DROP und TIN Börsenlexikon Vorheriger Begriff: DROP (Senior Token) Nächster Begriff: Centrifuge-Ökosystem
Ein Tranchierungsmodell, das zur strukturierten Finanzierung realer Vermögenswerte im DeFi-Bereich dient
DROP und TIN sind die beiden zentralen Tranchierungsinstrumente innerhalb des dezentralen Kreditpoolsystems Tinlake, das vom Protokoll Centrifuge betrieben wird. Diese Token ermöglichen die strukturierte Finanzierung realer Vermögenswerte (Real-World Assets, RWA) auf der Blockchain. Sie stehen für zwei unterschiedliche Risikoprofile und bilden die Grundlage für die Kapitalallokation innerhalb der Kreditpools. Die Kombination aus DROP (Senior Token) und TIN (Junior Token) erlaubt eine klare Trennung von Risiko und Rendite – ein aus dem traditionellen Finanzwesen bekanntes Prinzip, nun übertragen auf das dezentrale Finanzsystem (DeFi).
Hintergrund: Tinlake und Tranchierung
Das Tinlake-Protokoll dient dazu, reale Forderungen – etwa Rechnungen, Unternehmensdarlehen oder Immobilienkredite – zu tokenisieren und zur Finanzierung durch Investoren über die Blockchain bereitzustellen. Diese Forderungen werden in sogenannten Kreditpools gesammelt. Zur Strukturierung dieser Pools werden zwei Tokenklassen ausgegeben:
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DROP (Senior Tranche): Niedriges Risiko, stabile Rendite, Vorrang bei Rückflüssen
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TIN (Junior Tranche): Hohes Risiko, potenziell hohe Rendite, nachrangig bei Rückflüssen
$$ \text{Kreditpool-Kapital} = \text{TIN} + \text{DROP} $$
Diese Trennung schafft eine verlässliche Hierarchie zur Absorption von Verlusten und zur Verteilung von Erträgen.
Funktionsweise: Hierarchie von Risiko und Erträgen
Die Rückzahlungen aus einem Tinlake-Kreditpool – bestehend aus Zinsen und Tilgungen – fließen in einem festen Verteilungsmechanismus (Waterfall-Modell) an die Tokeninhaber:
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Vorrangige Bedienung der DROP-Inhaber
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Restbetrag an TIN-Inhaber
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Verlustabsorption ausschließlich durch TIN, bis vollständiger Kapitalverlust
$$ \text{Rückflussverteilung: } \text{DROP zuerst}, \quad \text{dann TIN} $$
Eigenschaften des DROP-Tokens
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Sicherheitsorientiert: DROP genießt Vorrang bei Auszahlungen
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Stabile Rendite: Typisch im Bereich von 3–6 % jährlich
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Verlustschutz: Verluste werden zuerst durch TIN absorbiert
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Einsatz als Sicherheit: DROP kann in Protokollen wie MakerDAO als Collateral dienen
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Geeignet für: Konservative Investoren, Institutionen, Treasury-Manager
DROP ist insbesondere attraktiv für Anleger, die planbare Einkünfte mit geringem Risiko suchen – vergleichbar mit Anleihen oder gedeckten Schuldverschreibungen.
Eigenschaften des TIN-Tokens
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Risikoträger: TIN absorbiert alle Verluste zuerst
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Hohe Ertragschance: Potenzielle Renditen zwischen 7 % und 20 % jährlich
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Belohnung für Risikobereitschaft: Erhält Überschüsse nach DROP-Bedienung
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Stabilisierung des Pools: Schutzschild für DROP
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Geeignet für: Risikobereite Investoren, strategische Kapitalgeber
TIN ist vergleichbar mit Eigenkapital oder nachrangigen Anleihen – es bietet höhere Rendite bei gleichzeitig höherem Verlustrisiko.
Zusammenspiel von DROP und TIN
Das Zusammenwirken beider Token schafft ein ausgewogenes Kreditökosystem:
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Kapitalabsicherung: TIN schützt DROP-Investoren durch Subordination
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Ertragspotenzial: TIN wird durch hohe Rückflüsse überproportional belohnt
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Risikoallokation: Investoren wählen gemäß ihrer Risikobereitschaft
Diese Trennung macht es möglich, unterschiedliche Investorenprofile zu adressieren und Kapital effizient zu mobilisieren – ähnlich wie bei klassischen Asset-Backed Securities.
Investitionsprozess
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Asset Originator bringt reale Forderungen ein (z. B. Rechnungen)
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Diese werden tokenisiert und im Pool zusammengefasst
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Investoren wählen zwischen TIN (höheres Risiko, höhere Rendite) und DROP (geringeres Risiko, niedrigere Rendite)
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Rückflüsse werden gemäß Waterfall-Modell verteilt
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Investoren können ihre Token ggf. wieder einlösen oder langfristig halten
$$ \text{Investition} \rightarrow \text{Tokenisierung} \rightarrow \text{Ertragsverteilung} $$
Vorteile des Tranchierungsmodells
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Risikodifferenzierung: Flexibles Angebot für verschiedene Anlegertypen
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Kapitaloptimierung: Bessere Risiko-Rendite-Profile ermöglichen mehr Investitionen
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Stabilität: DROP-Tranche wird durch TIN geschützt
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Transparenz: Vollständige Nachvollziehbarkeit auf der Blockchain
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Dezentralität: Keine zentrale Bank oder Vermittlungsstelle notwendig
Dieses Modell macht strukturierte Finanzierung für den DeFi-Bereich zugänglich – ein bislang institutionell dominiertes Feld.
Herausforderungen und Risiken
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Ausfallrisiko: Bei schlechter Bonität der Forderungen kann es zu Verlusten kommen, primär bei TIN
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Liquidität: DROP und TIN sind nicht frei handelbar, Ausstieg kann begrenzt sein
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Vertrauensabhängigkeit: Investoren sind auf die Qualität der Asset Originators angewiesen
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Regulierung: Tokenisierte Forderungen können unter Wertpapiergesetze fallen
Centrifuge begegnet diesen Herausforderungen mit juristischen Rahmenstrukturen, Audits, Governance-Prozessen und Partnerschaften mit regulierten Finanzdienstleistern.
Fazit
DROP und TIN sind komplementäre Instrumente zur strukturierten Finanzierung realer Vermögenswerte im DeFi-Bereich. Während DROP als sicherheitsorientierter Senior-Token eine stabile Rendite für konservative Anleger bietet, stellt TIN das unternehmerische Risikokapital mit höherem Gewinnpotenzial.
Gemeinsam ermöglichen sie die risikogerechte Kapitalallokation in tokenisierten Kreditmärkten und bringen traditionelle Finanzprinzipien wie Tranchierung, Subordination und Waterfall-Mechanismen auf die Blockchain. In einer Welt, in der reale Vermögenswerte zunehmend digital und dezentral verwaltet werden, bilden DROP und TIN die technische und ökonomische Brücke zwischen klassischer Finanzwelt und Web3.