Common Gap Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Commodity Trading Advisor (CTA) Nächster Begriff: Common Shares

Eine Kurslücke in einer Seitwärtsbewegung, die durch geringes Volumen entsteht und schnell geschlossen wird, indem sie normale Preisschwankungen ohne signifikante Trendänderung widerspiegelt

Common Gap (deutsch: gewöhnliche Kurslücke) ist ein Begriff aus der technischen Analyse, der eine Kurslücke beschreibt, die ohne größeren Nachrichtenwert oder strategische Bedeutung innerhalb eines laufenden Marktgeschehens auftritt. Diese Art von Gap ist im Gegensatz zu anderen, richtungsweisenden Kurslücken meist technisch und markttechnisch unbedeutend und weist keine Aussagekraft über die weitere Kursentwicklung auf.

Definition und Merkmale

Ein Common Gap ist eine Kurslücke, die in der Regel innerhalb einer Seitwärtsbewegung oder engen Handelsspanne auftritt und kurzfristiger Natur ist. Sie entsteht meist durch geringe Liquidität, nachrichtenschwache Marktphasen oder durch technische Preisanpassungen (z. B. nach Wochenenden oder Feiertagen). Solche Gaps sind häufig klein und werden oft schnell wieder geschlossen.

Typische Merkmale eines Common Gaps sind:

  1. Geringes Handelsvolumen während der Lückenbildung.

  2. Kein Bezug zu fundamentalen Nachrichten oder charttechnisch relevanten Marken.

  3. Tritt innerhalb einer Konsolidierungs- oder Seitwärtsphase auf.

  4. Wird häufig kurzfristig geschlossen, meist innerhalb weniger Handelstage.

  5. Keine nachhaltige Trendveränderung, weder Trendbeginn noch Trendwende.

Common Gaps entstehen typischerweise bei illiquiden Werten, bei Markteröffnung nach handelsfreien Tagen oder bei uneinheitlicher Orderlage außerhalb der Haupthandelszeiten.

Abgrenzung zu anderen Gap-Typen

In der technischen Analyse werden Kurslücken anhand ihrer Lage im Trendverlauf und ihrer Marktbedeutung unterschieden. Die vier Hauptkategorien lauten:

Gap-Typ Position im Trend Aussagekraft Typische Funktion
Breakaway Gap Am Trendbeginn Hoch Start eines neuen Trends
Runaway/Measuring Gap In der Trendmitte Mittel bis hoch Trendbeschleunigung oder Zielprojektion
Exhaustion Gap Am Trendende Hoch Mögliche Trendwende
Common Gap Beliebig, oft in Seitwärtsphasen Gering Marktrauschen, ohne Prognosewert

Der Common Gap unterscheidet sich von den anderen Gap-Typen durch seine geringe Aussagekraft. Während Breakaway-, Runaway- und Exhaustion Gaps mit spezifischen Trendphasen verbunden sind, treten Common Gaps ohne Bezug zu übergeordneten Bewegungen auf.

Ursachen für Common Gaps

Common Gaps entstehen meist durch technische oder marktbedingte Faktoren, etwa:

  • Unvollständige Orderlage nach Wochenenden oder Feiertagen.

  • Fehlende marktbewegende Informationen, bei gleichzeitig geringer Handelsaktivität.

  • Marktöffnungsgaps durch Overnight-Orders, die aufgrund von Liquiditätsengpässen eine Kurslücke verursachen.

  • Reaktion auf kleinere, unternehmensspezifische oder sektorbezogene Ereignisse, ohne strategische Relevanz.

Gerade in wenig gehandelten Märkten oder bei Nebenwerten sind Common Gaps häufig zu beobachten, da schon geringe Orderabweichungen zu Kurslücken führen können.

Bedeutung in der technischen Analyse

Common Gaps gelten als technisch unrelevant für Prognosezwecke. Da sie häufig in volatilen, richtungslosen Marktphasen auftreten, werden sie in der Regel ignoriert oder lediglich als Hinweis auf eine vorübergehende Marktstörung betrachtet. Ein wesentliches Kennzeichen ist, dass sie schnell wieder geschlossen werden – der Kurs kehrt also zumeist bald in das Niveau vor dem Gap zurück.

Ein häufiger Leitsatz in der Charttechnik lautet: „Common Gaps are usually filled.“ Das bedeutet, dass sie als kurzfristige Kursanomalien gelten, die vom Markt rasch korrigiert werden.

Dennoch können Common Gaps lokal technische Reaktionen auslösen, etwa:

  • Intraday-Handelssignale, wenn innerhalb der Lücke Unterstützung oder Widerstand entsteht.

  • Kurzfristige Scalping-Strategien, bei denen Trader gezielt auf das Schließen der Lücke setzen.

Solche Anwendungen bleiben jedoch kurzfristig orientiert und besitzen keine strategische Bedeutung im Sinne einer übergeordneten Trenderkennung.

Beispielhafte Situation

Ein typischer Common Gap kann z. B. auftreten, wenn eine Aktie am Freitag bei 48,00 € schließt und am Montag ohne wesentliche Nachrichtenlage bei 48,40 € eröffnet – etwa wegen einer unausgeglichenen Orderlage im vorbörslichen Handel. Die Lücke wird innerhalb der ersten Handelsstunden wieder geschlossen, wenn Verkäufer auf den leicht höheren Kurs reagieren.

Solche Gaps treten auch im Intraday-Handel auf, etwa bei plötzlichen Orderausführungen zu illiquiden Zeiten. Diese Kurslücken haben keinen systematischen Einfluss auf den mittelfristigen Kursverlauf.

Relevanz für Anleger

Für langfristig oder mittel- bis kurzfristig orientierte Anleger haben Common Gaps keine strategische Bedeutung. Sie stellen kein verlässliches Signal für Kauf- oder Verkaufsentscheidungen dar und fließen in der Regel nicht in die Trenderkennung oder Positionsplanung ein.

Für kurzfristig orientierte Trader, insbesondere im Daytrading oder Scalping, können Common Gaps gelegentlich taktisch genutzt werden, etwa im Rahmen sogenannter „Gap-Closing“-Strategien. Diese zielen darauf ab, kleine Kurslücken gezielt auszunutzen, wobei das Risiko durch schnelle Gegenbewegungen erhöht ist.

Fazit

Der Common Gap ist eine häufig vorkommende, jedoch technisch wenig bedeutende Kurslücke, die typischerweise in richtungslosen oder nachrichtenschwachen Marktphasen auftritt. Im Gegensatz zu anderen Gap-Typen signalisiert er keine nachhaltige Veränderung der Marktstruktur, sondern spiegelt kurzfristige Ungleichgewichte in Angebot und Nachfrage wider. Die meisten Common Gaps werden rasch wieder geschlossen und eignen sich daher allenfalls für kurzfristige Handelsstrategien. Für eine fundierte technische Analyse sind sie in der Regel von untergeordneter Relevanz.