Continuation Gap Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Runaway Gap Nächster Begriff: Trade Sale

Eine Kurslücke inmitten eines etablierten Trends, die durch hohes Volumen entsteht und die Fortsetzung der Preisbewegung in die Trendrichtung signalisiert, indem sie anhaltendes Momentum widerspiegelt

Continuation Gap (deutsch: Fortsetzungslücke), auch bekannt als Runaway Gap oder Measuring Gap, ist ein Begriff aus der technischen Analyse und bezeichnet eine Kurslücke, die innerhalb eines bestehenden Trends auftritt und auf eine Trendbeschleunigung bzw. -bestätigung hinweist. Diese Kurslücke gilt als wichtiger Hinweis dafür, dass der Markt in Trendrichtung weiterhin stark ist und dass sich die Bewegung wahrscheinlich fortsetzen wird.

Definition und Merkmale

Eine Continuation Gap ist eine Kurslücke in Richtung des bestehenden Trends, die typischerweise in der mittleren Phase eines Aufwärts- oder Abwärtstrends entsteht. Sie wird nicht durch fundamentale Ereignisse wie Unternehmensnachrichten oder politische Entscheidungen ausgelöst, sondern reflektiert die wachsende Beteiligung und Überzeugung der Marktteilnehmer.

Die charakteristischen Merkmale sind:

  1. Auftreten während eines laufenden Trends, nicht zu Beginn oder am Ende.

  2. Kurslücke in Trendrichtung, d. h. bei einem Aufwärtstrend erfolgt die Lücke nach oben, bei einem Abwärtstrend nach unten.

  3. Zunahme des Handelsvolumens, wobei das Volumen höher ist als während vorheriger Kursbewegungen.

  4. Seltenes kurzfristiges Schließen der Lücke, da der Markt die Bewegung weiterträgt.

  5. Bestätigung durch Folgekerzen, die den Trend dynamisch fortsetzen.

Continuation Gaps treten meist nach einer kurzen Konsolidierungsphase innerhalb eines starken Trends auf. Sie signalisieren eine Wiederaufnahme des Trends mit neuer Dynamik, was insbesondere für trendfolgende Strategien bedeutsam ist.

Abgrenzung zu anderen Gap-Typen

In der technischen Analyse unterscheidet man vier Haupttypen von Kurslücken, die sich nach ihrer Position im Trend und ihrer Funktion unterscheiden:

Gap-Typ Trendposition Funktion
Breakaway Gap Am Anfang Signalisiert den Start eines Trends
Continuation Gap In der Trendmitte Bestätigt den bestehenden Trend
Exhaustion Gap Am Ende Deutet auf mögliche Trendumkehr hin
Common Gap Beliebig Geringe Aussagekraft (z. B. in Seitwärtsmärkten)

Das Continuation Gap – als Fortsetzungslücke – nimmt in dieser Struktur eine verstärkende Rolle ein und gibt Trendtradern eine Gelegenheit zum (Wieder-)Einstieg mit vergleichsweise klarem Signal.

Technische Bedeutung und Interpretation

Die Continuation Gap hat eine doppelte Bedeutung:

  1. Trendbestätigung: Das Auftreten der Lücke in Trendrichtung zeigt, dass neue Marktteilnehmer in den Trend einsteigen oder bestehende Positionen ausgeweitet werden.

  2. Messfunktion: In vielen Fällen kann das Gap als Measuring Gap interpretiert werden, d. h., es liegt ungefähr in der Mitte der Bewegung und lässt eine Kurszielprojektion zu.

Beispiel für die Messfunktion:
Wenn ein Aufwärtstrend bei 100 € beginnt und das Continuation Gap bei 120 € auftritt, kann ein Kursziel bei ca. 140 € angenommen werden – die Bewegung vor dem Gap wird symmetrisch nach dem Gap fortgesetzt.

Praktische Anwendung für Anleger

Continuation Gaps bieten konkrete Signale für Trendfolge-Strategien. Die wichtigsten Anwendungsmöglichkeiten sind:

  1. Einstieg in Trendrichtung nach Bestätigung des Gaps durch Folgetage mit neuen Hochs/Tiefs.

  2. Absicherung durch Platzierung eines Stop-Loss unterhalb der Lücke (bei Long-Trend) bzw. oberhalb (bei Short-Trend).

  3. Zielermittlung durch Spiegelung der bisherigen Bewegung (Measuring-Gap-Methode).

Beispielsweise kann ein Anleger, der eine Aktie nach einem Breakaway Gap verpasst hat, das Continuation Gap als zweiten Einstiegspunkt nutzen – unter der Annahme, dass der Trend sich noch eine gewisse Zeit fortsetzen wird.

Bestätigungskriterien

Um die Aussagekraft eines Continuation Gaps zu erhöhen, sollten folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Deutlich sichtbare Kurslücke auf Tagesbasis (nicht bloß innerhalb des Intraday-Charts).

  • Begleitendes Volumenwachstum, das zeigt, dass neue Marktteilnehmer aktiv werden.

  • Anschlusstag(e) mit Kursbewegung in Gap-Richtung, also ohne sofortiges Gap-Fill.

  • Keine vorangehende Anzeichen einer Trendermüdung, wie überkaufte Indikatoren oder Divergenzen.

Risiken und Einschränkungen

Obwohl Continuation Gaps vergleichsweise verlässlich sind, existieren gewisse Einschränkungen:

  • Fehlinterpretation als Fortsetzungssignal, wenn das Gap tatsächlich ein Exhaustion Gap ist (also ein letztes Aufbäumen vor der Trendumkehr).

  • Geringe Aussagekraft bei schwachem Volumen oder in wenig liquiden Märkten.

  • Falsche Positionierung, wenn das Marktumfeld nicht unterstützend ist (z. B. in übergeordneten Seitwärtsphasen).

Daher sollten Continuation Gaps nicht isoliert bewertet, sondern immer in den übergeordneten Kontext der Marktstruktur eingebettet werden.

Fazit

Das Continuation Gap ist eine Kurslücke, die innerhalb eines bestehenden Aufwärts- oder Abwärtstrends auftritt und auf eine Bestätigung bzw. Beschleunigung des Trends hindeutet. Sie bietet sowohl ein starkes Signal für trendfolgende Einstiege als auch eine Möglichkeit zur Zielprojektion durch Anwendung der Measuring-Gap-Methode. In der technischen Analyse gilt das Continuation Gap als zuverlässiges Fortsetzungssignal – vorausgesetzt, es wird durch Handelsvolumen und Folgebewegungen bestätigt. Bei sorgfältiger Einbettung in die Gesamtanalyse stellt es ein wirkungsvolles Werkzeug im Werkzeugkasten der Chartanalyse dar.