Financial Services and Markets Act 2000 (FSMA) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Financial Services Compensation Scheme (FSCS) Nächster Begriff: Financial Services Authority (FSA)
Eines der wichtigsten Finanzgesetze Großbritanniens, dass das Fundament der modernen Finanzmarktregulierung bildet
Der Financial Services and Markets Act 2000 (FSMA) ist ein zentrales Gesetz des Vereinigten Königreichs, das den Finanzsektor reguliert. Es wurde geschaffen, um den britischen Finanzmarkt zu stabilisieren, Verbraucher zu schützen und die Integrität des Finanzsystems zu gewährleisten. Das Gesetz bildet die Grundlage für die Regulierung von Banken, Versicherungen, Wertpapierfirmen und anderen Finanzdienstleistern und hat das Finanzaufsichtssystem Großbritanniens maßgeblich geprägt.
Hintergrund und Zielsetzung des FSMA
Der FSMA wurde am 14. Juni 2000 verabschiedet und trat am 1. Dezember 2001 in Kraft. Er ersetzte frühere regulatorische Rahmenwerke wie den Financial Services Act 1986 und den Banking Act 1987, um eine einheitlichere und umfassendere Finanzaufsicht zu schaffen.
Die wichtigsten Ziele des Gesetzes sind:
- Schutz der Verbraucher: Sicherstellung, dass Finanzdienstleister fair und transparent agieren.
- Aufrechterhaltung der Marktintegrität: Verhinderung von Marktmissbrauch, Betrug und Insiderhandel.
- Förderung des Wettbewerbs: Schaffung eines effizienten und stabilen Finanzmarktes.
- Reduzierung systemischer Risiken: Stärkung der Finanzstabilität und Minimierung des Risikos von Finanzkrisen.
Regulierungsstruktur durch den FSMA
Der Financial Services and Markets Act 2000 führte wesentliche Reformen in der Finanzaufsicht des Vereinigten Königreichs ein. Ursprünglich wurde eine einzige Aufsichtsbehörde, die Financial Services Authority (FSA), geschaffen, die für die Regulierung aller Finanzinstitute zuständig war.
Nach der Finanzkrise 2008 wurde die FSA jedoch aufgelöst, und die Aufsicht wurde auf zwei neue Behörden aufgeteilt:
-
Financial Conduct Authority (FCA)
- Zuständig für den Verbraucherschutz und die Überwachung der Finanzmärkte.
- Regelt Wertpapierhandel, Versicherungen, Kreditvergabe und Finanzberatung.
- Setzt Maßnahmen zur Bekämpfung von Marktmissbrauch und Fehlverhalten durch.
-
Prudential Regulation Authority (PRA)
- Teil der Bank of England.
- Zuständig für die Regulierung von Banken, Versicherungen und großen Investmentfirmen.
- Überwacht Kapitalanforderungen, Risikomanagement und Finanzstabilität.
Die Trennung dieser beiden Institutionen sollte die Finanzaufsicht effektiver und stabiler machen.
Hauptbestimmungen des FSMA
Der Financial Services and Markets Act 2000 enthält mehrere Schlüsselvorschriften, die die Funktionsweise des Finanzmarktes beeinflussen:
-
Genehmigungspflicht für Finanzdienstleister
- Jedes Unternehmen, das Finanzdienstleistungen anbietet, muss eine Genehmigung von der FCA oder PRA erhalten.
- Finanzinstitute müssen sich an strenge Vorschriften hinsichtlich Kapitalausstattung und Risikomanagement halten.
-
Regulierung von Finanzprodukten und -dienstleistungen
- Der FSMA schreibt vor, dass alle Finanzprodukte klar und verständlich sein müssen.
- Irreführende Werbung und unlautere Verkaufspraktiken sind verboten.
-
Schutz der Verbraucher und Einlagensicherung
- Einführung des Financial Services Compensation Scheme (FSCS), das Bankeinlagen bis zu £85.000 pro Kunde und Bank schützt.
- Kunden, die durch Finanzdienstleister geschädigt wurden, haben Anspruch auf Entschädigung.
-
Bekämpfung von Marktmissbrauch
- Einführung des Market Abuse Regime (MAR) zur Verhinderung von Insiderhandel und Manipulation von Finanzmärkten.
- Strenge Strafen für Unternehmen oder Einzelpersonen, die gegen Marktregeln verstoßen.
-
Befugnisse zur Intervention bei Finanzkrisen
- Die FCA und PRA haben weitreichende Befugnisse, um Banken in finanziellen Schwierigkeiten zu unterstützen oder zu restrukturieren.
- Einführung von „Special Resolution Regimes“, um Banken im Falle einer Insolvenz geordnet abzuwickeln.
Änderungen des FSMA nach der Finanzkrise 2008
Nach der globalen Finanzkrise wurde der FSMA 2012 überarbeitet. Das wichtigste Reformgesetz war der Financial Services Act 2012, der:
- Die FSA auflöste und ihre Aufgaben auf FCA und PRA verteilte.
- Der Bank of England mehr Verantwortung für die Finanzstabilität übertrug.
- Die Financial Policy Committee (FPC) einführte, um systemische Risiken zu überwachen.
Nach dem Brexit 2020 wurden weitere Änderungen vorgenommen, um regulatorische Kompetenzen von der Europäischen Union auf britische Behörden zu übertragen.
Vergleich mit anderen Finanzaufsichtssystemen
Der FSMA ähnelt internationalen Regulierungsrahmen, hat aber einige Unterschiede:
| Land | Hauptregulierungsbehörde | Vergleich zum FSMA |
|---|---|---|
| USA | Securities and Exchange Commission (SEC), Federal Reserve, FDIC | Striktere Regulierung für Banken, mehr Behörden involviert |
| EU | Europäische Bankenaufsicht (EBA), Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) | Einheitlicher Binnenmarkt, EU-weite Regulierungen |
| Deutschland | Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) | Zentralisierte Finanzaufsicht statt Trennung wie in UK |
Vorteile und Herausforderungen des FSMA
Vorteile:
- Einheitlicher regulatorischer Rahmen für alle Finanzdienstleister.
- Schutzmechanismen für Verbraucher und Anleger.
- Maßnahmen gegen Marktmissbrauch und Finanzkrisen.
- Klare Aufgabentrennung zwischen FCA und PRA.
Herausforderungen:
- Hoher bürokratischer Aufwand für Finanzinstitute.
- Regulierungsanpassungen nach dem Brexit notwendig.
- Durchsetzung von Sanktionen gegen Marktmissbrauch bleibt eine Herausforderung.
Fazit
Der Financial Services and Markets Act 2000 (FSMA) ist eines der wichtigsten Finanzgesetze Großbritanniens und bildet das Fundament der modernen Finanzmarktregulierung. Er hat dazu beigetragen, den britischen Finanzsektor stabiler und verbraucherfreundlicher zu gestalten. Die Reformen nach der Finanzkrise 2008 und nach dem Brexit haben den FSMA weiterentwickelt, um sich verändernden Marktbedingungen anzupassen. Trotz einiger Herausforderungen bleibt der FSMA ein entscheidender Bestandteil der britischen Finanzarchitektur.