Financial Policy Committee (FPC) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Prudential Regulation Authority (PRA) Nächster Begriff: Countercyclical Capital Buffer (CCyB)

Eine essenzielle Institution zur Sicherung der Finanzstabilität in Großbritannien

Das Financial Policy Committee (FPC) ist ein zentrales Gremium der Bank of England, das für die Überwachung und Regulierung systemischer Risiken im britischen Finanzsystem verantwortlich ist. Es wurde nach der Finanzkrise 2008 gegründet, um zukünftige wirtschaftliche Instabilitäten frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Der FPC spielt eine Schlüsselrolle in der makroprudenziellen Aufsicht, indem er Maßnahmen zur Stärkung der Finanzstabilität ergreift und Banken sowie andere Finanzinstitute auf Risiken vorbereitet.

Hintergrund und Gründung des FPC

Die weltweite Finanzkrise 2008 offenbarte erhebliche Schwächen in der Finanzaufsicht, insbesondere im Hinblick auf die systemische Überwachung von Risiken. In Großbritannien führte die damalige Finanzaufsichtsstruktur, insbesondere die Financial Services Authority (FSA), nicht rechtzeitig zu Maßnahmen gegen übermäßige Risikobereitschaft von Banken.

Um das Finanzsystem widerstandsfähiger zu machen, verabschiedete das britische Parlament den Financial Services Act 2012, der das Finanzaufsichtssystem reformierte. Im Zuge dieser Reform wurde der Financial Policy Committee (FPC) offiziell als Teil der Bank of England eingerichtet und übernahm die Verantwortung für die makroprudenzielle Regulierung.

Der FPC wurde am 1. April 2013 vollständig operativ und ergänzt seitdem die beiden anderen wichtigen britischen Finanzaufsichtsbehörden:

  1. Financial Conduct Authority (FCA) – Verantwortlich für Verbraucherschutz, Marktüberwachung und Regulierung von Finanzdienstleistern.
  2. Prudential Regulation Authority (PRA) – Zuständig für Banken-, Versicherungs- und Investmentregulierung mit Fokus auf Finanzstabilität.

Der FPC arbeitet unabhängig, unterliegt jedoch parlamentarischer Kontrolle und muss regelmäßig Berichte über seine Aktivitäten veröffentlichen.

Aufgaben und Zuständigkeiten des FPC

Das Hauptziel des FPC ist die Sicherstellung der Finanzstabilität im Vereinigten Königreich. Dafür überwacht und analysiert das Gremium die systemischen Risiken im Finanzsektor und entwickelt Maßnahmen zur Risikominderung.

Seine Kernaufgaben umfassen:

  1. Überwachung systemischer Risiken

    • Identifikation von Risiken, die das gesamte Finanzsystem betreffen, z. B. Immobilienblasen, übermäßige Kreditvergabe oder spekulative Finanzprodukte.
    • Bewertung internationaler Entwicklungen, die sich auf das britische Finanzsystem auswirken könnten.
  2. Makroprudenzielle Regulierung

    • Entwicklung von Richtlinien zur Begrenzung von systemischen Risiken.
    • Empfehlung von Maßnahmen an die Prudential Regulation Authority (PRA) und die Financial Conduct Authority (FCA).
  3. Festlegung von Kapitalanforderungen für Banken

    • Der FPC kann die Countercyclical Capital Buffer (CCyB)-Anforderungen für Banken anpassen. Diese Puffer erhöhen oder verringern das Kapital, das Banken in wirtschaftlich unsicheren Zeiten vorhalten müssen.
    • Senkung der Kapitalanforderungen in Krisen, um die Kreditvergabe zu erleichtern.
  4. Stress-Tests für Banken

    • Durchführung von Szenarioanalysen, um die Widerstandsfähigkeit von Banken gegenüber wirtschaftlichen Schocks zu überprüfen.
    • Sicherstellung, dass Banken robuste Risikomanagementstrategien haben.
  5. Eingreifen in spezifische Marktsegmente

    • Der FPC kann Beschränkungen für bestimmte Finanzprodukte oder Sektoren empfehlen, etwa für risikoreiche Hypothekenkredite oder spekulative Derivate.

Entscheidungsstrukturen und Mitglieder des FPC

Der FPC besteht aus 13 Mitgliedern, darunter hochrangige Vertreter der Bank of England, der Prudential Regulation Authority (PRA), der Financial Conduct Authority (FCA) sowie externe Experten.

Die wichtigsten Mitglieder sind:

  • Der Gouverneur der Bank of England (Vorsitzender des FPC)
  • Der stellvertretende Gouverneur für Finanzstabilität
  • Der stellvertretende Gouverneur für Bankenaufsicht (PRA)
  • Der CEO der Financial Conduct Authority (FCA)
  • Vier externe Experten mit Erfahrung in Finanzmärkten und Regulierung
  • Ein Vertreter des britischen Finanzministeriums

Der FPC trifft sich vierteljährlich, um seine Bewertungen und Entscheidungen zu formulieren. Seine Ergebnisse werden in einem Finanzstabilitätsbericht veröffentlicht, der dem britischen Parlament und der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Makroprudenzielle Instrumente des FPC

Der FPC hat verschiedene Instrumente zur Steuerung der Finanzstabilität:

Instrument Beschreibung Zielsetzung
Countercyclical Capital Buffer (CCyB) Anpassung der Eigenkapitalanforderungen für Banken je nach Wirtschaftslage Erhöhung der Stabilität in Boomphasen, Lockerung in Krisenzeiten
Loan-to-Value (LTV) Limits Begrenzung des Kreditbetrags im Verhältnis zum Wert einer Immobilie Eindämmung von Immobilienblasen
Debt-to-Income (DTI) Limits Begrenzung des Verhältnisses von Schulden zum Einkommen bei Kreditnehmern Vermeidung übermäßiger Verschuldung
Leverage Ratio Festlegung einer Mindestkapitalquote für Banken im Verhältnis zu ihren Aktiva Reduzierung exzessiver Verschuldung im Bankensektor

Auswirkungen der Arbeit des FPC

Seit seiner Gründung hat der FPC mehrere bedeutende Maßnahmen ergriffen, um die Stabilität des britischen Finanzsystems zu gewährleisten:

  1. Erhöhung der Kapitalanforderungen für Banken nach der Finanzkrise, um deren Widerstandsfähigkeit zu stärken.
  2. Einführung strengerer Regeln für Hypothekenkredite, um spekulative Immobilienblasen zu verhindern.
  3. Regulierung des Schattenbankensektors, um nicht regulierte Finanzinstitutionen stärker zu überwachen.
  4. Stresstests für Großbanken, um sicherzustellen, dass sie auch schweren wirtschaftlichen Schocks standhalten können.

Vergleich mit anderen internationalen Finanzstabilitätsgremien

Der FPC ähnelt internationalen Organisationen, die ähnliche Aufgaben wahrnehmen:

Land Finanzstabilitätsgremium Zuständigkeit
Großbritannien Financial Policy Committee (FPC) Systemische Finanzstabilität, Bankenregulierung
USA Financial Stability Oversight Council (FSOC) Überwachung systemischer Risiken im Finanzsektor
EU European Systemic Risk Board (ESRB) Überwachung von Risiken im europäischen Finanzsystem
Deutschland Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) Identifikation von Risiken für das deutsche Finanzsystem

Kritik am FPC

Obwohl der FPC als wichtiger Akteur zur Stabilisierung der britischen Finanzmärkte gilt, gibt es auch Kritik:

  • Langsame Entscheidungsprozesse: Maßnahmen des FPC erfordern oft lange Diskussionen und können zu spät umgesetzt werden.
  • Eingriff in den freien Markt: Einige Banken und Investoren kritisieren, dass die strengen Kapitalanforderungen das Wachstum bremsen.
  • Herausforderungen nach dem Brexit: Die regulatorische Abkopplung von der EU erfordert neue Strategien zur Finanzstabilität.

Zukunft des FPC

In den kommenden Jahren wird sich der FPC verstärkt mit folgenden Themen befassen:

  1. Regulierung von Kryptowährungen und digitalen Finanzprodukten
  2. Überwachung von Klimarisiken im Finanzsystem
  3. Anpassung der britischen Finanzregulierung an die neuen globalen Marktbedingungen nach dem Brexit

Fazit

Das Financial Policy Committee (FPC) ist eine essenzielle Institution zur Sicherung der Finanzstabilität in Großbritannien. Es analysiert systemische Risiken, setzt makroprudenzielle Maßnahmen um und stellt sicher, dass britische Banken krisenfest sind. Trotz einiger Kritik bleibt der FPC ein zentrales Element der britischen Finanzarchitektur und ein Vorbild für ähnliche Institutionen weltweit.