FIFO (First In – First Out) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Downgrading Nächster Begriff: LIFO (Last In – First Out)
Eine Methode der Bestandsbewertung, bei der die zuerst eingekauften Vermögenswerte als erste verkauft oder verwendet gelten
FIFO (First In – First Out) ist ein anerkanntes Verfahren zur Bewertung und Verwaltung von Beständen sowie zur Zuordnung von Anschaffungs- oder Herstellungskosten, insbesondere im Rechnungswesen, der Lagerwirtschaft und der steuerlichen Gewinnermittlung. Das Akronym steht für „First In – First Out“ und beschreibt das Prinzip, dass jene Güter oder Vermögensgegenstände, die zuerst angeschafft oder produziert wurden, auch als erste verbraucht, verkauft oder ausgebucht werden. Dieses Verfahren hat sowohl praktische als auch bilanzielle Bedeutung und beeinflusst die Darstellung von Vermögenswerten, Kosten und Gewinnen.
Grundprinzip des FIFO-Verfahrens
Das FIFO-Prinzip basiert auf der Annahme, dass die zuerst in den Bestand aufgenommenen Einheiten auch zuerst wieder entnommen werden. Diese Annahme betrifft nicht zwingend den physischen Materialfluss, sondern ist vor allem eine bewertungstechnische Konvention.
In der Anwendung bedeutet das:
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Bei Lagerentnahmen wird unterstellt, dass die ältesten Bestände (zeitlich zuerst eingekaufte Einheiten) als erste verbraucht oder verkauft wurden.
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Die verbleibenden Bestände setzen sich aus den zuletzt angeschafften (neueren) Einheiten zusammen.
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Der Wert der Lagerbestände am Bilanzstichtag ergibt sich somit aus den jüngsten Anschaffungskosten.
Beispiel (vereinfachte Darstellung):
Ein Unternehmen kauft im Verlauf eines Monats drei Lieferungen desselben Produkts:
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100 Stück à 10 €
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100 Stück à 12 €
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100 Stück à 14 €
Wenn nun 150 Stück verkauft werden, dann werden nach FIFO zuerst die 100 Stück à 10 € und 50 Stück à 12 € als verkauft betrachtet. Der Lagerbestand besteht dann aus:
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50 Stück à 12 €
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100 Stück à 14 €
Der Buchwert des Lagers wird auf Basis dieser verbleibenden 150 Stück zu 12 € bzw. 14 € bewertet.
Anwendung im Rechnungswesen und Steuerrecht
In der Rechnungslegung nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) ist das FIFO-Verfahren als stillschweigend zulässige Verbrauchsfolgefiktion anerkannt (§ 256 Satz 1 HGB). Es ist damit eine von mehreren Möglichkeiten, Anschaffungs- oder Herstellungskosten bei gleichartigen Vermögensgegenständen zuzuordnen. Auch nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) ist FIFO erlaubt (IAS 2.25 ff.).
Im deutschen Steuerrecht ist die Anwendung von Verbrauchsfolgeverfahren wie FIFO grundsätzlich zulässig, solange sie nicht zu einer steuerlich unzulässigen Bewertung unter den Anschaffungskosten führen (§ 6 EStG i. V. m. § 5 EStG). Bei der Anwendung ist jedoch sicherzustellen, dass das Verfahren durchgängig verwendet wird und der Grundsatz der Bewertungsstetigkeit gewahrt bleibt.
FIFO im Wertpapierbereich
Im Bereich des Wertpapierhandels wird FIFO als Methode zur Kurszuordnung bei Verkäufen von gleichartigen Wertpapieren verwendet. Hat ein Anleger mehrfach dieselbe Aktie zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Kursen gekauft, stellt sich bei einem späteren Teilverkauf die Frage, welche Stücke als verkauft gelten.
Beim FIFO-Verfahren gilt:
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Die zuerst gekauften Wertpapiere gelten als zuerst verkauft.
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Diese Regelung hat direkte Auswirkungen auf die Ermittlung des Veräußerungsgewinns oder -verlusts.
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Insbesondere bei stark schwankenden Kursen kann die Wahl des Zuordnungsverfahrens die Steuerlast erheblich beeinflussen.
Beispiel:
Ein Anleger kauft:
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am 1.1. 100 Aktien zu 50 €
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am 1.3. 100 Aktien zu 60 €
Am 1.6. verkauft er 100 Aktien zu 70 €. Nach FIFO gelten die 100 Aktien zu 50 € als verkauft. Der steuerpflichtige Gewinn beträgt dann:
\[ 100 \times (70 € - 50 €) = 2.000 € \]
Würde man stattdessen die späteren, teureren Aktien als verkauft betrachten, wäre der Gewinn geringer – nach deutschem Steuerrecht ist jedoch die FIFO-Methode als Standardverfahren anerkannt (§ 23 EStG), es sei denn, es erfolgt eine eindeutige Einzelzuordnung.
Vorteile und Nachteile des FIFO-Verfahrens
Vorteile:
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Realitätsnähe: In vielen Branchen (z. B. Lebensmittel, Pharmazie) entspricht FIFO dem tatsächlichen Warenfluss.
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Höherer Lagerwert bei Inflation: Da die späteren (teureren) Anschaffungen im Lager verbleiben, fällt der Bilanzwert der Vorräte höher aus.
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Einfachheit der Anwendung: FIFO lässt sich leicht umsetzen, insbesondere bei standardisierten Produkten.
Nachteile:
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Höhere Steuerbelastung in Inflationszeiten: Da ältere, günstigere Anschaffungskosten als Grundlage für den Verkaufspreis dienen, entsteht ein höherer bilanzieller Gewinn.
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Weniger konservative Bewertung: FIFO führt tendenziell zu höheren Lagerwerten, was bei Preisverfall nicht risikoadäquat ist.
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Kein direkter Bezug zu aktuellen Preisen: Der ausgewiesene Gewinn spiegelt nicht zwingend den tatsächlichen wirtschaftlichen Wert wider.
Abgrenzung zu anderen Verbrauchsfolgeverfahren
Neben FIFO gibt es weitere Bewertungsmethoden, die auf unterschiedlichen Annahmen über die Reihenfolge von Ein- und Ausgängen basieren:
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LIFO (Last In – First Out): Die zuletzt beschafften Bestände gelten als zuerst verbraucht. In Deutschland handelsrechtlich nicht mehr zulässig, steuerlich aber weiterhin erlaubt (§ 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG).
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Durchschnittsbewertung: Es wird ein gewogener Durchschnittspreis aller Bestände verwendet.
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Einzelbewertung: Jeder Zugang wird individuell dokumentiert und bei Verkauf einzeln zugeordnet – insbesondere bei eindeutig identifizierbaren Wirtschaftsgütern.
Bedeutung im Lagerwesen
Im Lager- und Logistikbereich bezeichnet FIFO eine physische Lagerstrategie, bei der Artikel in der Reihenfolge ihrer Einlagerung wieder ausgelagert werden. Dies ist besonders bei verderblichen Waren, zeitkritischen Produkten oder bei Haltbarkeitsanforderungen notwendig. Die Umsetzung erfolgt oft durch entsprechende Lagerorganisation (z. B. Durchlaufregale, Fördertechnik).
Fazit
FIFO (First In – First Out) ist ein weit verbreitetes Verfahren zur Bewertung und Verwaltung gleichartiger Vermögensgegenstände. Es findet Anwendung im Rechnungswesen, Steuerrecht, Wertpapierhandel und Lagerwesen. Die Methode ist einfach umzusetzen, realitätsnah und in vielen Fällen wirtschaftlich sinnvoll. In Zeiten steigender Preise kann FIFO jedoch zu höheren bilanziellen Gewinnen und damit auch zu einer höheren Steuerlast führen. Dennoch gilt FIFO als verlässliches und international anerkanntes Verfahren zur Abbildung von Verbrauchsfolgen und Bestandsbewertungen.