Federal Funds Rate Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Fed (Federal Reserve) Nächster Begriff: Fehlbetrag

Ein Leitzins der Federal Reserve, zu dem US-Banken overnight-Reserven untereinander verleihen und der die kurzfristigen Zinsen im gesamten Finanzsystem maßgeblich beeinflusst

Die Federal Funds Rate ist der Leitzins der Vereinigten Staaten von Amerika und stellt einen zentralen Steuerungsmechanismus der Geldpolitik des Federal Reserve Systems (Fed) dar. Sie bezeichnet den Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken in den USA überschüssige Reserven über Nacht gegenseitig leihen. Diese kurzfristigen Interbankenkredite finden auf dem sogenannten Federal Funds Market statt. Die Fed beeinflusst diesen Zinssatz durch ihre geldpolitischen Instrumente und gibt eine Zielspanne vor, in der sich der effektive Zinssatz bewegen soll.

Bedeutung und Funktion

Die Federal Funds Rate spielt eine herausragende Rolle in der amerikanischen Geldpolitik, da sie als Referenzzinssatz für eine Vielzahl anderer kurzfristiger Zinssätze dient. Sie beeinflusst die Refinanzierungskosten von Banken, die Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte sowie die allgemeinen finanziellen Rahmenbedingungen in der Volkswirtschaft. Über diesen Kanal wirkt die Fed auf Konsum, Investitionen, Inflation und Beschäftigung ein.

Die Federal Funds Rate ist kein direkt festgelegter Zinssatz, sondern ein Marktpreis, der sich aus Angebot und Nachfrage nach kurzfristiger Liquidität im Bankensystem ergibt. Die Fed steuert diesen Zinssatz über Offenmarktgeschäfte und durch Anpassungen an den Zinssätzen für Überschussreserven (Interest on Reserve Balances, IORB) sowie den Diskontsatz.

Zielspanne (Target Range)

Seit der Finanzkrise 2008 kommuniziert die Fed nicht mehr einen konkreten Zielwert, sondern eine Zielspanne (Target Range) für die Federal Funds Rate. Diese wird durch Beschluss des Federal Open Market Committee (FOMC) festgelegt. Die Untergrenze der Zielspanne wird durch den IORB-Zinssatz bestimmt, die Obergrenze durch den sogenannten Overnight Reverse Repurchase Agreement Rate (ON RRP Rate).

Beispiel: Wenn die Zielspanne bei 5,25 % bis 5,50 % liegt, erwartet die Fed, dass sich der effektive Tagesgeldzinssatz innerhalb dieser Bandbreite bewegt. Der tatsächliche Marktzins – der Effective Federal Funds Rate (EFFR) – wird täglich veröffentlicht und reflektiert den Durchschnittszinssatz real ausgeführter Transaktionen.

Steuerungsmechanismen

Die Fed nutzt verschiedene Instrumente, um die Federal Funds Rate innerhalb der angestrebten Zielspanne zu halten:

  1. Offenmarktgeschäfte (Open Market Operations, OMO): Durch den Kauf oder Verkauf von US-Staatsanleihen beeinflusst die Fed die Liquidität im Bankensystem. Eine Ausweitung der Liquidität (durch Ankäufe) senkt tendenziell die Zinssätze, eine Reduktion (durch Verkäufe) erhöht sie.

  2. Zinssätze auf Reserven: Banken erhalten auf ihre Reserveguthaben bei der Fed einen bestimmten Zinssatz (IORB). Dieser stellt die Untergrenze für die Federal Funds Rate dar, da Banken rationalerweise keine Kredite unterhalb dieses Zinssatzes vergeben.

  3. Reverse-Repo-Geschäfte: Die Fed bietet kurzfristige, besicherte Anlagemöglichkeiten an, bei denen Finanzinstitute überschüssige Liquidität bei der Fed parken können. Der dabei gebotene Zinssatz bildet die Obergrenze der Zielspanne.

  4. Diskontsatz: Dieser Zinssatz gilt für Kredite, die Banken direkt bei der Fed aufnehmen können. Er liegt in der Regel über der Federal Funds Rate und hat vor allem eine Signalfunktion.

Einfluss auf die Wirtschaft

Veränderungen der Federal Funds Rate haben weitreichende Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft der Vereinigten Staaten. Die geldpolitische Transmission verläuft über mehrere Kanäle:

  1. Kreditkosten: Ein höherer Leitzins verteuert Kredite für Unternehmen und Konsumenten. Dies kann Investitionen und Konsum dämpfen. Ein niedrigerer Zinssatz stimuliert hingegen die Kreditnachfrage und kurbelt die Wirtschaft an.

  2. Anlageentscheidungen: Zinserhöhungen machen festverzinsliche Wertpapiere attraktiver, während Aktienmärkte tendenziell unter Druck geraten. Umgekehrt führen Zinssenkungen oft zu einem Boom an den Kapitalmärkten.

  3. Wechselkurs: Eine restriktivere Geldpolitik stärkt in der Regel den US-Dollar, da höhere Zinsen Kapitalzuflüsse begünstigen. Dies beeinflusst den Außenhandel, da Exporte teurer und Importe günstiger werden.

  4. Erwartungsbildung: Die Kommunikation der Fed über künftige Zinsschritte (Forward Guidance) hat einen bedeutenden Einfluss auf die Erwartungen der Marktteilnehmer und somit auf die tatsächliche Wirksamkeit der Geldpolitik.

Historische Entwicklung

Die Federal Funds Rate hat im Verlauf der US-Wirtschaftsgeschichte stark geschwankt und reflektiert dabei konjunkturelle Entwicklungen und geldpolitische Paradigmenwechsel. In den 1980er Jahren lag der Zinssatz zeitweise bei über 15 %, um der hohen Inflation entgegenzuwirken. In der Finanzkrise ab 2008 wurde die Zielspanne auf nahezu null Prozent (0,00 %–0,25 %) gesenkt. Erst ab 2015 begann eine Phase schrittweiser Zinserhöhungen.

Im Zuge der COVID-19-Pandemie senkte die Fed im März 2020 den Leitzins erneut auf das Niveau von 0,00 %–0,25 %. Mit dem starken Inflationsanstieg ab 2021 leitete die Fed ab 2022 eine Serie deutlicher Zinserhöhungen ein, die zu einem der schnellsten Zinsanhebungszyklen in der Geschichte der Institution führten. Ziel war es, die Inflation unter Kontrolle zu bringen, ohne gleichzeitig eine Rezession auszulösen.

Internationale Bedeutung

Die Federal Funds Rate hat nicht nur für die USA eine zentrale Bedeutung, sondern auch globalen Einfluss. Da der US-Dollar als weltweite Leitwährung dient, wirken sich Zinssatzänderungen auf Kapitalflüsse, Rohstoffpreise, Wechselkurse und die geldpolitischen Entscheidungen anderer Zentralbanken aus. Schwellenländer mit hohen Dollarschulden reagieren besonders empfindlich auf Zinserhöhungen, da sich ihre Finanzierungskosten erhöhen und Kapitalabflüsse drohen.

Viele internationale Kredit- und Anleihezinsen orientieren sich indirekt an der Federal Funds Rate, wodurch sich Änderungen schnell global bemerkbar machen. Auch der Zinsspread zu anderen Währungen beeinflusst das Verhalten von Investoren auf dem Devisenmarkt.

Fazit

Die Federal Funds Rate ist das zentrale geldpolitische Steuerungsinstrument der Federal Reserve und damit ein wesentlicher Indikator für die wirtschaftspolitische Ausrichtung der Vereinigten Staaten. Über ihre Wirkung auf Kreditkosten, Kapitalmärkte und Wechselkurse beeinflusst sie maßgeblich das gesamtwirtschaftliche Geschehen. Ihre Bedeutung reicht weit über die Landesgrenzen hinaus und macht sie zu einem global beachteten Referenzwert. Die Steuerung der Federal Funds Rate erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen den Zielen Preisstabilität, Beschäftigung und Finanzmarktstabilität – insbesondere in einem zunehmend vernetzten und volatilen globalen Umfeld.