Neu aufgelegte Fonds für Rüstungsaktien

vom 01.03.2025, 17:45 Uhr
Glimmung
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Bislang herrscht in der Fondsbranche immer noch eine gewisse

Schamgrenze, man wartet darauf, dass Rüstungskonzerne als ESG-konform

(also konform mit ökologischen und sozialen Kriterien sowie Kriterien

guter Unternehmensführung) gelabelt werden...

Ethische Motive bei der Geldanlage sind aber immer eine komplexe Sache.

Was für den einen gut ist, ist für den anderen schon verwerflich. Bayer

ist mit seiner Katastrophenfusion mit Monsanto sicher ein Alb-Traum für

viele Anleger. Aber seien wir ehrlich, wollen wir eigentlich tatsächlich wirklich wissen, wie und wo eine Adidas, Inditex oder Nestlé ihre Geschäfte machen und der Umwelt begegnen ?

Kritisch betrachtet, kommen immer erst neue Fondsprodukte raus, wenn ein

Trend auch schon sehr weit gelaufen ist. Rheinmetall hat z.B. seinen

Firmenwert in den letzten vier Jahren nicht weniger als verzwölffacht.

Bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und bei der Deka, der

Wertpapierbank der Sparkassen, stehen zwei neue Fonds im Schaufenster,

die sich mit Verteidigung beschäftigen. Bei der Deka heißt der Fonds

"Security and Defense", zu Deutsch: Sicherheit und Verteidigung, bei der

LBBW "Sicher leben". Für beide Fonds gilt, dass man "nur" in Rüstungsunternehmen westlicher Firmen investieren will.

Deka-Security and Defense CF (ISIN: LU2941481082)

Dieser neu auf aufgelegte Fond ist ein ziemlicher kruder

Gemischtwarenladen zum weiten Themenfeld Sicherheitsdienstleistungen und -Produkte. Die explizite Anlage in Verteidigung und Rüstungsindustrie

ist da nur ein Teil vom großen Ganzen...

Der Fonds legt weltweit mindestens 61% des Nettofondsvermögens in Aktien

an. Die Verwaltungsgesellschaft verfolgt die Strategie, für das Netto Fondsvermögen Aktien von Unternehmen zu erwerben, bei denen erwartet werden kann, dass sie bei ihren Umsatzerlösen oder ihrem

Jahresergebnis von den Entwicklungen rund um das Themenfeld

Sicherheitsdienstleistungen und -Produkte (öffentliche Sicherheit,

private Sicherheit, IT-Sicherheit, Verteidigung) besonders profitieren

können. Das umfasst unter anderem Investitionen in Unternehmen der

Branchen oder der Industriesektoren Gesundheitswesen, Pharmazeutika,

Biotechnologie, Lebens- und Krankenversicherungen, Internet-Dienste und -Infrastruktur, Anlagendienste, Sicherheitsdienste und Anbieter von

Alarmdienstleistungen, Luft- und Raumfahrt und Verteidigung sowie der

Rüstungsindustrie, wobei hierbei Investitionen ausgenommen sind, die mit

der Herstellung oder dem Vertrieb von nach internationalen Konventionen

geächteten Waffen (zum Beispiel kontroverse Waffen nach UN

Waffenkonventionen) einhergehen. Die Gewichtung der vier Themenfelder

(öffentliche Sicherheit, private Sicherheit, IT-Sicherheit, Verteidigung) ergibt sich aus den Unternehmensanalysen und

Einschätzungen zur Attraktivität der Einzeltitel.

LBBW Sicher Leben (ISIN: DE000LB6B0M7)

LBBW Asset Management hat den Themenfonds LBBW Sicher Leben (ISIN:

DE000LB6B0M7) aufgelegt. Der Fonds investiert in Unternehmen, die an der

wachsenden Bedeutung des Themas Sicherheit partizipieren. Das

Portfoliomanagement konzentriere sich sowohl auf Aktien von Unternehmen,

die in der Verteidigungstechnologie- und Rüstungsbranche tätig seien,

als auch auf solche, die "Lösungen zur Abwehr von Cyberangriffen oder

Produkte für die physische Sicherheit im täglichen Leben anbieten"

Der geografische Schwerpunkt des Fonds liegt auf Nordamerika und Europa,

wo nicht nur die meisten Unternehmen in diesen Sektoren beheimatet

seien, sondern auch die notwendige Transparenz gegeben sei. Unternehmen

aus Russland, China, Nordkorea, Iran, Irak und den Vereinigten

Arabischen Emiraten bleiben außen vor. Zudem gilt ein Ausschluss von

Herstellern biologischer und chemischer Waffen, Anti-Personen-Minen und

Streubomben.

"Hohes Wachstumspotenzial" ist die Werbeaussage zur Auflegung dieses

neuen Fond.

"Angesichts der zunehmenden Cyberangriffe, geopolitischer Instabilitäten

und steigender Verteidigungsausgaben haben Unternehmen, die sich auf

diese Themen fokussieren, ein hohes Wachstumspotenzial", sagt

Portfoliomanager Yannik Schiele. "Unternehmen, die den steigenden Bedarf

an Sicherheitslösungen befriedigen, verfügen über gute Voraussetzungen,

auch langfristig attraktive Renditen zu erzielen", ergänzt sein

Fondsmanagerkollege Felix Jäger.

Weitere Aussichten der Rüstungsbranche.

Nach der Münchener Sicherheitskonferenz verdichteten sich die Zeichen:

Europas Verteidigungsstrategie steht vor einer Zeitenwende. Mit dem

Trump-Comeback im Weißen Haus wächst die Unsicherheit, ob der jahrzehntelange Schutz durch die USA noch garantiert ist. Die Folge? Europa muss strategisch nachrüsten – und zwar mit Nachdruck.

Deutschland allein könnte seine Verteidigungsausgaben von aktuell gut

zwei Prozent des BIP auf drei bis vier Prozent anheben. Grob gerechnet

führt ein Anstieg um einen Prozentpunkt zu etwa 40 Milliarden Euro an

Mehrausgaben pro Jahr.

Nachdem das gestrige Treffen von US-Präsident Trump mit seinem

ukrainischen Gast Selenskyj vor laufender Kamera in einem beispiellosen

Streit eskaliert ist und Selenskyi danach quasi rausgeworfen wurde, ist

es fraglich, inwieweit die US-Politik überhaupt noch eine fortgesetzte

militärische Unterstützung für die Ukraine leisten wird...

Sieht jetzt alles danach aus, als ob Europa alleine eine fortgesetzte Waffenhilfe an die Ukraine leisten muss, falls die Ukraine den

diktierten "Friedensvertrag" der USA in der jetzigen Form nicht akzeptieren kann/will.

Solcherlei Ereignisse befeuern den Ruf nach Verteidigung/Aufrüstung nur

noch zusätzlich.

Auch dürften auf dem Aktienmarkt ganz neue Akteure auf den Plan treten.

Nicht nur, das gerade vermehrt Rüstungsfonds aufgelegt werden, die

zusätzliche Anlagegelder einsammeln.

Auch der Norwegische Staatsfond, der momentan 1,8 Billionen (!) US Dollar verwaltet, prüft nun ob zukünftig auch in Rüstungsaktien investiert werden darf ! Damit betritt ein weiterer "

Investitionsriese" mit richtig tiefen Taschen das Spielfeld. Bis jetzt

wurde die Investition in Rüstungsunternehmen noch vom norwegischen Parlament verboten. An diesem Beispiel sieht man, wie sich die Denkweise langsam komplett verändert. Auch die restliche Investmentszene könnte

ihre Bedenken langsam abstreifen, und auch mit Teilen ihres Anlagevolumens ins (lukrative) Rüstungssegment einsteigen.

Etliche aktiv gemanagte Fonds haben (zwecks besserer Performance) ihre Allokation in Rüstungsaktien erhöht.

Teilweise Überhitzungstendenzen sichtbar:

Die Aktie des Rüstungskonzerns Rheinmetall notiert aktuell bereits knapp

über 1.000 Euro, ein Niveau, das selbst die erfahrensten Anleger kurz innehalten lässt. Erste Analysten wie jene der UBS liegen schon bei 1.200 Euro im Kursziel – frisch herausgegeben nach der Bundestagswahl.

Doch ist der Höhenflug bei Rheinmetall fundamental gerechtfertigt oder

schon ein Produkt überhitzter Fantasie?

Rheinmetall steht als einer der Hauptprofiteure bereit: Schon aus dem

100-Milliarden-Euro-Sondervermögen könnte sich der Konzern

schätzungsweise etwa 40 Prozent der Aufträge gesichert haben. Dank eines

breit gefächerten Portfolios – von Munition über Panzer hin zu Logistiksystemen – dürften in den kommenden Jahren auch weitere Nato-Staaten an die Düsseldorfer Türen klopfen. Kurz gesagt: Die

langfristige Wachstumsgeschichte liest sich jedenfalls gut.

Rheinmetall ist mit einem Plus von rund

62 % die bisher beste DAX-Aktie

im Jahr 2025. Doch so rosig das fundamentale Bild auch sein mag – der

Markt hat es längst eingepreist. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von > 30 basierend auf den Gewinnprognosen für die nächsten zwölf Monate

notiert Rheinmetall deutlich über der eigenen historischen Bandbreite

der vergangenen Jahre von 10 bis 20.

Ein stolzer Aufschlag also, auch im

Branchenvergleich.

Anfang 2022 und 2024 folgten auf explosive Anstiege übrigens ebenso plötzliche Konsolidierungen...

Zum Vergleich: Andere Rüstungsriesen wie der italienische Konzern

Leonardo, Thales aus Frankreich oder Hensoldt werden mit einem

2025er-KGV von unter 20 bewertet, sind also deutlich günstiger.

Wer die zukünftig zu erwartenden kurstechnischen "Wechselbäder" scheut,

kann sein Risiko breiter streuen, wählt statt einer Einzelaktie inzwischen wohl besser einen Index als Basiswert.

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