Aave v3 Börsenlexikon Vorheriger Begriff: AAVE-Token Nächster Begriff: AAVE-Protokoll

Eine verbesserte Version des Aave-Protokolls auf Ethereum und kompatiblen Chains, die erweiterte Funktionen wie Cross-Chain-Kredite, verbesserte Kapitaleffizienz und Risikomanagement für dezentrale Kredit- und Liquiditätslösungen bietet

Aave v3 ist die dritte Hauptversion des dezentralen Kreditprotokolls Aave und stellt eine bedeutende Weiterentwicklung gegenüber den Vorgängerversionen v1 und v2 dar. Ziel von Aave v3 ist es, die Kapital- und Risikoeffizienz, die Cross-Chain-Funktionalität und die Sicherheit des Systems weiter zu verbessern. Mit der Einführung von v3 reagiert das Protokoll auf veränderte Marktbedingungen, technische Fortschritte im DeFi-Ökosystem und die zunehmende Bedeutung von Layer-2- und Multichain-Architekturen.

Aave v3 ist modular aufgebaut, vollständig durch Governance steuerbar und bietet eine Vielzahl neuer Funktionen, die sowohl für institutionelle als auch private Nutzer von hoher Relevanz sind.

Optimierung der Kapitalnutzung

Ein zentrales Ziel von Aave v3 ist die effizientere Verwendung von hinterlegten Sicherheiten und liquiden Mitteln. Hierzu wurden mehrere Mechanismen eingeführt, die die Kreditvergabe dynamischer und risikooptimierter gestalten.

1. High-Efficiency Mode (E-Mode)

Der sogenannte E-Mode (Efficiency Mode) erlaubt es Nutzern, besonders hohe Beleihungswerte zu nutzen, wenn sie Sicherheiten und Kredite in stark korrelierten Vermögenswerten halten. Typische Beispiele sind Stablecoins wie USDC, USDT und DAI.

In einem aktivierten E-Mode kann der Loan-to-Value (LTV) bis zu 97 % betragen. Dies bedeutet, dass ein Nutzer mit 1.000 USDC als Sicherheit bis zu 970 USDT leihen kann – bei gleichzeitig reduzierter Liquidationsgefahr, solange die Preisparität erhalten bleibt.

Die Aktivierung erfolgt benutzerseitig, wobei die Nutzung auf einzelne Asset-Gruppen beschränkt ist, die durch Governance festgelegt werden.

2. Isolation Mode

Der Isolation Mode ermöglicht es dem Protokoll, neue oder risikoreichere Vermögenswerte sicher in das System zu integrieren. Wird ein Asset im Isolation Mode aufgenommen, kann es zwar als Sicherheit hinterlegt werden, aber nur zur Aufnahme von bestimmten „zulässigen“ Stablecoins dienen (z. B. USDC, USDT, DAI).

Zudem ist die maximal mögliche Kreditaufnahme (Debt Ceiling) für jedes isolierte Asset begrenzt, um systemweite Risiken zu minimieren. Dieser Mechanismus schützt das Protokoll vor potenziell unsicheren oder wenig liquiden Token, die andernfalls systemweite Liquidationen auslösen könnten.

3. Supply and Borrow Caps

Aave v3 führt obergrenzenbasierte Risikokontrollen für jedes Asset ein. Die Governance kann folgende Begrenzungen festlegen:

  • Supply Cap: Maximale Menge eines Vermögenswertes, die ins Protokoll eingezahlt werden darf.

  • Borrow Cap: Obergrenze für die kreditseitige Nutzung des jeweiligen Assets.

Diese Caps ermöglichen eine präzise Steuerung des Risikoprofils je nach Asset und Marktumfeld und verhindern eine übermäßige Konzentration auf bestimmte Token.

Verbesserte Liquiditätsmobilität

Ein bedeutender Fortschritt von Aave v3 ist die Unterstützung für Cross-Chain-Funktionalitäten. Dabei wird das Ziel verfolgt, ein einheitliches Liquiditätsnetzwerk über verschiedene Blockchains hinweg zu schaffen.

1. Portal

Mit dem Portal-Feature können Nutzer Liquidität zwischen Aave-Märkten auf verschiedenen Chains verschieben. Beispielsweise kann ein Nutzer seine Position auf Polygon schließen und dieselbe Position auf Avalanche wieder öffnen – ohne klassische manuelle Transaktionen über Brücken und Exchanges.

Das Portal funktioniert über Brückenmechanismen in Kombination mit genehmigten Bridge-Protokollen und ermöglicht eine kettenübergreifende Ausleihe und Rückzahlung. Die Protokoll-Governance kann entscheiden, welche Bridges zugelassen werden, um Sicherheitsstandards zu gewährleisten.

2. Asset-Reserve-Konfigurationen

Jede Blockchain-Instanz kann individuell konfiguriert werden. Governance kann bestimmen, ob ein Asset auf einer bestimmten Chain isoliert geführt wird, für E-Mode zugelassen ist oder mit Supply/Borrow Caps versehen wird. Damit ist die Risikosteuerung kettenübergreifend differenzierbar.

Dynamische Zinssatzstrategien

Die Zinsmodelle in Aave v3 wurden erweitert, um flexibler auf Marktbedingungen reagieren zu können. Dazu gehören:

  • Linear Zinssatzkurven: Für Assets mit geringem Risiko.

  • Zinskurven mit zwei Steigungen (Double Slope): Für Assets mit hohem Nachfragepotenzial.

  • Anpassbare Zinsschwellenwerte: Parameter können per Governance an die Marktvolatilität angepasst werden.

Durch die modularen Strategien können unterschiedliche Asset-Klassen gezielt gesteuert werden, um Liquidität und Nachhaltigkeit zu fördern.

Gasoptimierung und Architektur

Aave v3 wurde vollständig auf Gas-Effizienz optimiert. Die Überarbeitung der Smart Contracts führte zu deutlich geringeren Transaktionskosten gegenüber v2. Einige Transaktionen benötigen bis zu 20–25 % weniger Gas. Dies ist besonders auf Layer-1-Ketten mit hohen Gebühren wie Ethereum ein signifikanter Vorteil.

Zudem wurde die Architektur modularisiert, wodurch Funktionen wie Risk Admins, Asset Listing Admins und Orakel-Konfigurationen getrennt verwaltet werden können. Diese modulare Governance-Architektur erhöht die Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit des Protokolls.

Staking, Governance und Sicherheitsmodell

Die Funktionalität des AAVE-Tokens bleibt auch in v3 unverändert zentral:

  • Governance-Rechte: AAVE-Inhaber entscheiden über alle wesentlichen Protokollparameter.

  • Staking im Safety Module: Zur Absicherung gegen systemische Risiken können AAVE-Token gestakt werden. Bei schwerwiegenden Verlusten kann ein Teil der gestakten Tokens verwendet werden (Slashing).

  • Incentivierung: Über Liquidity Mining oder spezifische Belohnungsmechanismen kann die Governance Anreize für Einleger und Kreditnehmer schaffen.

Die Aave DAO bleibt über alle Versionen hinweg das höchste Steuerungsgremium und kann Instanzen auf neuen Chains starten oder Parameter anpassen.

Fazit

Aave v3 markiert einen wichtigen technologischen und strukturellen Fortschritt im dezentralen Kreditwesen. Durch die Einführung von Funktionen wie High-Efficiency Mode, Isolation Mode, Supply/Borrow Caps und Portal schafft das Protokoll neue Möglichkeiten für risikobewusste Kreditvergabe und kettenübergreifende Kapitalmobilität. Die deutliche Gas-Optimierung, die flexiblen Zinsmodelle und die modulare Governance-Architektur erhöhen die Anpassungsfähigkeit des Systems in einem sich schnell entwickelnden Marktumfeld.

Mit Aave v3 wird das Fundament für eine nachhaltige, multichain-fähige DeFi-Infrastruktur gelegt, in der Effizienz, Sicherheit und Governance im Mittelpunkt stehen. Es ist ein Beispiel für die fortschreitende Professionalisierung und technische Reife dezentraler Finanzanwendungen.