At-the-Money (ATM)-Optionen Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Out of the Money (OTM) Optionen Nächster Begriff: Outperformer
Eine Option, deren Ausübungspreis dem aktuellen Marktpreis des zugrunde liegenden Vermögenswerts entspricht, wodurch sie keinen inneren Wert, aber Zeitwert besitzt
At the Money (ATM) Optionen bezeichnen Optionen, bei denen der aktuelle Kurs des Basiswerts dem Ausübungspreis (Strike Price) sehr nahekommt oder mit diesem übereinstimmt. Sie stellen im Optionshandel eine neutrale Ausgangslage dar und sind von zentraler Bedeutung für die Bewertung, das Risikomanagement sowie den Aufbau komplexerer Handelsstrategien. Im Gegensatz zu In the Money (ITM) und Out of the Money (OTM) Optionen zeichnet sich eine ATM-Option dadurch aus, dass sie weder einen wirtschaftlichen Vorteil noch einen Nachteil bei sofortiger Ausübung bietet.
Definition und Klassifizierung
Eine Option ist „At the Money“ (ATM), wenn der Kurs des Basiswerts gleich oder nahezu gleich dem Ausübungspreis ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Call- oder Put-Option handelt. In beiden Fällen ergibt sich weder ein positiver noch ein negativer innerer Wert:
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Call-Option: Der Ausübungspreis entspricht dem aktuellen Marktpreis. Ein Kauf des Basiswerts über die Option ist nicht günstiger als am Markt.
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Put-Option: Der Ausübungspreis entspricht ebenfalls dem aktuellen Marktpreis. Ein Verkauf über die Option ist nicht vorteilhafter als ein direkter Verkauf am Markt.
Da der innere Wert in dieser Konstellation bei null liegt, besteht der Optionspreis vollständig aus dem Zeitwert.
Preisstruktur und Bewertung
Der Preis einer ATM-Option ist im Vergleich zu anderen Optionen häufig am höchsten – zumindest bezogen auf den Zeitwert. Der Grund dafür liegt in der Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung des Basiswerts. Da eine Bewegung in beide Richtungen gleichermaßen wahrscheinlich ist, misst der Markt der Option einen relativ hohen Zeitwert bei. Der Preis einer Option lässt sich in zwei Komponenten zerlegen:
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Innerer Wert: Bei ATM-Optionen = 0
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Zeitwert: Errechnet sich aus der erwarteten Volatilität, der Restlaufzeit, dem Zinsniveau und weiteren Parametern
Für die Berechnung des Optionspreises kommen Modelle wie das Black-Scholes-Modell zum Einsatz. Dort spielt insbesondere die implizite Volatilität (implied volatility) eine zentrale Rolle. ATM-Optionen reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen dieser Größe, was sie zu einem bevorzugten Instrument für Strategien auf implizite Volatilität macht.
Sensitivitäten (Greeks) bei ATM-Optionen
ATM-Optionen zeichnen sich durch charakteristische Werte bei den sogenannten „Greeks“ aus, den Sensitivitätskennzahlen einer Option. Besonders relevant sind hier:
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Delta: Bei Call-Optionen nahe bei 0,5; bei Puts nahe bei –0,5. Dies bedeutet, dass der Optionspreis bei einer Kursänderung des Basiswerts moderat mitsteigt oder fällt.
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Gamma: Das Gamma ist bei ATM-Optionen am höchsten. Es misst die Änderungsrate des Deltas und zeigt an, dass ATM-Optionen besonders sensibel auf Kursbewegungen reagieren.
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Vega: Ebenfalls hoch bei ATM-Optionen. Eine Veränderung der Volatilität wirkt sich stark auf den Preis aus.
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Theta: Gibt den Zeitwertverlust an. ATM-Optionen verlieren bei konstanter Volatilität und sonst gleichen Bedingungen schneller an Wert, je näher das Verfallsdatum rückt.
Einsatz in Handelsstrategien
ATM-Optionen spielen eine zentrale Rolle in einer Vielzahl von Optionsstrategien, da sie ein Gleichgewicht zwischen Kurschance und Zeitwertverlust darstellen. Beispiele für typische Anwendungen sind:
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Long Straddle: Kauf einer ATM-Call- und einer ATM-Put-Option mit identischem Verfall. Die Strategie profitiert von starker Volatilität, unabhängig von der Richtung der Kursbewegung.
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Short Straddle: Verkauf beider Optionen. Diese Strategie setzt auf eine Seitwärtsbewegung und den vollständigen Verfall des Zeitwerts.
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Covered Call: Verkauf einer ATM-Call-Option auf ein bereits gehaltenes Underlying zur Erzielung zusätzlicher Einnahmen.
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Protective Put: Kauf einer ATM-Put-Option zur Absicherung einer Long-Position im Basiswert.
ATM-Optionen sind damit besonders geeignet für neutrale, richtungsunabhängige Strategien oder als Basis für Kombinationen mit anderen Optionsarten.
Vergleich mit ITM- und OTM-Optionen
Im Optionshandel wird häufig zwischen den drei Zustandsformen ITM, ATM und OTM unterschieden. Die folgende Tabelle gibt einen strukturierten Überblick über die Unterschiede:
| Zustand der Option | Verhältnis Strike ↔ Kurs | Innerer Wert | Zeitwert | Gesamtpreis | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| ITM | Vorteilhaft | > 0 | gering | hoch | Direktionale Wette |
| ATM | Gleich | = 0 | hoch | mittel | Volatilitätsstrategien |
| OTM | Nachteilig | = 0 | gering | niedrig | Spekulation, Stillhalterstrategien |
ATM-Optionen bilden oft das „Gleichgewicht“ zwischen Risiko und Chance und sind daher in der Bewertung sowie im Handel von zentralem Interesse.
Risiken und Besonderheiten
ATM-Optionen bergen sowohl Chancen als auch Risiken. Für Käufer besteht das Risiko im vollständigen Verlust der Prämie, wenn sich der Basiswert bis zum Verfall nicht signifikant bewegt. Verkäufer profitieren bei gleichbleibendem Kurs vom schrittweisen Verfall des Zeitwerts, setzen sich aber potenziellen Verlusten bei unerwarteten Kursbewegungen aus.
Zudem ist zu beachten, dass ATM-Optionen kurz vor dem Verfall sehr volatil sein können, insbesondere bei hoher Marktunsicherheit oder der Veröffentlichung marktbewegender Nachrichten (z. B. Quartalszahlen, Zinssitzungen).
Regulatorische und steuerliche Aspekte
Wie alle Optionen unterliegen auch ATM-Optionen bestimmten regulatorischen Vorgaben. Der Handel erfolgt überwiegend an regulierten Terminbörsen mit standardisierten Kontrakten. In Deutschland etwa erfolgt der Handel über Plattformen wie die Eurex. Steuerlich werden Gewinne und Verluste aus ATM-Optionen analog zu anderen Finanzderivaten behandelt – im Privatvermögen in der Regel als Einkünfte aus Kapitalvermögen mit Abgeltungsteuer.
Fazit
At the Money (ATM) Optionen sind Finanzderivate ohne inneren Wert, deren Bewertung vollständig auf dem Zeitwert basiert. Sie gelten als zentraler Referenzpunkt im Optionshandel und zeichnen sich durch hohe Sensitivität gegenüber Volatilität und Kursveränderungen aus. Ihre Preisstruktur macht sie besonders geeignet für Strategien auf steigende oder fallende Volatilität sowie für neutrale Handelsansätze. Aufgrund ihrer hohen Gamma- und Vega-Werte sind sie vor allem für kurzfristige, richtungsunabhängige Strategien relevant. Eine sorgfältige Analyse ihrer Eigenschaften ist Voraussetzung für eine fundierte Nutzung im aktiven Optionshandel.