Festgeld Börsenlexikon Vorheriger Begriff: FERI-Gruppe Nächster Begriff: Festgeschäft
Ein sicheres Anlageprodukt, bei dem ein fester Geldbetrag für eine vereinbarte Laufzeit zu einem im Voraus festgelegten Zinssatz bei einer Bank angelegt wird und das Kapital samt Zinsen am Ende der Laufzeit ausgezahlt wird
Festgeld ist eine Form der Geldanlage, bei der ein fester Geldbetrag zu einem im Voraus vereinbarten Zinssatz für eine bestimmte Laufzeit bei einer Bank oder einem Finanzinstitut angelegt wird. Es handelt sich dabei um eine klassische und besonders risikoarme Anlageform, die vor allem wegen ihrer Planbarkeit und Sicherheit von konservativen Anlegern bevorzugt wird. Festgeld gehört zu den sogenannten Termingeldern und ist vom Prinzip her vergleichbar mit einem Kredit, den der Sparer der Bank gewährt – gegen eine garantierte Verzinsung und Rückzahlung zum Laufzeitende.
Merkmale und Funktionsweise
Bei einer Festgeldanlage legt der Anleger einen bestimmten Geldbetrag für einen vorher festgelegten Zeitraum an. Die Laufzeiten können je nach Anbieter zwischen einem Monat und mehreren Jahren liegen, wobei gängige Zeiträume 3, 6, 12, 24 oder 36 Monate sind. Während dieser Laufzeit kann der Anleger nicht über das angelegte Kapital verfügen, eine vorzeitige Verfügung ist in der Regel ausgeschlossen oder nur mit erheblichen Einschränkungen verbunden.
Die wichtigsten Merkmale im Überblick:
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Fester Zinssatz: Der Zinssatz wird zu Beginn der Anlage vereinbart und bleibt über die gesamte Laufzeit konstant – unabhängig von der allgemeinen Zinsentwicklung am Markt.
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Feste Laufzeit: Die Rückzahlung des Kapitals inklusive der Zinsen erfolgt erst zum Laufzeitende.
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Kein Risiko von Kursverlusten: Im Gegensatz zu Wertpapieren unterliegt Festgeld keinen Schwankungen an Kapitalmärkten.
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Einlagensicherung: Festgeldanlagen bei Banken innerhalb der Europäischen Union unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Kunde und Bank.
Durch diese Eigenschaften eignet sich Festgeld besonders für Anleger, die auf Kapitalerhalt setzen und keinen kurzfristigen Liquiditätsbedarf haben.
Zinssatz und Ertrag
Die Höhe der Zinsen, die für eine Festgeldanlage gezahlt werden, hängt in erster Linie von drei Faktoren ab:
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Laufzeit der Anlage: In der Regel gilt: Je länger die Laufzeit, desto höher der Zinssatz, da der Anleger für einen längeren Zeitraum auf seine Liquidität verzichtet.
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Marktzinsniveau: Die allgemeinen Leitzinsen und Kapitalmarktzinsen beeinflussen die Konditionen, die Banken ihren Kunden anbieten können.
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Bank und Bonität: Je nach Institut und dessen Refinanzierungsbedarf kann es zu deutlichen Unterschieden in der Verzinsung kommen.
Die Zinserträge aus Festgeldanlagen werden am Ende der Laufzeit gutgeschrieben und sind in der Regel als Kapitaleinkünfte steuerpflichtig. In Deutschland unterliegen sie der Abgeltungsteuer, wobei ein Freibetrag (Sparerpauschbetrag) von derzeit 1.000 Euro pro Person (Stand 2025) berücksichtigt wird.
Unterschiede zu anderen Anlageformen
Festgeld unterscheidet sich von anderen Geldanlagen wie folgt:
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Tagesgeld: Im Gegensatz zum Festgeld ist das Tagesgeld jederzeit verfügbar, bietet jedoch meist niedrigere Zinsen und keine Zinsgarantie.
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Sparkonto: Klassische Sparkonten bieten häufig variable Zinsen und haben meist längere Kündigungsfristen bei höheren Abhebungen.
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Wertpapiere oder Fonds: Diese Anlageformen versprechen höhere Renditen, sind jedoch mit deutlich höheren Risiken verbunden, da Kursverluste möglich sind.
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Anleihen: Auch Anleihen bieten feste Laufzeiten und Zinsen, unterliegen jedoch Marktpreisschwankungen und Emittentenrisiken.
Festgeld stellt damit eine konservative Alternative für sicherheitsorientierte Anleger dar, die auf eine garantierte Verzinsung setzen und bereit sind, für einen bestimmten Zeitraum auf ihre Liquidität zu verzichten.
Vorteile von Festgeld
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Planungssicherheit: Durch den festen Zinssatz und die feste Laufzeit lässt sich der Ertrag exakt kalkulieren.
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Kapitalschutz: Die Einlage ist durch gesetzliche Sicherungssysteme weitgehend geschützt.
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Keine laufenden Kosten: Für die Führung eines Festgeldkontos fallen in der Regel keine Gebühren an.
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Geringer Verwaltungsaufwand: Nach der Anlage ist kein aktives Management erforderlich.
Diese Vorteile machen Festgeld besonders attraktiv für konservative Anleger, ältere Personen, institutionelle Anleger mit Liquiditätsreserven sowie für kurzfristige Parkmöglichkeiten bei stabiler Verzinsung.
Nachteile und Einschränkungen
Trotz der genannten Vorteile gibt es auch Einschränkungen:
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Keine Verfügbarkeit während der Laufzeit: Vorzeitige Kündigungen sind in der Regel nicht möglich oder mit erheblichen Zinsverlusten verbunden.
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Zinsänderungsrisiko: Bei steigenden Marktzinsen während der Laufzeit bleibt der vereinbarte Zinssatz bestehen, sodass keine Anpassung nach oben erfolgt.
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Inflationsrisiko: Wenn die Inflation über dem vereinbarten Zinssatz liegt, verliert das angelegte Kapital real an Kaufkraft.
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Begrenzte Renditechancen: Im Vergleich zu chancenorientierten Anlageformen ist der Ertrag meist relativ niedrig.
Insbesondere in Phasen niedriger Leitzinsen, wie sie in den vergangenen Jahren häufig zu beobachten waren, ist die reale Rendite (Zins abzüglich Inflation) bei Festgeldanlagen oftmals negativ.
Einlagensicherung und Anbieterauswahl
In Deutschland und innerhalb der Europäischen Union sind Festgeldanlagen durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Sie garantiert Rückzahlungen bis zu einem Betrag von 100.000 Euro je Kunde und je Kreditinstitut. Darüber hinaus gibt es in vielen Ländern zusätzliche freiwillige Sicherungseinrichtungen, beispielsweise den Einlagensicherungsfonds deutscher Banken, der weitaus höhere Beträge absichern kann.
Bei der Auswahl eines Festgeldanbieters sollten Anleger auf folgende Kriterien achten:
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Höhe des Zinssatzes
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Laufzeitoptionen
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Bonität des Anbieters (insbesondere bei ausländischen Banken)
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Konditionen zur Zinsauszahlung
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Bedingungen zur Wiederanlage oder Verlängerung („Prolongation“)
Insbesondere bei Angeboten aus dem europäischen Ausland kann es zu höheren Zinsen kommen. In diesen Fällen sollten Anleger jedoch die Einlagensicherung des jeweiligen Landes und dessen wirtschaftliche Stabilität prüfen.
Fazit
Festgeld ist eine konservative, sichere und planbare Form der Geldanlage, die sich besonders für Anleger eignet, die Kapitalerhalt und Zinssicherheit priorisieren. Durch die garantierte Verzinsung über eine feste Laufzeit bietet Festgeld Schutz vor Marktschwankungen, jedoch keine Flexibilität in Bezug auf die Verfügbarkeit oder Reaktion auf Zinsänderungen. In Zeiten niedriger Leitzinsen ist der reale Ertrag begrenzt, dennoch bleibt Festgeld aufgrund seiner Transparenz und Einfachheit eine attraktive Option im Rahmen einer breiten Vermögensstreuung. Eine sorgfältige Auswahl von Anbietern und Laufzeiten ist dabei ebenso wichtig wie die Beachtung steuerlicher Rahmenbedingungen und des Inflationsrisikos.