Fedwire Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Fantom (FTM) Nächster Begriff: Fiat-zu-Krypto-Onramp-Dienste
Ein Echtzeit-Überweisungssystem, das von der US-Notenbank betrieben wird und Finanzinstitute ermöglicht, große Geldsummen sicher und sofort zwischen Konten in den USA zu transferieren
Fedwire ist ein von der US-Notenbank (Federal Reserve) betriebenes Echtzeit-Bruttozahlungssystem (Real-Time Gross Settlement, RTGS) für den elektronischen Transfer von US-Dollar zwischen teilnehmenden Finanzinstituten. Es wird vor allem für große, zeitkritische und endgültige Zahlungen genutzt.
Zweck und Einsatzbereich
Fedwire dient primär der Abwicklung von Großbetragszahlungen zwischen Banken, Kreditinstituten, Clearinghäusern und staatlichen Stellen. Typische Einsatzbereiche sind:
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Interbankenzahlungen – Überweisungen zwischen Finanzinstituten in den USA.
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Settlement von Finanzmarkttransaktionen – Abwicklung von Wertpapierkäufen, Derivaten oder Repo-Geschäften.
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Zahlungen für staatliche Institutionen – z. B. für Steuern, Sozialleistungen oder staatliche Anleihetransaktionen.
Funktionsweise
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Teilnehmer: Nur zugelassene Finanzinstitute mit einem Konto bei einer Federal-Reserve-Bank.
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Echtzeitabwicklung: Jede Zahlung wird einzeln und sofort verarbeitet, ohne mit anderen Transaktionen verrechnet zu werden.
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Bruttoabrechnung: Es gibt keine Aufrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten – der gesamte Zahlungsbetrag muss auf dem Konto des sendenden Instituts verfügbar sein.
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Endgültigkeit: Zahlungen sind nach Ausführung unwiderruflich.
Technische Abwicklung
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Das sendende Institut initiiert die Zahlung über das Fedwire-Netzwerk.
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Die Federal Reserve prüft Kontostand und Berechtigung.
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Der Betrag wird in Echtzeit vom Konto des Senders abgebucht und dem Empfänger gutgeschrieben.
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Beide Parteien erhalten sofortige Bestätigung.
Betriebszeiten: Fedwire ist an Werktagen der Federal Reserve in der Regel von frühmorgens bis zum späten Abend (US Eastern Time) verfügbar, jedoch nicht rund um die Uhr.
Sicherheits- und Compliance-Aspekte
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Authentifizierung: Strenge Sicherheitsprotokolle und Zugangskontrollen.
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Regulatorische Einbindung: Unterliegt den Vorschriften der Federal Reserve und den US-Bankenaufsichtsbehörden.
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Überwachung: Permanente Transaktionskontrolle zur Betrugs- und Geldwäscheprävention.
Abgrenzung zu anderen Systemen
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CHIPS (Clearing House Interbank Payments System) – privates, nettingbasiertes US-Zahlungssystem, meist für internationale Dollarzahlungen.
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ACH (Automated Clearing House) – Batch-System für Massenzahlungen, nicht für Echtzeit- oder Großbetragszahlungen geeignet.
Vorteile
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Hohe Sicherheit durch zentrale Abwicklung über die Federal Reserve.
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Sofortige Finalität – Zahlungen sind nach Verarbeitung endgültig.
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Zuverlässigkeit – jahrzehntelange Nutzung durch US-Finanzinstitute.
Herausforderungen
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Teilnehmerbeschränkung – Nur für zugelassene Finanzinstitute nutzbar, nicht für Privatpersonen.
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Betriebszeiten – Keine 24/7-Verfügbarkeit.
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Kosten – Transaktionsgebühren höher als bei Batch-Systemen wie ACH.
Fazit
Fedwire ist das zentrale Rückgrat für Großbetrags- und Eilzahlungen im US-Finanzsystem. Durch seine Echtzeit-, Brutto- und Endgültigkeitsabwicklung bietet es höchste Sicherheit und Verlässlichkeit für institutionelle Zahlungen. Es ist vor allem für zeitkritische und hohe Beträge unverzichtbar, während Massenzahlungen oder weniger dringliche Transaktionen über andere Systeme wie ACH oder CHIPS abgewickelt werden.