FIBOR (Frankfurt Interbank Offered Rate) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Festzinssatz Nächster Begriff: Fill or Kill Order (FOK)

Ein historischer Referenzzinssatz, der den durchschnittlichen Zinssatz widerspiegelte, zu dem Banken in Frankfurt untereinander unbesicherte Einlagen in Deutscher Mark für verschiedene Laufzeiten anboten

Der FIBOR (Frankfurt Interbank Offered Rate) war ein Referenzzinssatz, der die durchschnittlichen Zinssätze widerspiegelte, zu denen sich erstklassige Banken am Finanzplatz Frankfurt untereinander kurzfristig Geld anboten. Er diente über viele Jahre als zentrale Orientierungsgröße für den deutschen Geldmarkt und spielte insbesondere bei variabel verzinsten Krediten, Geldmarktgeschäften und derivativen Finanzinstrumenten eine bedeutende Rolle. Der FIBOR ist heute nicht mehr in Verwendung und wurde durch andere Referenzzinssätze ersetzt, bleibt jedoch aus historischer und vertraglicher Sicht von Relevanz.

Begriffliche Einordnung und Definition

Der FIBOR war ein Interbankenzinssatz, der für verschiedene Laufzeiten (z. B. über Nacht, ein Monat, drei Monate, sechs Monate) veröffentlicht wurde. Er stellte keinen tatsächlich abgeschlossenen Zinssatz dar, sondern einen angebotenen Zinssatz, den ausgewählte Banken bereit waren, anderen Banken Liquidität zur Verfügung zu stellen. Damit entsprach er konzeptionell anderen internationalen Interbankensätzen wie dem LIBOR (London Interbank Offered Rate) oder dem EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate).

Der FIBOR wurde in Prozent angegeben und diente als Referenzgröße, auf die zahlreiche Finanzverträge Bezug nahmen. Er bildete damit eine zentrale Schnittstelle zwischen Geldmarkt, Kreditvergabe und Zinsderivaten.

Historischer Hintergrund und Entstehung

Der FIBOR entstand in einer Phase, in der nationale Geldmärkte eine deutlich größere Bedeutung hatten als heute. Vor Einführung des Euro und der stärkeren europäischen Integration war der deutsche Interbankenmarkt weitgehend eigenständig organisiert. Frankfurt am Main fungierte dabei als zentraler Finanzplatz Deutschlands.

In diesem Umfeld wurde der FIBOR als nationaler Referenzzinssatz etabliert, um eine transparente und einheitliche Zinsbasis für Geldmarktgeschäfte zu schaffen. Er spiegelte die Refinanzierungskosten deutscher Banken wider und wurde von Marktteilnehmern als verlässlicher Maßstab für kurzfristige Zinserwartungen genutzt.

Ermittlung und Veröffentlichung

Die Ermittlung des FIBOR basierte auf einem Panel ausgewählter Banken, die ihre Zinsofferten für verschiedene Laufzeiten meldeten. Aus diesen Meldungen wurde ein Durchschnittswert gebildet, wobei extreme Ausreißer in der Regel ausgeschlossen wurden, um Verzerrungen zu vermeiden.

Der so berechnete Zinssatz wurde regelmäßig veröffentlicht und stand Marktteilnehmern als Referenz zur Verfügung. Die Methodik ähnelte der anderer Interbank Offered Rates, bei denen nicht reale Transaktionen, sondern indikative Angebotszinssätze zugrunde lagen. Gerade dieser Umstand sollte später eine wichtige Rolle bei der Neubewertung solcher Referenzzinssätze spielen.

Bedeutung für Finanzverträge

Der FIBOR wurde in einer Vielzahl von Finanzprodukten verwendet. Besonders verbreitet war er bei variabel verzinsten Krediten, bei denen sich der Zinssatz aus dem FIBOR zuzüglich eines vertraglich festgelegten Aufschlags zusammensetzte. Dieser Aufschlag spiegelte das individuelle Kreditrisiko sowie administrative Kosten wider.

Auch im Bereich der Zinsderivate, etwa bei Zinsswaps oder Forward Rate Agreements, diente der FIBOR als Referenzgröße. Darüber hinaus wurde er bei Geldmarktanlagen, Schuldscheindarlehen und bestimmten Anleiheformen herangezogen.

Durch seine breite Verwendung hatte der FIBOR erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Schon geringe Veränderungen des Zinssatzes konnten erhebliche Auswirkungen auf Zinszahlungen, Bewertungen und Risikopositionen haben.

Rolle im deutschen Geldmarkt

Der FIBOR war ein wichtiger Indikator für das kurzfristige Zinsniveau in Deutschland. Er spiegelte die Liquiditätssituation im Bankensystem sowie geldpolitische Impulse der Deutschen Bundesbank wider. Änderungen der Leitzinsen oder geldpolitische Maßnahmen wirkten sich regelmäßig auf den FIBOR aus.

Für Marktteilnehmer diente er daher nicht nur als vertragliche Referenz, sondern auch als Signalgröße für Zinserwartungen. Steigende FIBOR-Sätze deuteten auf eine Straffung der Geldmarktbedingungen hin, sinkende Sätze auf eine expansive Geldpolitik oder erhöhte Liquidität.

Ablösung durch EURIBOR

Mit der Einführung des Euro und der Schaffung eines einheitlichen europäischen Geldmarkts verlor der FIBOR zunehmend an Bedeutung. Nationale Referenzzinssätze passten nicht mehr zu einem integrierten Währungsraum, in dem Banken grenzüberschreitend agieren und sich refinanzieren.

In diesem Kontext wurde der EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) eingeführt, der die durchschnittlichen Zinssätze für den gesamten Euroraum abbildet. Schrittweise ersetzte der EURIBOR den FIBOR in neuen Verträgen. Bestehende Kontrakte wurden entweder umgestellt oder liefen mit Bezug auf den FIBOR aus.

Mit der vollständigen Etablierung des EURIBOR wurde der FIBOR eingestellt. Er wird heute nicht mehr berechnet oder veröffentlicht.

Regulatorische und methodische Kritik

Rückblickend steht der FIBOR – wie andere Interbank Offered Rates – auch im Zusammenhang mit der grundsätzlichen Kritik an angebotebasierten Referenzzinssätzen. Da die Zinssätze auf Meldungen der Banken beruhten und nicht zwingend auf realen Transaktionen, bestand theoretisch Spielraum für Verzerrungen.

Internationale Zinsskandale, insbesondere rund um den LIBOR, führten zu einer umfassenden Reform der Referenzzinssätze. Ziel war es, transaktionsbasierte und robustere Benchmarks zu etablieren. Auch wenn der FIBOR selbst nicht im Zentrum dieser Skandale stand, trug diese Entwicklung dazu bei, angebotebasierte nationale Zinssätze endgültig abzulösen.

Bedeutung in bestehenden Altverträgen

Obwohl der FIBOR nicht mehr aktiv verwendet wird, kann er in Altverträgen weiterhin eine Rolle spielen. In solchen Fällen enthalten Verträge häufig Ersatzklauseln, die regeln, welcher Zinssatz an die Stelle des FIBOR tritt, falls dieser nicht mehr verfügbar ist.

Die rechtliche und wirtschaftliche Behandlung solcher Altverträge erfordert besondere Aufmerksamkeit, da die Wahl des Ersatzzinssatzes Auswirkungen auf die Zinslast und die Vertragsbalance haben kann. In der Praxis werden häufig der EURIBOR oder andere geeignete Referenzzinssätze herangezogen.

Einordnung aus heutiger Sicht

Aus heutiger Perspektive ist der FIBOR vor allem von historischer Bedeutung. Er steht für eine Phase national geprägter Geldmärkte und verdeutlicht den Wandel hin zu stärker integrierten, regulierten und europaweit einheitlichen Finanzstrukturen.

Seine Entwicklung und Ablösung zeigen, wie eng Referenzzinssätze mit geldpolitischen Rahmenbedingungen, Marktstrukturen und regulatorischen Anforderungen verknüpft sind. Der FIBOR ist damit ein Beispiel für die Dynamik finanzwirtschaftlicher Standards und deren Anpassung an veränderte Marktbedingungen.

Fazit

Der FIBOR (Frankfurt Interbank Offered Rate) war über viele Jahre ein zentraler Referenzzinssatz des deutschen Geldmarkts. Er spiegelte die durchschnittlichen Angebotszinsen wider, zu denen sich Banken am Finanzplatz Frankfurt kurzfristig Geld zur Verfügung stellten. Als Grundlage zahlreicher Kredite, Geldmarktgeschäfte und Derivate hatte er erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Mit der Einführung des Euro und der Etablierung des EURIBOR verlor der FIBOR seine Funktion und wurde eingestellt. Heute besitzt er vor allem historische und vertragliche Relevanz, insbesondere im Zusammenhang mit Altverträgen. Der Übergang vom FIBOR zu europäischen Referenzzinssätzen verdeutlicht den strukturellen Wandel der Finanzmärkte hin zu größerer Integration, Transparenz und regulatorischer Stabilität.