Federal Savings and Loan Insurance Corporation (FSLIC) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Financial Institutions Reform, Recovery, and Enforcement Act Nächster Begriff: Kreditgeber letzter Instanz (Lender of Last Resort)
Eine ehemalige Behörde, die gegründet wurde, um die Einlagen in Sparkassen zu schützen und das Vertrauen in das Finanzsystem zu stärken
Die Federal Savings and Loan Insurance Corporation (FSLIC) war eine US-amerikanische Bundesbehörde, die von 1934 bis 1989 bestand und für die Einlagensicherung von Sparkassen (Savings and Loan Associations, S&Ls) verantwortlich war. Die FSLIC wurde gegründet, um das Vertrauen in das Finanzsystem zu stärken und Bankkunden vor Verlusten im Falle von Insolvenzen von Sparkassen zu schützen.
Allerdings scheiterte die FSLIC letztlich an den Folgen der Savings and Loan-Krise der 1980er Jahre. Aufgrund massiver Verluste wurde sie 1989 aufgelöst, und ihre Aufgaben wurden von der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) übernommen.
Hintergrund und Gründung der FSLIC
Die Federal Savings and Loan Insurance Corporation (FSLIC) wurde im Rahmen des National Housing Act von 1934 gegründet. Dies geschah als Reaktion auf die Große Depression, während der Tausende von Banken und Sparkassen bankrottgingen und Millionen von Amerikanern ihre Ersparnisse verloren.
Ziel der FSLIC war es:
- Einlagen bei Savings and Loan Associations (S&Ls) zu sichern, um das Vertrauen der Sparer wiederherzustellen.
- Zwangsversteigerungen und Bank-Runs zu verhindern, indem Kunden vor Verlusten geschützt wurden.
- Den Wohnungsbau zu fördern, indem Sparkassen als Hauptfinanzierer für Eigenheime stabilisiert wurden.
Die FSLIC funktionierte ähnlich wie die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC), die für die Einlagensicherung von Geschäftsbanken zuständig war. Während die FDIC jedoch kommerzielle Banken regulierte, konzentrierte sich die FSLIC ausschließlich auf die Sparkassenbranche.
Funktionsweise der FSLIC
Die FSLIC arbeitete nach einem einfachen Prinzip:
- Savings and Loan Associations (S&Ls) zahlten Prämien in einen Versicherungsfonds ein.
- Falls eine Sparkasse insolvent wurde, übernahm die FSLIC die Verantwortung für die Entschädigung der Kunden oder die Abwicklung der Bank.
- Der maximale versicherte Betrag pro Konto lag ursprünglich bei 5.000 US-Dollar, wurde aber später auf 40.000 US-Dollar angehoben.
Bis in die 1970er Jahre funktionierte dieses System relativ stabil. Die meisten Sparkassen hatten konservative Geschäftsmodelle und konzentrierten sich auf die Vergabe langfristiger Hypothekenkredite mit festen Zinssätzen.
Probleme und der Weg in die Savings and Loan-Krise
Ab den 1970er Jahren begannen sich die wirtschaftlichen Bedingungen zu ändern, was zu einer schweren Krise für die Sparkassenbranche führte. Die wichtigsten Ursachen waren:
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Steigende Zinsen in den 1980er Jahren
- Sparkassen vergaben jahrzehntelang langfristige Hypotheken mit niedrigen Festzinsen.
- Als die Federal Reserve (Fed) in den späten 1970er Jahren die Zinsen erhöhte, mussten Sparkassen viel höhere Zinsen auf Einlagen zahlen, konnten aber die Kreditzinsen nicht anpassen.
- Dies führte zu massiven Verlusten für die S&Ls.
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Deregulierung und riskante Geschäfte
- In den frühen 1980er Jahren wurden viele Vorschriften für Sparkassen gelockert (z. B. durch den Garn-St Germain Depository Institutions Act von 1982).
- Dies erlaubte S&Ls, riskante Investitionen in Immobilien, Aktien und kommerzielle Projekte zu tätigen, anstatt sich nur auf Wohnungsbaukredite zu konzentrieren.
- Viele Sparkassen investierten in spekulative Immobilienprojekte, die nach kurzer Zeit scheiterten.
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Schlechte Aufsicht und Betrug
- Die FSLIC hatte nicht genügend Mittel, um Sparkassen wirksam zu überwachen.
- Korruption und Betrug nahmen zu, da einige Sparkassenbesitzer S&Ls als persönliche Finanzierungsquelle für fragwürdige Geschäfte nutzten.
Zusammenbruch der FSLIC während der Savings and Loan-Krise
Als die Savings and Loan-Krise in den späten 1980er Jahren eskalierte, geriet die FSLIC selbst in eine tiefe finanzielle Krise:
- Mehr als 1.000 Sparkassen waren insolvent, und ihre Verluste übertrafen bei Weitem die Rücklagen der FSLIC.
- Der Versicherungsfonds der FSLIC war 1987 de facto bankrott, da er nicht über ausreichende Mittel verfügte, um die Verluste der Sparkassen zu decken.
- Die geschätzten Kosten für die Rettung der Sparkassen beliefen sich auf über 150 Milliarden US-Dollar, wovon ein Großteil durch Steuergelder finanziert wurde.
Die US-Regierung erkannte, dass die FSLIC nicht in der Lage war, das System zu stabilisieren. Daher wurde sie im Jahr 1989 durch den Financial Institutions Reform, Recovery, and Enforcement Act (FIRREA) aufgelöst.
Auflösung der FSLIC und Übernahme durch die FDIC
Mit der Verabschiedung des FIRREA-Gesetzes von 1989 wurden die Aufgaben der FSLIC wie folgt neu organisiert:
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Auflösung der FSLIC
- Die FSLIC wurde formell aufgelöst, da sie zahlungsunfähig war.
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Übertragung der Einlagensicherung auf die FDIC
- Die FDIC übernahm die Verantwortung für die Einlagensicherung der Sparkassen durch die Gründung eines neuen Fonds:
- Bank Insurance Fund (BIF) für Geschäftsbanken
- Savings Association Insurance Fund (SAIF) für Sparkassen
- 2006 wurden diese beiden Fonds wieder zusammengelegt.
- Die FDIC übernahm die Verantwortung für die Einlagensicherung der Sparkassen durch die Gründung eines neuen Fonds:
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Schaffung der Resolution Trust Corporation (RTC)
- Die RTC wurde gegründet, um die Abwicklung insolventer Sparkassen zu übernehmen und ihre Vermögenswerte zu verkaufen.
- Bis 1995 hatte die RTC über 700 gescheiterte S&Ls abgewickelt.
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Strengere Regulierung für Sparkassen
- Die Aufsicht über Sparkassen wurde reformiert und gestärkt.
- Die Kapitalanforderungen wurden erhöht, um zukünftige Krisen zu vermeiden.
Bedeutung und Lehren aus dem Scheitern der FSLIC
Die FSLIC spielte eine zentrale Rolle in der Geschichte der US-Finanzregulierung. Ihr Zusammenbruch führte zu mehreren wichtigen Lehren:
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Einlagensicherungssysteme müssen über ausreichende Mittel verfügen
- Die FSLIC war unterkapitalisiert und konnte die Krise nicht bewältigen.
- Heute sind Einlagensicherungsfonds wie die FDIC besser finanziert und kapitalisiert.
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Strenge Bankenaufsicht ist essenziell
- Die Deregulierung der Sparkassen führte zu exzessiven Risiken und Betrug.
- Die Finanzkrise von 2008 zeigte erneut, dass mangelnde Regulierung zu schweren Krisen führen kann.
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Mischung aus Wohnungsbaufinanzierung und spekulativen Investitionen ist riskant
- Sparkassen waren ursprünglich für sichere Wohnungsbaukredite gedacht, wurden aber durch Deregulierung zu spekulativen Finanzinstituten.
- Die moderne Bankenregulierung setzt wieder verstärkt auf Risikokontrolle.
Fazit
Die Federal Savings and Loan Insurance Corporation (FSLIC) wurde gegründet, um die Einlagen in Sparkassen zu schützen und das Vertrauen in das Finanzsystem zu stärken. Obwohl sie über Jahrzehnte hinweg erfolgreich funktionierte, konnte sie die massive Savings and Loan-Krise der 1980er Jahre nicht überleben.
Ihr Scheitern führte zu einer umfassenden Neustrukturierung der Bankenaufsicht und Einlagensicherung in den USA. Heute übernimmt die FDIC diese Aufgaben und sorgt für ein stabileres und widerstandsfähigeres Finanzsystem. Die Erfahrungen mit der FSLIC bleiben eine wichtige Erinnerung daran, dass eine zu lasche Regulierung und unzureichende Sicherungssysteme zu tiefgreifenden wirtschaftlichen Krisen führen können.