Celsius Network Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Celsius (CEL) Nächster Begriff: Chainlink (LINK)
Ein ambitioniertes Projekt, das die Brücke zwischen traditionellem Finanzwesen und Kryptoökonomie schlagen wollte
Celsius Network war eine zentralisierte Krypto-Plattform (CeFi), die es sich zum Ziel gesetzt hatte, klassische Finanzdienstleistungen – wie Sparen, Kreditvergabe und Vermögensverwaltung – auf Basis von Kryptowährungen anzubieten. Gegründet im Jahr 2017, positionierte sich Celsius als Alternative zum traditionellen Bankwesen mit dem Anspruch, Finanzprodukte transparenter, günstiger und nutzerzentrierter zu gestalten. Mit Slogans wie „Unbank Yourself“ sprach das Unternehmen insbesondere Krypto-Enthusiasten und Nutzer an, die Kontrolle über ihre Finanzen zurückerlangen wollten – jedoch innerhalb eines zentralisierten Systems.
Gründung und Vision
Celsius Network wurde von Alex Mashinsky, einem erfahrenen Unternehmer im Bereich Telekommunikation und Technologie, ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Daniel Leon und S. Daniel Ajtahi verfolgte er die Vision, ein Krypto-basiertes Finanzsystem aufzubauen, das:
-
Zinsbasierte Erträge auf Kryptowährungen bietet,
-
Krypto-gestützte Kredite ermöglicht,
-
eine einfache, mobile Bedienoberfläche bereitstellt,
-
dabei aber zentrale Verwahrung und Verwaltung der Vermögenswerte übernimmt.
Das Ziel war, die Vorteile der Blockchain-Technologie mit der Nutzerfreundlichkeit und Struktur klassischer Finanzanbieter zu vereinen.
Geschäftsmodell
Das Geschäftsmodell von Celsius Network basierte im Wesentlichen auf zwei Säulen:
-
Sparen mit Kryptowährungen (Earn Program): Nutzer konnten Krypto-Assets (z. B. BTC, ETH, USDC) auf der Plattform hinterlegen und dafür wöchentliche Zinszahlungen erhalten. Die Zinssätze lagen teils deutlich über dem Niveau klassischer Banken und wurden in der jeweiligen Kryptowährung oder in CEL (dem nativen Token) ausgezahlt.
-
Krypto-Kredite (Borrow Program): Celsius bot Darlehen in Fiatwährungen oder Stablecoins an, die durch Krypto-Assets der Nutzer besichert wurden. Nutzer konnten so Liquidität erhalten, ohne ihre Krypto-Bestände verkaufen zu müssen.
Zusätzlich ermöglichte die Plattform Staking-ähnliche Funktionen, Treueprogramme und ein internes Ranking-System, das auf dem Besitz des firmeneigenen CEL-Tokens basierte.
Der CEL-Token
CEL (Celsius Token) war ein zentrales Element des Celsius-Ökosystems. Als ERC-20-Token auf Ethereum konzipiert, diente er mehreren Zwecken:
-
Bonusverzinsung für Nutzer, die sich ihre Zinsen in CEL auszahlen ließen.
-
Rabatte auf Kreditkonditionen bei hohem CEL-Anteil.
-
Teilnahme an Loyalitätsprogrammen, die Nutzer in Level wie Bronze, Silber, Gold und Platinum einteilten – je nach CEL-Anteil am Gesamtportfolio.
CEL wurde sowohl zur Incentivierung von Nutzern als auch zur Stärkung der internen Liquidität und Kundenbindung eingesetzt.
Wachstum und Erfolg
Zwischen 2020 und 2021 verzeichnete Celsius Network ein starkes Wachstum:
-
Verwaltetes Vermögen (Assets under Management, AUM) von über 25 Milliarden US-Dollar (Stand Mitte 2021).
-
Über 1,7 Millionen registrierte Nutzer weltweit.
-
Zinszahlungen in Milliardenhöhe an die Community.
-
Hohe mediale Präsenz und Marketing-Kampagnen, teilweise durch prominente Krypto-Influencer unterstützt.
Der CEL-Token stieg zwischen 2020 und 2021 von unter 1 US-Dollar auf über 7 US-Dollar. Celsius galt als eine der erfolgreichsten CeFi-Plattformen weltweit.
Technische und rechtliche Struktur
Celsius Network arbeitete als zentralisierte Plattform. Die Verwaltung der Gelder erfolgte intern, und die Nutzer hatten keinen direkten Zugang zu den privaten Schlüsseln ihrer Wallets. Celsius fungierte somit als Treuhänder und Verwalter, was Vertrauen, aber auch Abhängigkeit bedeutete.
Regulatorisch bewegte sich Celsius in einem Graubereich: Das Unternehmen verfügte über keine offizielle Bankenlizenz, war jedoch in mehreren Jurisdiktionen aktiv. Es unterlag nicht denselben strengen Vorschriften wie traditionelle Finanzinstitutionen, was sowohl als Vorteil wie auch als Risiko gewertet wurde.
Krise und Insolvenz
Im Jahr 2022 verschärfte sich die Lage auf dem Kryptomarkt dramatisch. Der Zusammenbruch von Projekten wie Terra (LUNA) und die Insolvenz des Hedgefonds Three Arrows Capital führten zu massiven Liquiditätsengpässen im CeFi-Sektor. Auch Celsius war betroffen:
-
Nutzer begannen, in großem Umfang Einlagen abzuziehen.
-
Celsius hatte illiquide oder riskante Investments in DeFi-Protokollen und anderen Plattformen getätigt.
-
Das Vertrauen in die Plattform sank rapide.
Am 13. Juni 2022 fror Celsius überraschend alle Auszahlungen, Tauschvorgänge und Überweisungen ein – offiziell zur „Stabilisierung der Liquidität“. Einen Monat später, am 13. Juli 2022, stellte das Unternehmen Insolvenzantrag nach Chapter 11 des US-Konkursrechts. Zu diesem Zeitpunkt wurden Verbindlichkeiten in Höhe von bis zu 10 Milliarden US-Dollar angegeben.
Ermittlungen und rechtliche Folgen
Nach dem Insolvenzantrag wurden zahlreiche Untersuchungen gegen Celsius und insbesondere gegen CEO Alex Mashinsky eingeleitet. Die Vorwürfe lauteten unter anderem auf:
-
Irreführung der Nutzer über die Risiken der Plattform,
-
Veruntreuung von Kundengeldern,
-
Marktmanipulation des CEL-Tokens,
-
unangemessene Risikostrategien und Intransparenz.
Mashinsky wurde 2023 strafrechtlich angeklagt. Die juristische Aufarbeitung ist noch nicht abgeschlossen.
Auswirkungen auf den Krypto-Sektor
Der Zusammenbruch von Celsius hatte weitreichende Folgen:
-
Vertrauensverlust in zentralisierte Anbieter (CeFi),
-
Anstieg regulatorischer Maßnahmen weltweit,
-
Ruf nach mehr Transparenz, Auditierung und Reservepflichten,
-
Stärkung dezentraler Finanzsysteme (DeFi) als risikominimierende Alternative.
Viele Nutzer verloren beträchtliche Summen oder warten bis heute auf Rückzahlungen im Rahmen des Insolvenzverfahrens.
Fazit
Celsius Network war ein ambitioniertes Projekt, das die Brücke zwischen traditionellem Finanzwesen und Kryptoökonomie schlagen wollte. Die Plattform bot innovative Produkte und nutzerfreundliche Dienstleistungen – scheiterte jedoch an mangelnder Transparenz, schlechtem Risikomanagement und übermäßiger Zentralisierung. Der Fall Celsius zeigt eindrücklich, dass Vertrauen allein im Finanzbereich nicht genügt, sondern durch regulatorische Kontrolle, technologische Absicherung und verantwortungsvolles Management ergänzt werden muss. Die Insolvenz von Celsius markiert einen Wendepunkt für die CeFi-Branche und wirkt als Katalysator für mehr Aufsicht, Aufklärung und Dezentralisierung im Krypto-Sektor.