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Online-Anbieter Tipp24 übernimmt Lotto24

18:15 Uhr 19.11.2018
Lotto-Kugeln
Der Online-Lotterieanbieter Zeal Network aus London (Tipp24) will den Hamburger Konkurrenten Lotto24 übernehmen. Foto: Fredrik von Erichsen

London/Hamburg (dpa) - In den milliardenschweren deutschen Lotteriemarkt kommt auch angesichts rechtlicher Risiken Bewegung. Der Online-Lotterieanbieter Zeal Network aus London (Tipp24) will den Hamburger Konkurrenten Lotto24 übernehmen.

Wie Zeal an diesem Montag in London mitteilte, wollen die Unternehmen damit das Wachstum in der Online-Lotterievermittlung beschleunigen.

Die kombinierte Unternehmensgruppe werde auf der Marktposition von Lotto24 aufbauen, hieß es. Zeal will eine digitale Lotteriegruppe mit derzeit zusammen mehr als 5 Millionen Kunden weltweit schaffen. Das deutsche Zweitlotterie-Geschäftsmodell von Tipp24 soll eingestellt werden.

Hintergrund ist auch eine unklare Rechtslage: Tipp24 gehört zu sogenannten Zweitlotterien, die über keine Wettlizenz in Deutschland verfügen, sondern in einem anderen EU-Land. Diese Anbieter sind damit in Deutschland nicht reguliert. Sie agieren in einer rechtlichen Grauzone, werden aber faktisch geduldet.

Mit Blick darauf teilte Zeal mit, das veränderte Geschäftsmodell werde mittelfristig «regulatorische Risiken» verringern. Zeal-Chef Helmut Becker erklärte, das Unternehmen werde sich mit Lotto24 «wiedervereinigen». Lotto24 war durch die Abspaltung des deutschen Geschäfts der heutigen Zeal entstanden.

Die geplante Übernahme werde den deutschen Lotteriemarkt erheblich stärken und die Mittelzuflüsse an die Bundesländer sowie an gemeinnützige Organisationen erhöhen, so Zeal. Mit der zuständigen deutschen Glücksspielaufsicht seien bereits Gespräche über die zukünftige Erlaubnis als gewerblicher Spielvermittler für das vergrößerte Unternehmen aufgenommen worden. Im Zuge der Übernahme will Zeal den Unternehmenssitz von Großbritannien nach Deutschland verlagern. Lotto24 sitzt in Hamburg.

Lotto24 sieht sich als Nummer 1 bei den Online-Lotterien in Deutschland. Das Unternehmen ist zugelassener Vermittler von Spielscheinen von Kunden an die staatlichen Landeslotteriegesellschaften sowie die Deutsche Fernsehlotterie und erhält dafür eine Vermittlungsprovision.

Die Bundesländer ringen seit langem um eine Reform der Kontrolle über den Glücksspielmarkt. Es geht um einen neuen Glücksspielstaatsvertrag. Knackpunkt bei den Verhandlungen ist die Zukunft des staatlichen Lottomonopols und eine Regulierung des boomenden Glücksspiels im Internet.

Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) erklärte auf Anfrage: «Jede ernstgemeinte Rückkehr in legale Bahnen ist positiv zu bewerten.» Zweitlotteriemodelle nützten nur einem, dem Anbieter. «Wenn es also tatsächlich die Absicht gibt, zukünftig als lizenzierter gewerblicher Spielevermittler tätig zu werden, hilft das dem Gemeinwohl und dem Steuerzahler, der bislang die Zeche für ausbleibende Steuern und Abgaben zu zahlen hatte.»

Der staatliche Lotteriemarkt in Deutschland schrumpft seit Jahren. Dem Staat entgehen dadurch hohe Steuereinnahmen. Durch Überschüsse der Lottogesellschaften werden zum Beispiel Programme im Sport, im Denkmalschutz oder in sozialen Bereichen gefördert.

Das Glücksspiel aber wandert zunehmend ins Internet ab - wie zu den Online-Zweitlotterien. Das geht etwa aus einer im Herbst 2017 vorgelegten Analyse des Handelsblatt Research Institute für Westlotto hervor.

Zeal plant für das Geschäft ein Aktientauschangebot. Konkret bietet das Unternehmen im Tausch gegen je 1,6 Aktien der Lotto24 eine eigene Aktie. Lotto24 kündigte an, den Vorschlag zu prüfen. Grundsätzlich sehe man in Zeal einen strategisch sinnvollen Partner für die weitere Entwicklung von Lotto24. Einige Lotto24-Großaktionäre hätten sich schon zur Annahme des Angebots verpflichtet, so dass Zeal bereits Zusagen für rund 65 Prozent der Aktien hat.

Der deutsche Glücksspielmarkt ist ein Milliardenmarkt. Zum legalen Markt zählen die Lotterien und Sportwettangebote der 16 Landeslotteriegesellschaften, die Spielbanken, das Angebot von Geldspielgeräten in Spielhallen und Kneipen sowie staatlich konzessionierte Pferdewettenangebote; zum Schwarzmarkt gehören Glücksspielangebote, die nicht über eine deutsche Konzession, wohl aber über eine aus einem anderen EU-Mitgliedsstaat verfügen - daneben Sportwetten im Internet, Online-Casinos und Online-Poker.

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