Asset-Referenced Tokens (ARTs) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: ARC-721 (Algorand) Nächster Begriff: Fiat-besicherte Stablecoins

Eine vielversprechende Schnittstelle zwischen traditionellem Finanzwesen und der Welt digitaler Assets

Asset-Referenced Tokens (ARTs) sind eine spezielle Kategorie digitaler Vermögenswerte, die ihren Wert an realweltliche Vermögenswerte binden. Ziel dieser Tokens ist es, Stabilität, Vertrauen und Verknüpfung zwischen traditionellen Finanzsystemen und der Blockchain-Welt herzustellen. ARTs gehören zu den sogenannten Stablecoins, unterscheiden sich jedoch in ihrer rechtlichen und technischen Struktur deutlich von algorithmisch stabilisierten oder rein krypto-besicherten Token.

Mit dem Aufkommen regulatorischer Initiativen – insbesondere auf europäischer Ebene – haben Asset-Referenced Tokens auch eine juristische Definition erhalten. Die Verordnung über Märkte für Krypto-Werte (MiCA) der Europäischen Union unterscheidet ARTs von anderen Krypto-Vermögenswerten und gibt ihnen einen eigenen rechtlichen Rahmen.

Definition und Grundprinzip

Ein Asset-Referenced Token (ART) ist ein digitaler Token, dessen Wert durch einen Korb von Vermögenswerten gedeckt ist. Diese Vermögenswerte können unter anderem sein:

  • Fiatwährungen (z. B. Euro, US-Dollar, Yen)

  • Rohstoffe (z. B. Gold, Öl)

  • Kryptowährungen (z. B. Bitcoin, Ether)

  • Finanzinstrumente (z. B. Anleihen, Aktien)

Das Ziel eines ARTs ist es, einen stabilen und vorhersehbaren Wert zu gewährleisten, indem der Tokenpreis eng an den Wert der zugrunde liegenden Assets gekoppelt ist.

Abgrenzung zu anderen Stablecoin-Typen

Asset-Referenced Tokens unterscheiden sich von anderen Arten stabiler digitaler Vermögenswerte:

Kategorie Deckung Beispiel
Fiat-gestützte Stablecoins 1:1 mit Fiatgeld auf Bankkonten USDC, Tether (USDT), EURC
Algorithmische Stablecoins Stabilisierung über Smart Contracts TerraUSD (vor Kollaps), Frax
Krypto-besicherte Stablecoins Überbesichert mit Kryptowährungen DAI (besichert mit ETH, WBTC)
Asset-Referenced Tokens (ARTs) Mischung aus Fiat, Rohstoffen, Krypto Diem (ehemals Libra), EU-geplante ARTs

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal: ARTs müssen nicht an eine einzelne Währung gekoppelt sein, sondern können einen Währungskorb oder verschiedene Vermögenswerte abbilden.

Beispiel: Diem (Libra) als Prototyp eines ARTs

Das 2019 von Meta (ehemals Facebook) angekündigte Projekt Libra, später Diem, war ein Paradebeispiel für ein Asset-Referenced Token. Der Libra Coin sollte durch einen Mix aus Fiatwährungen und kurzfristigen Staatsanleihen gedeckt sein. Ziel war ein global nutzbarer, stabiler Digitaltoken außerhalb des traditionellen Bankensystems.

Das Projekt scheiterte letztlich an regulatorischem Widerstand – insbesondere wegen Bedenken zur finanziellen Stabilität, Währungssouveränität und Geldwäscheprävention. Dennoch war Diem der Auslöser für viele regulatorische Entwicklungen rund um ARTs, darunter auch MiCA.

MiCA-Verordnung: Rechtliche Einordnung von ARTs

Die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA) der Europäischen Union definiert Asset-Referenced Tokens als eine von drei Kategorien von Krypto-Assets:

  1. Krypto-Werte im Allgemeinen

  2. E-Geld-Tokens (EMTs) – direkt an eine Währung gekoppelt, z. B. EUR

  3. Asset-Referenced Tokens (ARTs) – Referenz auf mehrere Werte

Laut MiCA gelten ARTs als systemisch relevant, wenn sie bestimmte Schwellenwerte überschreiten, etwa:

  • Hohe Marktkapitalisierung

  • Große Zahl an Nutzern

  • Weite geografische Verbreitung

  • Verknüpfung mit traditionellen Finanzinstituten

Für ARTs gelten dann verschärfte Anforderungen an:

  • Kapitalausstattung des Emittenten

  • Offenlegung der Reserve-Assets

  • Risikomanagement und Stresstests

  • Ausgabe- und Rücknahmeverpflichtung

  • Genehmigung durch die Europäische Bankenaufsicht (EBA)

Funktionsweise eines Asset-Referenced Tokens

Ein ART funktioniert in der Praxis wie folgt:

  1. Einzahlung: Ein Nutzer gibt Fiatgeld oder andere Assets in ein System.

  2. Token-Erzeugung: Ein gleichwertiger Betrag in ART-Tokens wird erstellt (gemäß aktuellem Referenzwert).

  3. Reservehaltung: Der Emittent hält die Deckung in einem transparenten Reservepool.

  4. Rücktausch: Der Nutzer kann den ART jederzeit gegen reale Assets oder Fiatgeld einlösen.

Mathematisch lässt sich die Preisbindung wie folgt ausdrücken:

WToken=∑i=1nwi⋅PiW_{Token} = \sum_{i=1}^{n} w_i \cdot P_i

Dabei ist:

  • WTokenW_{Token} der Wert eines ART

  • wiw_i der Gewichtungsfaktor für Asset ii

  • PiP_i der aktuelle Preis des Assets ii

  • nn die Anzahl der zugrunde liegenden Assets

Diese Formel ist insbesondere bei währungskorbbezogenen ARTs wie Libra relevant.

Vorteile von Asset-Referenced Tokens

ARTs bieten eine Reihe von Vorteilen – sowohl für Nutzer als auch für Emittenten und Regulierer:

  • Wertstabilität: Durch Besicherung mit realen Vermögenswerten bleibt der Token vergleichsweise preisstabil.

  • Brücke zwischen Fiat und Krypto: ARTs können als Zahlungsmittel in digitalen Ökosystemen dienen, ohne auf volatile Kryptowährungen angewiesen zu sein.

  • Internationale Zahlungsfähigkeit: Durch Multiwährungs-Deckung sind ARTs für grenzüberschreitende Zahlungen geeignet.

  • Regulierbarkeit: Durch ihre rechtliche Definition (z. B. MiCA) können ARTs innerhalb klarer Regeln agieren.

  • Effizienz: Schnellere Transaktionen als im traditionellen Bankensystem, insbesondere bei Stable-Payments und Smart Contracts.

Herausforderungen und Kritik

Trotz ihrer Vorteile sind ARTs mit bedeutenden Herausforderungen konfrontiert:

  • Regulatorischer Aufwand: Die Anforderungen unter MiCA und anderen Rechtsrahmen sind hoch und kostspielig.

  • Zentralisierung: Die Kontrolle über Reserve-Assets liegt meist bei einem zentralen Emittenten.

  • Währungs- und geldpolitische Risiken: ARTs mit großer Nutzerbasis könnten staatliche Währungen in bestimmten Märkten verdrängen.

  • Transparenzrisiken: Die Reservehaltung muss regelmäßig geprüft und veröffentlicht werden – Manipulationen oder Intransparenz können das Vertrauen untergraben.

  • Abgrenzung zu E-Geld: In vielen Fällen verschwimmen die Grenzen zwischen ART und E-Geld, was zu rechtlichen Unsicherheiten führen kann.

Anwendungsbeispiele und Zukunftsperspektiven

ARTs könnten in einer Vielzahl von Finanzanwendungen genutzt werden:

  • Internationale Überweisungen: Kostengünstiger und schneller als traditionelle SWIFT-Zahlungen

  • Zahlungen in dApps und Smart Contracts: Besonders in DeFi-Ökosystemen von Vorteil

  • Finanzielle Inklusion: Zugang zu stabilen Vermögenswerten auch in Ländern mit schwachen Währungen

  • Digitales Zentralbankgeld (CBDC) – Alternativen: Für Regionen, die (noch) keine CBDC einführen möchten

Zukünftig könnten ARTs auch programmierbar gestaltet werden – etwa mit integrierten Compliance-Funktionen, Zahlungsbedingungen oder Automatisierungen.

Fazit

Asset-Referenced Tokens (ARTs) stellen eine vielversprechende Schnittstelle zwischen traditionellem Finanzwesen und der Welt digitaler Assets dar. Sie verbinden die Vorteile der Blockchain-Technologie – wie Transparenz, Geschwindigkeit und Interoperabilität – mit der Stabilität realer Vermögenswerte. Durch die regulatorische Klarheit, die insbesondere die EU mit der MiCA-Verordnung geschaffen hat, können ARTs künftig eine wichtige Rolle im globalen Zahlungsverkehr, im DeFi-Bereich und in tokenisierten Kapitalmärkten spielen. Gleichzeitig ist ihre Ausgestaltung komplex und erfordert ein hohes Maß an Verantwortung bei Emission, Reservehaltung und Compliance. Langfristig könnten sie zu einem Grundbaustein der tokenisierten Wirtschaft werden.