American Stock Exchange (AMEX) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Altersvorsorge Sondervermögen (ASV) Nächster Begriff: Amerikanische Option

Ein ehemaliger Handelsplatz für Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen, der heute als NYSE American bekannt ist und Wachstumsfirmen Liquidität sowie Sichtbarkeit bietet

Die American Stock Exchange (AMEX) war über viele Jahrzehnte eine bedeutende US-amerikanische Wertpapierbörse, die insbesondere für den Handel mit kleineren und mittelgroßen Unternehmen sowie innovativen Finanzprodukten wie börsengehandelten Fonds (ETFs) bekannt war. Historisch gesehen war sie die drittgrößte Börse der Vereinigten Staaten – nach der New York Stock Exchange (NYSE) und der Nasdaq – und spielte eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des elektronischen Handels und strukturierter Finanzprodukte.

Im Jahr 2008 wurde die AMEX von der NYSE Euronext übernommen und später in NYSE Alternext, NYSE MKT und schließlich in NYSE American umbenannt. Heute existiert die AMEX in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr, ihre Funktionen und Marktsegmente wurden in die Strukturen der NYSE-Gruppe integriert.

Ursprünge und historische Entwicklung

Die American Stock Exchange hat ihren Ursprung im sogenannten "Curb Market" des 19. Jahrhunderts. Dieser Name leitete sich davon ab, dass Aktienhändler an der Straßenecke (engl. curb) in der Nähe der Wall Street Aktien von kleineren Unternehmen handelten, die an der NYSE nicht zugelassen waren. Die Händler organisierten sich später als New York Curb Exchange, bevor die Organisation 1953 in American Stock Exchange (AMEX) umbenannt wurde.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die AMEX zu einem festen Bestandteil des US-Kapitalmarkts:

  1. Fokus auf Mid-Caps und Wachstumsunternehmen: Die AMEX bot insbesondere Unternehmen, die die strengeren Anforderungen der NYSE nicht erfüllten, Zugang zum Kapitalmarkt.

  2. Innovationsführerschaft bei Finanzprodukten: Die AMEX war Pionier beim Handel mit Optionen, ETFs und anderen strukturierten Produkten.

  3. Physische Handelsstruktur: Ähnlich wie bei der NYSE fand der Handel auf dem Börsenparkett in New York City statt, unterstützt durch „Specialists“, die für Liquidität und Preisbildung zuständig waren.

Bedeutung für Finanzinnovationen

Die American Stock Exchange war maßgeblich an der Entwicklung und Einführung zahlreicher innovativer Produkte beteiligt:

  • Erster ETF der Welt: Im Jahr 1993 wurde an der AMEX der erste börsengehandelte Fonds (ETF) überhaupt eingeführt – der SPDR S&P 500 ETF (SPY), ein Meilenstein für passives Investieren.

  • Optionen und strukturierte Produkte: Die AMEX war einer der ersten Märkte für standardisierte Aktienoptionen und entwickelte spezielle Marktmodelle für Derivate und Indexprodukte.

  • Flexibilität bei der Produktzulassung: Die Börse war bekannt für ihre pragmatische Zulassungspolitik, die eine schnelle Markteinführung neuer Produkte ermöglichte.

Diese Innovationsfreude verschaffte der AMEX eine starke Marktposition bei institutionellen und spezialisierten Investoren, trotz geringerer Größe im Vergleich zur NYSE oder Nasdaq.

Struktur und Marktmodell

Der Handel an der AMEX erfolgte ursprünglich auf einem Parkett in einem offenen Auktionsverfahren. Dabei wurde das Orderbuch durch sogenannte Specialists verwaltet, die für bestimmte Aktien verantwortlich waren. Die Specialists stellten Kauf- und Verkaufskurse, sorgten für Marktstabilität und unterstützten die Preisfindung.

In den späteren Jahren wurde die physische Handelsstruktur zunehmend durch elektronische Systeme ergänzt. Dennoch blieb die AMEX lange eine hybride Börse, bei der sowohl Parketthandel als auch elektronische Orders nebeneinander existierten.

Übernahme durch NYSE Euronext und Transformation

Im Jahr 2008 wurde die AMEX von der NYSE Euronext übernommen, um deren Marktangebot um wachstumsstarke Segmente wie kleine Unternehmen, ETFs und strukturierte Produkte zu erweitern. Die Übernahme bedeutete das Ende der AMEX als eigenständige Organisation:

  1. 2008: Umbenennung in NYSE Alternext U.S., mit Fokus auf kleine Unternehmen.

  2. 2012: Weitere Umbenennung in NYSE MKT, verbunden mit Modernisierungen im Handelsmodell.

  3. 2017: Einführung des Namens NYSE American, verbunden mit dem Umstieg auf die elektronische NYSE Pillar-Plattform.

Die Transformation beinhaltete auch eine Neupositionierung des Marktes als Plattform für kleinere Unternehmen mit einem hybriden Handelsmodell, das Designated Market Makers (DMMs) einbezieht. Der Optionshandel der ehemaligen AMEX wurde in NYSE American Options überführt und vollständig elektronisch betrieben.

Regulatorischer Status

Als nationale Wertpapierbörse unterlag die AMEX – wie heute NYSE American – der Aufsicht der Securities and Exchange Commission (SEC). Die Börse war Teil des National Market System (NMS) und damit in die US-weite Preisverlinkung und Best Execution-Regelungen eingebunden.

Wichtige regulatorische Merkmale waren:

  • Zulassungsregeln für Emittenten,

  • Vorschriften zur Marktüberwachung und Handelsabwicklung,

  • Transparenzpflichten in Bezug auf Kurse, Volumen und Marktdaten.

Nach der Integration in die NYSE-Struktur gelten für ehemalige AMEX-Emittenten heute die Regeln von NYSE American, die in wesentlichen Punkten an die der NYSE angelehnt sind – jedoch mit erleichterten Anforderungen für kleinere Unternehmen.

Bedeutung und Erbe

Die AMEX hatte über viele Jahrzehnte eine spezifische Rolle innerhalb der US-Börsenlandschaft:

  1. Kapitalmarktzugang für kleine und mittlere Unternehmen: Die Börse bot eine regulierte Plattform mit geringeren Eintrittsbarrieren als die NYSE.

  2. Innovationsmotor für Finanzprodukte: ETFs und Optionen haben sich seit ihrer Einführung an der AMEX zu zentralen Elementen des modernen Investierens entwickelt.

  3. Flexibles Marktmodell: Die Kombination aus physischem Handel, Specialists und elektronischen Elementen war richtungsweisend für hybride Handelsmodelle.

Auch wenn die Marke „AMEX“ im heutigen Börsenbetrieb nicht mehr verwendet wird, lebt ihr Einfluss in der NYSE American und im gesamten US-Finanzsystem weiter. Insbesondere die Rolle als Plattform für ETFs und strukturierte Produkte wurde von NYSE Arca übernommen, während die Aufgaben im Aktien- und Optionshandel unter der Marke NYSE American fortgeführt werden.

Fazit

Die American Stock Exchange (AMEX) war über mehr als ein Jahrhundert ein zentraler Akteur im US-amerikanischen Börsenwesen – als Zugangspunkt für wachstumsorientierte Unternehmen und als Pionier für moderne Finanzprodukte wie ETFs und Optionen. Mit ihrer Übernahme durch NYSE Euronext und der anschließenden Integration in die NYSE-Strukturen wurde die AMEX organisatorisch aufgelöst, ihre Funktionen jedoch in NYSE American und anderen Märkten weitergeführt. Ihr Erbe besteht in der anhaltenden Bedeutung des passiven Investierens, des elektronischen Handels und der Marktzugänglichkeit für kleinere Unternehmen – Elemente, die bis heute das US-Kapitalmarktsystem prägen.