Aave v2 Börsenlexikon Vorheriger Begriff: OHM-Token (Olympus) Nächster Begriff: AAVE-Token

Eine dezentrale, nicht-verwahrende Liquiditätsprotokoll-Version auf Ethereum, die es Nutzern ermöglicht, als Anbieter Zinsen zu verdienen oder als Kreditnehmer überbesicherte oder unterbesicherte Kredite aufzunehmen, mit Funktionen wie Flash Loans, Kreditdelegation und optimierten Gasgebühren

Aave v2 ist die zweite Hauptversion des dezentralen Kreditprotokolls Aave, das auf mehreren Blockchain-Plattformen (u. a. Ethereum, Polygon und Avalanche) verfügbar ist. Aave ermöglicht es Nutzern, digitale Vermögenswerte zu verleihen oder zu leihen, ohne dass eine zentrale Gegenpartei erforderlich ist. Das System basiert auf Smart Contracts und gehört zu den größten und etabliertesten Protokollen im DeFi-Bereich.

Die Version v2 stellt ein bedeutendes Upgrade gegenüber der ursprünglichen Version v1 dar und führte mehrere neue Funktionen ein, die die Effizienz, Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit verbessern sollen. Im Zentrum stehen erweiterte Möglichkeiten der Vermögensverwaltung, flexiblere Kreditverhältnisse und stärkere Risikokontrollen.

Grundprinzipien von Aave

Aave ist ein Liquiditätsprotokoll, bei dem Nutzer Vermögenswerte in sogenannte Liquidity Pools einzahlen. Diese Pools dienen als Basis für die Kreditvergabe. Kreditnehmer können gegen Hinterlegung einer Sicherheit (Collateral) Kredite in Form anderer Token aufnehmen.

Die zentralen Komponenten sind:

  1. Liquidity Provider (Einleger): Stellen Kapital zur Verfügung und erhalten im Gegenzug aTokens, die Zinsen generieren.

  2. Kreditnehmer: Leihen sich Token, indem sie überbesicherte Positionen eröffnen.

  3. aTokens: Repräsentieren den Anteil am Pool und wachsen im Saldo, um Zinsen widerzuspiegeln.

  4. Governance: Wird durch die AAVE-Token-Inhaber in der Aave DAO gesteuert.

Aave unterstützt sowohl variable als auch stabile Zinssätze sowie Funktionen wie Flash Loans (kreditfreie Sofortdarlehen innerhalb einer Transaktion).

Neue Funktionen in Aave v2

Mit dem Update auf v2 wurden eine Reihe technischer und wirtschaftlicher Verbesserungen eingeführt, die das Nutzungsspektrum des Protokolls erweitern:

1. Native Asset-Swaps innerhalb des Protokolls

Aave v2 ermöglicht es, Collateral Assets direkt im Protokoll zu tauschen. Nutzer müssen ihre Sicherheiten nicht mehr abheben und extern umtauschen, sondern können z. B. ETH gegen DAI oder USDC direkt in der Aave-Oberfläche tauschen. Diese Funktion erhöht die Kapital- und Zeiteffizienz erheblich.

2. Schulden-Refinanzierung (Debt Token Swap)

Kreditnehmer können nun auch ihre Kreditverbindlichkeiten zwischen verschiedenen Assets umwandeln. So kann beispielsweise ein Nutzer, der USDC geliehen hat, diese Schulden in DAI umwandeln, ohne die Position zu schließen. Dies erlaubt aktives Schuldenmanagement auf Grundlage sich ändernder Marktbedingungen.

3. Verbesserte Gas-Effizienz

Die Transaktionskosten (Gas Fees) wurden in v2 durch Optimierungen im Smart-Contract-Design deutlich gesenkt. Einzelne Aktionen wie Einzahlen, Auszahlen oder Umschuldung können nun kombiniert und gebündelt ausgeführt werden, was die Komplexität reduziert.

4. Optimierte Liquidationsmechanik

In Aave v2 ist die Liquidation von unterbesicherten Positionen effizienter gestaltet. Durch ein optimiertes System können Liquidatoren die Schulden eines Kreditnehmers schneller übernehmen und das System stabil halten. Zudem kann der Nutzer durch frühzeitige Warnmechanismen besser auf potenzielle Risiken reagieren.

5. Verbesserte Stable-Rate-Funktion

Die Stable Interest Rate-Funktion wurde überarbeitet. Nutzer können bei der Kreditaufnahme wählen, ob sie variable oder stabile Zinssätze bevorzugen. Der Wechsel ist auch nachträglich möglich. Die stabile Rate ist besonders für langfristige Kreditnehmer attraktiv, da sie Planungssicherheit bei den Zinskosten bietet.

6. Delegation von Kreditlinien

Aave v2 führte das Konzept der Credit Delegation ein. Dies erlaubt es einem Nutzer, seine Kreditlinie einem Dritten zu übertragen – ohne dass dieser eigenes Collateral hinterlegen muss. Voraussetzung ist ein bilaterales Vertrauen oder ein Smart-Contract-basiertes Abkommen. Dieses Modell ist besonders für DeFi-Projekte interessant, die auf Kapitalzugang angewiesen sind.

7. Tokenisierung von Schuldenpositionen

Die Kreditverbindlichkeiten eines Nutzers können in Form von Debt Tokens dargestellt werden. Diese Tokens sind nicht übertragbar, bilden aber die Grundlage für zukünftige Finanzinstrumente wie versicherte Schuldenpositionen oder Derivate auf Kreditrisiken.

Sicherheits- und Risikomanagement

Aave v2 verfügt über ein ausgefeiltes Risikomodell, bei dem jedem Asset ein spezifisches Risikoprofil zugeordnet ist. Dazu gehören:

  • Loan-to-Value (LTV): Gibt an, wie viel Kredit ein Nutzer im Verhältnis zur Sicherheit aufnehmen kann.

  • Liquidation Threshold: Definiert den Schwellenwert, bei dessen Unterschreitung die Position liquidiert werden kann.

  • Liquidation Bonus: Belohnung für Liquidatoren, die Positionen auflösen.

Zudem wird jedes Asset kontinuierlich überwacht und durch externe Preisorakel (wie Chainlink) bewertet. Im Fall von Marktverwerfungen können Parameter durch die Aave-Governance angepasst werden.

Governance und AAVE-Token

Die Protokollsteuerung liegt bei der Aave DAO, die durch Inhaber des AAVE-Tokens gebildet wird. Mit AAVE können Governance-Vorschläge eingebracht, abgestimmt und implementiert werden. Zudem kann der Token im Safety Module gestaket werden, um das Protokoll gegen Verluste abzusichern. Im Gegenzug erhalten Staker Belohnungen.

Aave v2 bietet auch Anreize über Liquidity Mining-Programme, wobei Nutzer durch Teilnahme an bestimmten Pools zusätzliche AAVE-Token erhalten können. Diese Programme können durch die DAO aktiviert oder angepasst werden.

Multichain-Expansion

Ein weiteres Merkmal von Aave v2 ist die Fähigkeit, auf mehreren Blockchains gleichzeitig betrieben zu werden. Neben Ethereum wurden unter anderem Polygon und Avalanche integriert. Die Bereitstellung auf Layer-2- und Sidechain-Netzwerken senkt Transaktionskosten und ermöglicht breitere Zugänglichkeit.

Die Architektur ist dabei so gestaltet, dass Assets und Positionen zwischen Chains gespiegelt, jedoch nicht direkt übertragen werden. Die vollständige Interoperabilität mit Cross-Chain-Komponenten wurde erst mit Aave v3 eingeführt, aber v2 bildete die Grundlage für diese Entwicklungen.

Fazit

Aave v2 stellt ein umfassendes Upgrade dar, das sowohl funktionale als auch sicherheitstechnische Verbesserungen enthält. Mit der Einführung von Asset-Swaps, Schuldenrefinanzierungen, Kreditlinien-Delegation und optimierter Gas-Nutzung wurde das Protokoll für ein breiteres Spektrum an Nutzern und Anwendungsfällen geöffnet. Dabei bleibt Aave seiner zentralen Mission treu, ein sicheres, transparentes und vollständig dezentralisiertes Kreditprotokoll zu sein. Die Weiterentwicklung durch die Community und die modulare Architektur machen Aave v2 zu einem Meilenstein im Bereich der dezentralen Kreditmärkte und bilden die Basis für die noch leistungsfähigeren Funktionen in Aave v3.