FICO-Score Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Dollardominanz Nächster Begriff: Subprime-Kredite in der Finanzkrise 2007/2008
Ein zentrales Instrument zur Bewertung der Kreditwürdigkeit in den USA, das zahlreiche finanzielle Entscheidungen beeinflusst
Der FICO-Score ist eine der wichtigsten Kreditbewertungsmethoden in den USA und wird zur Einschätzung der Kreditwürdigkeit von Privatpersonen verwendet. Entwickelt wurde das Scoring-Modell von der Fair Isaac Corporation (FICO), weshalb es nach dem Unternehmen benannt ist. Der FICO-Score gibt Banken, Kreditgebern und Finanzinstituten eine standardisierte Möglichkeit, das Risiko eines Kreditausfalls einzuschätzen.
Bedeutung des FICO-Scores
Der FICO-Score ist ein numerischer Wert, der angibt, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Person ihre finanziellen Verpflichtungen pünktlich erfüllt. Kreditgeber nutzen ihn, um über die Vergabe von Krediten, Kreditkarten, Hypotheken und anderen Finanzprodukten zu entscheiden. Ein hoher FICO-Score signalisiert eine gute Bonität und erleichtert den Zugang zu Krediten mit günstigen Konditionen, während ein niedriger Score die Kreditaufnahme erschweren oder verteuern kann.
Berechnung des FICO-Scores
Der FICO-Score basiert auf verschiedenen finanziellen Faktoren, die das Zahlungsverhalten eines Kreditnehmers widerspiegeln. Die wichtigsten Einflussgrößen und ihre Gewichtung sind:
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Zahlungshistorie (35 %)
- Zeigt, ob Rechnungen und Kredite pünktlich bezahlt wurden.
- Verspätete Zahlungen, Inkassoverfahren oder Zahlungsausfälle wirken sich negativ aus.
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Gesamtschulden und Kreditnutzung (30 %)
- Verhältnis zwischen genutztem Kredit und verfügbarem Kreditlimit (Kreditnutzungsquote).
- Eine hohe Auslastung von Kreditlinien kann den Score senken.
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Länge der Kreditgeschichte (15 %)
- Je länger ein Kreditkonto besteht, desto positiver wirkt es sich aus.
- Neue Kreditnehmer haben oft einen niedrigeren Score, da ihre Kreditgeschichte kürzer ist.
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Neue Kreditanfragen (10 %)
- Häufige Anfragen nach neuen Krediten innerhalb kurzer Zeit können den Score senken.
- Gezielte, gelegentliche Kreditanfragen (z. B. für eine Hypothek) haben einen geringeren Einfluss.
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Kreditmix (10 %)
- Eine vielfältige Mischung aus Kreditkarten, Hypotheken, Autokrediten und Ratenkrediten kann sich positiv auswirken.
- Einseitige Kreditnutzung (z. B. nur Kreditkarten) kann den Score begrenzen.
FICO-Score-Skala
Der FICO-Score reicht von 300 bis 850 und wird in verschiedene Kategorien eingeteilt:
| FICO-Score | Kreditwürdigkeit | Auswirkungen |
|---|---|---|
| 800 – 850 | Exzellent | Sehr günstige Kreditkonditionen |
| 740 – 799 | Sehr gut | Gute Kreditangebote mit niedrigen Zinsen |
| 670 – 739 | Gut | Durchschnittliche Kreditbedingungen |
| 580 – 669 | Mittelmäßig | Höhere Zinsen, eingeschränkter Zugang zu Krediten |
| 300 – 579 | Schlecht | Hohe Kreditkosten, oft Ablehnung von Kreditanträgen |
Einfluss des FICO-Scores auf Finanzentscheidungen
Der FICO-Score beeinflusst zahlreiche finanzielle Aspekte, darunter:
- Kreditkarten: Höhere Scores ermöglichen höhere Kreditlimits und niedrigere Zinssätze.
- Hypotheken: Banken vergeben günstigere Immobilienkredite an Kreditnehmer mit hohen Scores.
- Autokredite: Kreditnehmer mit gutem Score erhalten niedrigere Zinssätze bei Autokrediten.
- Versicherungen: Einige Versicherungen berücksichtigen den Score zur Berechnung von Tarifen.
- Wohnungsmiete: Vermieter nutzen den Score, um das finanzielle Risiko eines Mieters zu bewerten.
Möglichkeiten zur Verbesserung des FICO-Scores
Personen mit einem niedrigen FICO-Score können ihre Kreditwürdigkeit durch folgende Maßnahmen verbessern:
- Pünktliche Zahlungen: Rechnungen und Kredite stets fristgerecht begleichen.
- Kreditnutzungsquote senken: Nicht das gesamte Kreditlimit ausschöpfen, idealerweise unter 30 % halten.
- Alte Kreditkonten offenhalten: Lange bestehende Kreditkonten verbessern den Score.
- Nicht zu viele Kreditanfragen stellen: Mehrere Anfragen in kurzer Zeit können sich negativ auswirken.
- Verschiedene Kreditarten nutzen: Ein ausgewogener Kreditmix kann sich positiv auswirken.
Unterschiede zu anderen Kreditbewertungsmodellen
Neben dem FICO-Score gibt es weitere Kreditbewertungsmodelle, die ähnlich funktionieren, aber unterschiedliche Berechnungsmethoden verwenden:
- VantageScore: Ein von den drei großen US-Kreditauskunfteien (Equifax, Experian, TransUnion) entwickeltes Modell mit ähnlicher Skala.
- Schufa-Score (Deutschland): In Deutschland verwendet die Schufa ein eigenes Scoring-System zur Bonitätsbewertung.
- Experian und Equifax Scores: In einigen Ländern bieten diese Auskunfteien eigene Scores an.
Kritik am FICO-Score
Obwohl der FICO-Score ein weit verbreitetes und anerkanntes Kreditbewertungsmodell ist, gibt es auch Kritikpunkte:
- Mangelnde Transparenz: Die genaue Berechnungsweise ist nicht öffentlich zugänglich.
- Benachteiligung bestimmter Gruppen: Personen ohne Kreditgeschichte oder mit geringem Einkommen haben oft schlechte Scores, selbst wenn sie finanziell stabil sind.
- Fehler in Kreditberichten: Ungenauigkeiten in den Daten von Kreditauskunfteien können den Score negativ beeinflussen.
Fazit
Der FICO-Score ist ein zentrales Instrument zur Bewertung der Kreditwürdigkeit in den USA und beeinflusst zahlreiche finanzielle Entscheidungen. Ein hoher Score erleichtert den Zugang zu Krediten und Finanzprodukten mit günstigen Konditionen, während ein niedriger Score zu höheren Kosten oder Kreditablehnungen führen kann. Wer seinen FICO-Score verbessern will, sollte pünktliche Zahlungen leisten, Schulden reduzieren und langfristige Kreditbeziehungen aufrechterhalten. Trotz seiner Bedeutung gibt es Kritikpunkte, insbesondere hinsichtlich der Transparenz und Fairness des Systems.