Fill or Kill Order (FOK) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: FIBOR (Frankfurt Interbank Offered Rate) Nächster Begriff: Financial-Futures
Eine Orderart an der Börse, bei der ein Auftrag sofort und vollständig ausgeführt werden muss oder andernfalls komplett storniert wird, ohne dass Teilausführungen möglich sind
Eine Fill or Kill Order (FOK) ist eine spezielle Orderart im Wertpapierhandel, bei der der Auftrag entweder sofort und vollständig ausgeführt oder vollständig gestrichen wird. Eine teilweise Ausführung ist ausdrücklich ausgeschlossen. Kann die gewünschte Stückzahl nicht unmittelbar zum angegebenen Preis oder zu besseren Konditionen gehandelt werden, wird die Order ohne Rest automatisch gelöscht. Die Fill or Kill Order gehört damit zu den zeitlich und mengenmäßig strikt begrenzten Ordertypen und wird vor allem von professionellen Marktteilnehmern eingesetzt.
Der Zweck dieser Orderform liegt in der Sicherstellung, dass eine Transaktion nur dann zustande kommt, wenn sie exakt den vorgegebenen Bedingungen entspricht. Der Anleger vermeidet dadurch Teilausführungen, Preisabweichungen oder eine verzögerte Marktabwicklung.
Begriffliche Einordnung und Abgrenzung
Eine Fill or Kill Order ist eine unbedingte Sofortorder mit Vollausführungszwang. Sie wird unmittelbar nach Eingang im Handelssystem geprüft und entweder vollständig ausgeführt oder verworfen. Eine Vormerkung im Orderbuch findet nicht statt.
Im Vergleich zu anderen Ordertypen lässt sich die FOK-Order wie folgt einordnen:
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Sie ist strenger als eine Immediate or Cancel Order, da dort Teilausführungen zulässig sind.
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Sie unterscheidet sich von einer Limit Order, die im Orderbuch verbleiben kann, bis das Limit erreicht wird.
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Sie ist zeitlich restriktiver als eine Market Order, da sie nur bei vollständiger Ausführbarkeit greift.
Die Fill or Kill Order ist somit eine der konsequentesten Formen der Ordersteuerung.
Funktionsweise im Handelsprozess
Beim Eingang einer Fill or Kill Order prüft das Handelssystem in Echtzeit, ob die gesamte Ordermenge zum gewünschten Preis oder zu besseren Preisen verfügbar ist. Maßgeblich ist dabei die aktuelle Marktsituation im Orderbuch.
Ist ausreichend Liquidität vorhanden, wird die Order sofort in vollem Umfang ausgeführt. Fehlt auch nur ein Teil der benötigten Stückzahl, erfolgt keine Ausführung, selbst wenn ein Teil handelbar wäre. Die Order wird in diesem Fall unmittelbar gelöscht und nicht weiter berücksichtigt.
Die zeitliche Komponente ist entscheidend. Die Prüfung erfolgt ausschließlich im Moment der Auftragserteilung. Eine spätere Ausführung, etwa nach dem Eintreffen neuer Gegenorders, ist ausgeschlossen.
Einsatzbereiche und typische Anwender
Fill or Kill Orders werden vor allem von institutionellen Investoren, professionellen Tradern und algorithmischen Handelssystemen eingesetzt. Im Privatkundengeschäft spielen sie eine untergeordnete Rolle, da sie ein gutes Verständnis von Marktliquidität und Orderbuchtiefe voraussetzen.
Typische Einsatzszenarien sind:
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der Handel großer Volumina, bei denen Teilausführungen unerwünscht sind
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Strategien mit exakt kalkulierten Einstiegspreisen
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Arbitragegeschäfte, bei denen Preisunterschiede nur kurzfristig bestehen
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algorithmischer Handel mit klar definierten Ausführungsregeln
In diesen Fällen kann eine Teilausführung zu unerwünschten Risiken oder zu einer Verzerrung der Handelsstrategie führen.
Preis- und Liquiditätsaspekte
Die praktische Nutzbarkeit einer Fill or Kill Order hängt stark von der Marktliquidität ab. In hochliquiden Märkten mit engen Geld-Brief-Spannen ist die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Ausführung deutlich höher als in illiquiden Marktsegmenten.
Besonders geeignet sind FOK-Orders daher für:
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stark gehandelte Aktien
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liquide Indizes oder Indexderivate
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standardisierte Futures
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Währungen mit hohem Handelsvolumen
In Nebenwerten oder in Märkten mit geringer Orderbuchtiefe ist die Wahrscheinlichkeit einer sofortigen Vollausführung gering, was dazu führen kann, dass FOK-Orders regelmäßig gelöscht werden, ohne dass ein Geschäft zustande kommt.
Vorteile der Fill or Kill Order
Die Fill or Kill Order bietet mehrere klare Vorteile:
Erstens gewährleistet sie Transaktionssicherheit. Der Auftrag wird nur dann ausgeführt, wenn die vollständige Menge zu den gewünschten Bedingungen handelbar ist. Unerwünschte Restpositionen entstehen nicht.
Zweitens ermöglicht sie eine präzise Kostenkontrolle. Da der Preis im Voraus festgelegt ist und keine Teilausführungen erfolgen, lassen sich Transaktionskosten exakt kalkulieren.
Drittens reduziert sie operative Komplexität. Besonders bei großen Orders entfällt die Notwendigkeit, mehrere Teilausführungen zu überwachen oder nachträglich zusammenzuführen.
Viertens ist sie ein effektives Instrument zur Vermeidung von Marktimpact. Teilausführungen können den Marktpreis beeinflussen, insbesondere bei größeren Volumina. Eine vollständige Sofortausführung minimiert dieses Risiko.
Nachteile und Risiken
Trotz ihrer Vorteile ist die Fill or Kill Order mit Einschränkungen verbunden. Der wichtigste Nachteil ist die hohe Ausführungsunsicherheit. Selbst bei nur geringfügig unzureichender Liquidität wird die Order vollständig verworfen.
Ein weiterer Nachteil liegt im Verpassungsrisiko. Marktpreise können sich kurz nach der Orderaufgabe verändern und eine günstige Handelsgelegenheit kann verloren gehen, weil die Order nicht im Markt verbleibt.
Zudem ist die Fill or Kill Order nicht für alle Marktphasen geeignet. In volatilen oder illiquiden Märkten sinkt die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich. Auch für langfristig orientierte Anleger ist diese Orderform meist ungeeignet, da sie primär auf kurzfristige Marktreaktionen ausgelegt ist.
Abgrenzung zu verwandten Orderarten
Die Fill or Kill Order wird häufig mit der Immediate or Cancel Order verglichen. Der wesentliche Unterschied besteht in der Behandlung von Teilausführungen. Während bei einer Immediate or Cancel Order der ausführbare Teil gehandelt und der Rest gelöscht wird, verlangt die Fill or Kill Order eine vollständige Ausführung.
Gegenüber der klassischen Market Order bietet die FOK-Order deutlich mehr Kontrolle, da sie nicht zu jedem verfügbaren Preis ausgeführt wird, sondern nur unter klar definierten Bedingungen.
Im Vergleich zur Limit Order verzichtet sie hingegen vollständig auf eine zeitliche Flexibilität. Sie ist daher kein Instrument zur langfristigen Platzierung, sondern ein Werkzeug für punktgenaue Handelsentscheidungen.
Technische und regulatorische Aspekte
Nicht jede Börse oder jeder Handelsplatz unterstützt Fill or Kill Orders in allen Marktsegmenten. Die Verfügbarkeit hängt von den jeweiligen Handelsregeln und der technischen Infrastruktur ab. Auch Broker können Einschränkungen vorsehen, insbesondere im Retailgeschäft.
Regulatorisch gelten für Fill or Kill Orders dieselben Grundsätze wie für andere Orderarten. Sie unterliegen den allgemeinen Transparenz-, Dokumentations- und Best-Execution-Vorgaben. Die Entscheidung für eine FOK-Order liegt in der Verantwortung des Auftraggebers und setzt eine informierte Handelsstrategie voraus.
Bedeutung für die Handelsstrategie
Die Fill or Kill Order ist kein universelles Standardinstrument, sondern ein strategisches Spezialwerkzeug. Ihr Einsatz ist dann sinnvoll, wenn Präzision wichtiger ist als Ausführungswahrscheinlichkeit. Sie eignet sich besonders für Situationen, in denen eine exakte Positionsgröße und ein definierter Preis zwingend erforderlich sind.
In professionellen Handelsstrategien ist sie häufig Teil eines größeren Regelwerks, das Liquidität, Volatilität und Markttiefe berücksichtigt. Ohne diese Kontextfaktoren kann ihr Einsatz ineffizient oder sogar kontraproduktiv sein.
Fazit
Die Fill or Kill Order ist eine streng definierte Orderart, bei der ein Wertpapierauftrag entweder sofort und vollständig ausgeführt oder vollständig gelöscht wird. Sie schließt Teilausführungen konsequent aus und bietet damit hohe Kontrolle über Preis und Positionsgröße. Ihr Einsatz eignet sich vor allem für liquide Märkte, große Volumina und professionelle Handelsstrategien, bei denen Präzision und Risikokontrolle im Vordergrund stehen. Gleichzeitig geht sie mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit der Nichtausführung einher und erfordert ein gutes Verständnis der Marktliquidität. Richtig eingesetzt ist die Fill or Kill Order ein effektives Instrument zur gezielten und kontrollierten Umsetzung anspruchsvoller Handelsentscheidungen.