.2018
Textilfabrik in Bangladesch
Mitarbeiter einer Textilfabrik in Tongi, einem Vorort von Dhaka in Bangladesch. Foto: Tim Brakemeier

Berlin (dpa) - Der Start war mühsam. Doch allmählich nimmt das 2014 auf Initiative von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) gegründete Bündnis für nachhaltige Textilien Fahrt auf.

Die 130 Mitglieder planen für das laufende Jahr rund 1300 konkrete Maßnahmen, um soziale und ökologische Mindeststandards in der Textilproduktion durchzusetzen. Dies sei ein «wichtiger Meilenstein» in den Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit in den Textil-Lieferketten, betonte der Leiter des Bündnissekretariats, Jürgen Janssen, am Montag.

Das Bündnis war Ende 2014 als Antwort auf tödliche Unfälle in Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan gegründet worden. Ziele sind unter anderem existenzsichernde Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion, sowie die Vermeidung gesundheitsschädlicher Chemikalien. Dem Bündnis gehören unter anderem Modefirmen, Handelsketten, Verbände, Behörden und Hilfsorganisationen an. Zusammen repräsentieren sie knapp 50 Prozent des deutschen Textilmarktes.

Erstmals müssen in diesem Jahr die 116 dazu verpflichteten Bündnismitglieder - darunter viele bekannte Namen wie H&M, KiK, Primark, Aldi, Ekeda oder Gerry Weber - Maßnahmenpläne veröffentlichen, wie sie konkret für mehr Nachhaltigkeit in der Textil-Lieferkette sorgen wollen. Und nicht nur das: 2019 müssen die Mitglieder über ihre Erfolge oder Misserfolge bei der Umsetzung öffentlich Rechenschaft ablegen.

Doch bei dem Bemühen um mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit läuft nicht alles rund. Wie das Textilbündnis berichtete, mussten kürzlich sieben Mitglieder mit sofortiger Wirkung aus dem Textilbündnis ausgeschlossen werden, weil sie die Anforderungen nicht erfüllten. Einige weitere Mitglieder traten seit Jahresbeginn freiwillig aus. Die Folge: Die Zahl der Mitglieder sank innerhalb von zwölf Monaten von 146 auf rund 130.

Der Hemden-Fabrikant Olymp verließ das Bündnis nach eigenen Angaben, weil sich abzeichnete, «dass die Bündnisarbeit nur sehr mühsam und unbeständig voranschritt, bei gleichzeitig unverhältnismäßig hohem Personal- und Mitteleinsatz». Dennoch bleibe es «höchstes Bestreben» von Olymp, seine Produkte unter sozial-, gesundheits- und umweltverträglichen Bedingungen herzustellen, betonte ein Firmensprecher.

Aber auch innerhalb des Bündnisses gab es Kritik. Manchen Hilfsorganisationen, die dem Bündnis angehören, ist das Tempo nicht hoch genug. Berndt Hinzmann vom entwicklungspolitischen Inkota-Netzwerk bemängelte kürzlich, der Steuerungskreis des Bündnisses habe für das Jahr 2018 das Thema existenzsichernde Löhne als Schwerpunkt festgelegt, doch passiert sei danach wenig. «Das Textilbündnis läuft derzeit Gefahr wirkungslos zu bleiben, wenn die selbst gesteckten Schwerpunkte nicht eingehalten werden», meinte er. Immer wieder wird in den Hilfsorganisationen deshalb der Ruf nach einer gesetzlichen Regelung laut.

Der Leiter des Bündnissekretariats Jürgen Janssen hat dennoch keinen Zweifel am Nutzen des Bündnisses - gerade verglichen mit den Alternativen. «Wenn wir warten würden, bis es eine gesetzliche Regelung gibt, müssten wir vielleicht sehr lange warten und nichts passiert», meinte er. Auch Alleingänge von Unternehmen sieht er eher skeptisch: «Natürlich kann jedes Unternehmen für sich nachhaltiger werden, das ändert aber an den strukturellen Problemen in der Lieferkette wenig. Das kann man im Bündnis besser.»

Für Janssen ist die Frage deshalb nicht, ob das Glas halbleer oder halbvoll ist. «Wichtig ist, dass Fortschritt stattfindet und dass dieser Fortschritt öffentlich nachvollziehbar ist.»

Mitteilung des Textilbündnisses

Inkota zum Textilbündnis

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