AMM-DEX Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Fully On-Chain Finance (FOF) Nächster Begriff: Galaxy Digital

Eine dezentrale Börse, die automatisierte Market Maker nutzt, um den Handel von Kryptowährungen durch Liquiditätspools zu ermöglichen, wobei Preise algorithmisch basierend auf Angebot und Nachfrage bestimmt werden

Ein AMM-DEX (Automated Market Maker – Decentralized Exchange) ist eine vollständig auf Smart Contracts basierende Handelsplattform, die den Austausch von Kryptowährungen ohne zentrale Orderbücher oder Intermediäre ermöglicht. Im Gegensatz zu traditionellen Börsen, die Käufer und Verkäufer über Order-Matching zusammenbringen, verwenden AMM-DEXs mathematische Preisbildungsformeln und Liquiditätspools, um den Handel zu automatisieren. Sie gehören zu den zentralen Bausteinen des dezentralen Finanzökosystems (DeFi) und sind ein wesentliches Beispiel für Fully On-Chain Finance.

Grundprinzip

Ein AMM ersetzt das klassische Orderbuch durch einen oder mehrere Liquiditätspools. Diese Pools bestehen aus Token-Paaren (z. B. ETH/USDC), die von Liquiditätsanbietern (Liquidity Providern, LPs) hinterlegt werden. Der Preis der Token wird algorithmisch über eine Preisformel bestimmt, die auf dem Verhältnis der im Pool vorhandenen Token basiert.

Die bekannteste Formel ist die konstante Produktformel:

$$ x \cdot y = k $$

Dabei gilt:

  • \( x \) = Menge des ersten Tokens im Pool

  • \( y \) = Menge des zweiten Tokens im Pool

  • \( k \) = Konstante, die den Gesamtwert des Pools beschreibt

Wird ein Token gekauft, reduziert sich seine Menge im Pool, wodurch der Preis steigt, und umgekehrt.

Funktionsweise im Handel

  1. Handelsanfrage – Ein Nutzer gibt einen Token gegen einen anderen im Pool ab.

  2. Preisberechnung – Der Smart Contract berechnet den neuen Preis anhand der festgelegten Formel.

  3. Ausführung – Der Tausch wird automatisch abgewickelt, die Tokenbestände im Pool werden angepasst.

  4. Gebührenverteilung – Handelsgebühren werden anteilig an die Liquiditätsanbieter ausgeschüttet.

Rolle der Liquiditätsanbieter

Liquiditätsanbieter hinterlegen Token-Paare im Pool und erhalten im Gegenzug LP-Token, die ihren Anteil am Pool repräsentieren. Diese LP-Token können später eingelöst werden, um die ursprünglichen Token plus einen Anteil an den Handelsgebühren zu erhalten.

Allerdings sind LPs dem Risiko des impermanent loss ausgesetzt: Wenn sich der Preis der hinterlegten Token stark verändert, kann der Wert der Rückzahlung niedriger sein, als wenn die Token einfach gehalten worden wären.

Vorteile von AMM-DEXs

  1. Dezentralität – Kein zentraler Betreiber, keine KYC-Pflicht in vielen Implementierungen.

  2. Ständige Liquidität – Trades sind jederzeit möglich, solange der Pool gefüllt ist.

  3. Einfacher Marktzugang – Jeder kann Liquidität bereitstellen oder Token handeln.

  4. Automatisierte Preisbildung – Kein Bedarf an manueller Orderbuchführung.

Nachteile und Herausforderungen

  1. Preis-Slippage – Bei großen Handelsvolumina im Verhältnis zur Poolgröße kann der Preis stark schwanken.

  2. Impermanent Loss – Wertverluste für Liquiditätsanbieter bei starken Preisbewegungen.

  3. Abhängigkeit von Oracles – Einige AMM-Modelle nutzen Preisfeeds, was Angriffsflächen für Manipulation bietet.

  4. Kapitalineffizienz – In einfachen Modellen wird nur ein Teil der Liquidität aktiv genutzt, der Rest liegt ungenutzt im Pool.

Varianten von AMM-Formeln

Neben dem konstanten Produktmodell existieren weitere Ansätze:

  • Konstante Summe (\( x + y = k \)) – Für Assets mit nahezu identischem Preis (z. B. Stablecoins).

  • Hybride Modelle – Kombination verschiedener Formeln für unterschiedliche Marktbedingungen.

  • Konzentrierte Liquidität – Anbieter stellen Liquidität nur für bestimmte Preisbereiche bereit (z. B. Uniswap v3), um Kapital effizienter zu nutzen.

Beispiele bekannter AMM-DEXs

  • Uniswap – Pionier und größter AMM-DEX auf Ethereum.

  • SushiSwap – Fork von Uniswap mit zusätzlichen Anreizmechanismen.

  • Curve Finance – Spezialisiert auf Stablecoin-Handel mit geringem Slippage.

  • Balancer – Unterstützt Pools mit mehr als zwei Token und individuellen Gewichtungen.

Sicherheit und Risiken

AMM-DEXs sind vollständig auf Smart Contracts angewiesen. Sicherheitslücken im Code oder in abhängigen Protokollen (z. B. Preisoracles) können zu Verlusten führen. Zusätzlich besteht das Risiko gezielter Flash-Loan-Angriffe, bei denen große kurzfristige Kredite genutzt werden, um Preismechanismen auszunutzen.

Ökonomische Bedeutung

AMM-DEXs haben den Zugang zu Liquidität demokratisiert und es Projekten ermöglicht, ohne zentrale Börsennotierung handelbar zu werden. Sie sind ein Schlüsselmechanismus in DeFi, da sie den Handel zwischen unterschiedlichen Token, die Besicherung von Krediten und die Preisfindung für andere Protokolle ermöglichen.

Fazit

AMM-DEXs sind ein Meilenstein in der Entwicklung dezentraler Finanzmärkte. Sie ersetzen zentrale Handelsinfrastruktur durch automatisierte, transparente und für jeden zugängliche Smart-Contract-Mechanismen. Trotz Risiken wie Impermanent Loss und möglicher Sicherheitslücken haben sie sich als tragende Säule von DeFi etabliert und dürften mit verbesserten Modellen und Layer-2-Lösungen weiter an Effizienz, Sicherheit und Marktrelevanz gewinnen.