Curve v1 Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Curve v2 Nächster Begriff: 3pool (DAI/USDC/USDT)

Eine Version der Curve Finance Plattform auf Ethereum, die automatisierte Marktmechanismen nutzt, um kostengünstige, slippage-arme Token-Swaps für Stablecoins und ähnliche Assets zu ermöglichen

Curve v1 ist die ursprüngliche Version des Curve-Protokolls, das sich auf den hocheffizienten Handel zwischen gleichwertigen oder wertstabilen Vermögenswerten spezialisiert hat – insbesondere Stablecoins und tokenisierte Derivate wie stETH, ankrETH oder eCRV. Curve v1 war eines der ersten Automated Market Maker (AMM)-Protokolle, das sich nicht auf volatile Tokenpaare konzentrierte, sondern auf Paare mit sehr geringer Preisabweichung, um extrem niedrige Slippage, geringe impermanente Verluste und hohe Kapitaleffizienz zu ermöglichen.

Funktionsweise von Curve v1

Die zentrale Innovation von Curve v1 liegt in der zugrunde liegenden „Stableswap“-Formel, die eine Mischung aus der klassischen x*y=k-Konstantproduktformel (Uniswap-Modell) und einer Kursbindungskurve (ähnlich wie bei einem zentralen Orderbuch) darstellt. Diese mathematische Struktur erlaubt es, Token mit minimalem Preisunterschied zu tauschen, ohne große Preiswirkungen auszulösen.

Typische Tokenpaare auf Curve v1 sind beispielsweise:

  • DAI / USDC / USDT (im 3pool)

  • sUSD / LUSD

  • stETH / ETH

  • EURT / EURS

  • eCRV / CRV

Zielsetzung und Abgrenzung

Curve v1 wurde mit folgenden Zielparametern konzipiert:

  1. Minimale Slippage bei Tausch von Stablecoins

  2. Hohe Kapitalausnutzung, da der AMM keine vollständige Preisbandbreite abdecken muss

  3. Geringes Risiko für Liquiditätsanbieter in Form von reduzierten impermanenten Verlusten

  4. Effiziente Integration mit Lending-Protokollen, da Stablecoins als Sicherheiten besonders sensibel auf Slippage reagieren

Im Gegensatz zu klassischen AMMs wie Uniswap oder Balancer verzichtet Curve v1 auf die breite Handelbarkeit volatiler Tokenpaare. Es ist spezialisiert und optimiert für „Stable Assets“, d. h. Assets, die durch Mechanismen, Pegs oder Derivate nahezu gleichen Wert haben.

Mathematische Struktur der Stableswap-Kurve

Die Preisformel von Curve v1 interpoliert zwischen:

  • Linearer Austauschkurve (1:1 bei idealem Peg)

  • Konstantprodukt (x*y=k) bei extremen Preisdifferenzen

Das bedeutet: Solange zwei Token sehr nahe beieinander liegen (z. B. DAI ≈ 1,00 USDC), ist der Preis fast konstant. Nur bei größeren Abweichungen steigt die Slippage steiler an.

Dieser Mechanismus erlaubt hohe Handelsvolumen bei sehr geringen Preisabweichungen, was insbesondere für Arbitrageure und Stablecoin-Trader attraktiv ist.

Pool-Struktur und Typen

Curve v1 verwendet unterschiedliche Pool-Typen, meist nach folgender Systematik:

  1. Plain Pools

    • Bestehen aus zwei oder mehr Stablecoins (z. B. 3pool: DAI, USDC, USDT)

    • Ohne externe Ertragskomponente

  2. Lending Pools

    • Eingebundene Token werden gleichzeitig in Lending-Protokollen (z. B. Compound, Aave) hinterlegt

    • LPs erhalten neben Swap-Gebühren auch Zinsen

  3. Meta Pools

    • Ein Token wird gegen einen bestehenden Pool getauscht (z. B. sUSD ↔ 3pool)

    • Reduziert Fragmentierung der Liquidität

  4. Factory Pools

    • Nutzer können eigene Curve-Pools erstellen, basierend auf der v1-Logik

    • Ermöglicht eine breite Dezentralisierung der Poolstruktur

Anreizstruktur

Alle Curve-v1-Pools können in die Governance-basierte Anreizverteilung eingebunden werden:

  • Gauge-System: veCRV-Inhaber stimmen darüber ab, welche Pools CRV-Emissionen erhalten

  • Boosted Rewards: veCRV kann die Rewards für LPs erhöhen

  • Bribes: Externe Projekte zahlen Anreize für Gauge-Stimmen, um mehr Emissionen auf eigene Pools zu lenken

Zusätzlich zu den Handelsgebühren erhalten LPs damit CRV-Tokens, ggf. verstärkt durch Convex Finance, StakeDAO oder andere Aggregatoren.

Sicherheitsaspekte

Curve v1 ist eine der ältesten und sichersten AMM-Infrastrukturen im DeFi-Bereich. Die wichtigsten Sicherheitsfaktoren:

  • Auditiert von mehreren Sicherheitsteams (z. B. Trail of Bits, Quantstamp)

  • Battle-tested durch jahrelangen Einsatz im Mainnet

  • Sicherheitsmechanismen wie Admin-Multisig, Emergency-Withdraw, Pausierungsmodule

  • Keine Nutzung externer Preisorakel, da die Preisfindung intern über die Liquiditätskurve erfolgt

Ökonomische Vorteile für Nutzer

Für Trader:

  • Tausch von Stablecoins zu nahezu 1:1-Verhältnis

  • Minimale Gebühren

  • Hohe Liquidität durch Aggregation vieler Pools

Für Liquiditätsanbieter:

  • Reduzierte impermanente Verluste

  • Zusätzliche Rewards durch CRV, ggf. Lending-Zinsen

  • Boosts durch veCRV oder Aggregatoren wie Convex

Grenzen und Einschränkungen

  • Nur für gleichwertige Token geeignet
    Curve v1 funktioniert optimal nur bei Paaren mit engem Preisverhältnis. Volatile Paare führen zu starken Verlusten für LPs.

  • Statische Liquiditätsverteilung
    Liquidität ist über das gesamte Preisband konzentriert, was ineffizient sein kann, wenn nur ein Preisbereich genutzt wird (→ gelöst in Curve v2 durch automatisierte Konzentration).

  • Keine Orakelintegration
    Curve v1 stellt keine expliziten On-Chain-Preisfeeds bereit, was für andere Protokolle die Nutzung als Preisquelle erschwert.

Praktische Bedeutung

Curve v1 bleibt trotz technischer Weiterentwicklungen (v2, crvUSD) ein Kernbestandteil des Curve-Ökosystems:

  • Der 3pool (DAI/USDC/USDT) ist einer der größten Stablecoin-Pools im gesamten DeFi-Sektor.

  • Viele andere Protokolle wie Frax, MIM, GHO oder LUSD basieren in ihrer Liquiditätsstrategie auf Curve-v1-Pools.

  • Meta- und Factory-Pools mit v1-Logik sind ein wichtiges Bindeglied zwischen neuen Stablecoins und dem bestehenden Markt.

Fazit

Curve v1 ist ein hochgradig spezialisiertes, stabiles und bewährtes AMM-Modell für den effizienten Handel von Stablecoins und ähnlichen Vermögenswerten. Durch seine einzigartige Preisformel, die Kombination aus geringer Slippage, hoher Kapitalnutzung und reduzierten Risiken für LPs hat Curve v1 den DeFi-Markt nachhaltig geprägt. Auch wenn mit Curve v2 und späteren Erweiterungen eine funktionale Diversifizierung erfolgte, bleibt Curve v1 eine technologische und ökonomische Grundlage des Curve-Ökosystems sowie ein zentrales Element für stabile, dezentralisierte Finanzinfrastruktur im Ethereum-Netzwerk.