Fiat-besicherte Stablecoins Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Asset-Referenced Tokens (ARTs) Nächster Begriff: MIM (Abracadabra)

Ein zentrales Bindeglied zwischen der traditionellen und der dezentralen Finanzwelt

Fiat-besicherte Stablecoins sind digitale Vermögenswerte, deren Wert durch klassische staatliche Währungen (Fiatgeld) wie den US-Dollar, den Euro oder den japanischen Yen gedeckt ist. Sie zählen zur Gruppe der Stablecoins, also Kryptowährungen, deren Preis möglichst konstant bleiben soll – im Gegensatz zu volatilen Coins wie Bitcoin oder Ethereum. Fiat-besicherte Stablecoins sind derzeit die am weitesten verbreitete Form von Stablecoins und spielen eine zentrale Rolle im globalen Krypto-Ökosystem.

Definition und Grundprinzip

Ein fiat-besicherter Stablecoin (englisch: fiat-collateralized stablecoin) ist ein digitaler Token, der den Anspruch vermittelt, jederzeit 1:1 gegen eine festgelegte Fiatwährung eingelöst werden zu können. Um diese Stabilität zu garantieren, hinterlegt der Emittent des Stablecoins entsprechende Einlagen bei Banken oder anderen regulierten Finanzinstitutionen.

Beispiel:
Für jeden ausgegebenen Stablecoin mit dem Wert 1 USD wird ein realer US-Dollar auf einem Reservekonto gehalten.

Funktionsweise

Die technische und wirtschaftliche Struktur fiat-besicherter Stablecoins lässt sich in mehrere zentrale Schritte gliedern:

  1. Einzahlung durch Nutzer:
    Nutzer senden Fiatgeld (z. B. USD) an den Emittenten oder dessen Zahlungsdienstleister.

  2. Token-Erzeugung (Minting):
    Der Emittent erstellt die entsprechende Menge an Stablecoins (z. B. 100 USD → 100 USDC).

  3. Reservehaltung:
    Der Emittent lagert das Fiatgeld auf segregierten Bankkonten oder investiert in kurzfristige, liquide Finanzinstrumente (z. B. US-Treasuries).

  4. Token-Rückgabe (Redemption):
    Nutzer können die Stablecoins wieder einlösen (Burning), wobei sie das Fiatgeld zurückerhalten.

Die Deckung kann dabei in Bargeld, Bankguthaben oder sehr liquiden Wertpapieren bestehen. Regelmäßige Prüfungen (Audits oder Attestierungen) sollen sicherstellen, dass die ausgegebenen Tokens tatsächlich vollständig gedeckt sind.

Bekannte Beispiele

Stablecoin Emittent Hauptwährung Marktkapitalisierung (2024, in USD) Besonderheiten
USDT Tether USD > 90 Mrd. Größter Stablecoin, teilw. kritisiert
USDC Circle/Coinbase USD > 25 Mrd. Streng reguliert, geprüfte Reserven
EURC Circle EUR < 100 Mio Euro-basierter Stablecoin
GUSD Gemini USD < 100 Mio NY-reguliert, 1:1 durch Bankeinlagen
TUSD TrueUSD USD stark schwankend Echtzeit-Transparenzberichte

Vorteile fiat-besicherter Stablecoins

Fiat-besicherte Stablecoins bieten zahlreiche Vorteile, sowohl für private Nutzer als auch für institutionelle Akteure:

1. Wertstabilität

Durch die 1:1-Kopplung an eine staatliche Währung bleibt der Tokenwert konstant, was sie ideal für den Zahlungsverkehr, Handel oder als Recheneinheit macht.

2. Einfache Verständlichkeit

Da der Wert an bekannte Währungen gebunden ist, sind solche Tokens auch für Nicht-Techniker leicht verständlich.

3. Zugang zu digitalen Finanzmärkten

Nutzer können über Stablecoins Zugang zu dezentralen Finanzanwendungen (DeFi), NFTs oder Blockchain-Zahlungen erhalten, ohne der Volatilität von Kryptowährungen ausgesetzt zu sein.

4. Geringe Transaktionskosten und hohe Geschwindigkeit

Im Vergleich zu traditionellen Überweisungen (insbesondere grenzüberschreitend) sind Stablecoin-Transaktionen schneller und günstiger.

5. Brückenfunktion zwischen Fiat und Krypto

Fiat-besicherte Stablecoins erleichtern den Transfer von Geldwerten zwischen der traditionellen Finanzwelt und der Blockchain.

Risiken und Herausforderungen

Trotz ihrer Stabilität sind fiat-besicherte Stablecoins nicht frei von Risiken:

1. Zentralisierungsrisiko

Die Verwahrung der Fiatreserven erfolgt durch zentrale Stellen (z. B. Banken). Das widerspricht dem Dezentralisierungsgedanken vieler Blockchain-Projekte.

2. Transparenzprobleme

Nicht alle Emittenten legen vollständige Informationen zu ihren Reserven offen. Besonders Tether (USDT) stand in der Vergangenheit wegen Intransparenz unter Kritik.

3. Regulatorische Unsicherheit

Stablecoins unterliegen weltweit unterschiedlichen rechtlichen Regelungen. Emittenten müssen mit strenger werdenden Vorschriften (z. B. MiCA in der EU oder Stablecoin-Gesetze in den USA) rechnen.

4. Bankenabhängigkeit

Die Stabilität hängt von der Zahlungsfähigkeit der Banken ab, bei denen die Reserven gehalten werden. Bankenpleiten oder Sanktionen können zum Ausfall führen.

5. Rücknahmegarantie

Nicht alle Stablecoins lassen sich für Endnutzer direkt gegen Fiatgeld einlösen – oft ist der Zugang auf institutionelle Kunden beschränkt.

Abgrenzung zu anderen Stablecoin-Typen

Typ Deckung Emittenttyp Beispiele Dezentralisierung
Fiat-besicherte Stablecoins Bankguthaben, Bargeld Unternehmen (z. B. Circle) USDC, USDT, GUSD Niedrig
Krypto-besicherte Stablecoins Kryptowährungen (z. B. ETH, WBTC) Protokolle (z. B. MakerDAO) DAI, MIM Mittel
Algorithmische Stablecoins Preisregulierung per Algorithmus Protokolle mit Governance FRAX, (ehemals UST) Hoch (mit Risiko)
Asset-Referenced Tokens Korb aus Fiat, Rohstoffen, etc. Regulierte Emittenten Diem, EU-ARTs (geplant) Mittel

Regulatorische Perspektive

In vielen Jurisdiktionen rücken Stablecoins zunehmend in den Fokus der Finanzaufsicht. Die wichtigsten Entwicklungen:

  • MiCA-Verordnung (EU):
    Ab 2024 gelten für fiat-besicherte Stablecoins strenge Anforderungen: Emittenten benötigen eine Zulassung, müssen Kapitalanforderungen erfüllen und transparente Rücknahmeprozesse sicherstellen.

  • USA (Stablecoin Acts):
    Diskussionen über Stablecoin-Regulierung konzentrieren sich auf Themen wie Verbraucherschutz, Reservehaltung und Rechenschaftspflicht.

  • FATF-Empfehlungen:
    Die internationale Finanzaufsicht fordert Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung im Zusammenhang mit Stablecoins.

Praktischer Einsatz

Fiat-besicherte Stablecoins werden heute in zahlreichen Bereichen eingesetzt:

  • Handel auf Krypto-Börsen:
    Als Basiswährung für Paare wie BTC/USDT oder ETH/USDC

  • DeFi-Anwendungen:
    Nutzung als Sicherheit, Zahlungsmittel oder Ertragsquelle (Yield Farming)

  • Internationale Überweisungen:
    Günstige Alternative zu SWIFT-Zahlungen

  • Zahlungsdienste und Point-of-Sale:
    Einsatz in digitalen Wallets, z. B. für Mikrozahlungen oder remittances

Beispielhafte Transaktion

Ein Nutzer möchte 1.000 USDC von Wallet A zu Wallet B übertragen. Die Transaktion läuft ab wie folgt:

  1. Wallet A initiiert eine Transaktion über das Ethereum-Netzwerk (oder eine Layer-2-Chain).

  2. Innerhalb von Sekunden wird die Transaktion bestätigt.

  3. Wallet B erhält exakt 1.000 USDC – der Wert bleibt stabil, unabhängig vom ETH-Kurs.

Im Gegensatz dazu würde ein Transfer mit z. B. ETH oder BTC von Kursänderungen beeinflusst.

Fazit

Fiat-besicherte Stablecoins sind ein zentrales Bindeglied zwischen der traditionellen und der dezentralen Finanzwelt. Sie bieten Stabilität, Effizienz und Benutzerfreundlichkeit – wichtige Eigenschaften für breite Akzeptanz. Trotz der Vorteile müssen sich Nutzer der Risiken bewusst sein, insbesondere im Hinblick auf Zentralisierung, Transparenz und Regulierung. In einer Welt, in der digitale Zahlungen und dezentrale Märkte weiter wachsen, werden fiat-besicherte Stablecoins auch künftig eine entscheidende Rolle als digitales Pendant zu staatlichen Währungen spielen – möglicherweise sogar als Basis für regulierte E-Geld-Tokens oder staatliche Digitalwährungen.