Financial Services Authority (FSA) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Financial Services and Markets Act 2000 (FSMA) Nächster Begriff: Financial Conduct Authority (FCA)
Eine ehemals zentrale Finanzaufsichtsbehörde Großbritanniens, die den Finanzmarkt effizient regulieren und Verbraucher schützen sollte, die jedoch in der Finanzkrise 2008 an ihrer Aufgabe, Bankenrisiken rechtzeitig zu erkennen und zu kontrollieren scheiterte
Die Financial Services Authority (FSA) war die zentrale Finanzaufsichtsbehörde des Vereinigten Königreichs von 1997 bis 2013. Sie wurde gegründet, um eine einheitliche und umfassende Regulierung des britischen Finanzmarktes sicherzustellen. Die FSA war für die Überwachung von Banken, Versicherungen, Investmentfirmen und anderen Finanzdienstleistern verantwortlich. Nach der Finanzkrise 2008 wurde die Behörde im Jahr 2013 aufgelöst und ihre Aufgaben auf zwei neue Institutionen, die Financial Conduct Authority (FCA) und die Prudential Regulation Authority (PRA), übertragen.
Hintergrund und Gründung der Financial Services Authority
Die FSA wurde als unabhängige Aufsichtsbehörde in den späten 1990er-Jahren geschaffen, um die zuvor fragmentierte Finanzregulierung in Großbritannien zu vereinheitlichen. Vor ihrer Gründung waren verschiedene Institutionen für unterschiedliche Finanzbereiche zuständig, darunter:
- Bank of England (Aufsicht über Banken)
- Securities and Investments Board (SIB) (Wertpapiermärkte)
- Department of Trade and Industry (Versicherungsaufsicht)
Die britische Regierung unter Premierminister Tony Blair entschied, diese Strukturen zu modernisieren und in einer einzigen Behörde zusammenzuführen. Die FSA wurde offiziell durch den Financial Services and Markets Act 2000 (FSMA) als unabhängige Regulierungsbehörde gegründet und erhielt weitreichende Befugnisse.
Aufgaben und Zuständigkeiten der FSA
Die Financial Services Authority war für die Regulierung und Überwachung der Finanzmärkte im Vereinigten Königreich zuständig. Ihre Hauptaufgaben umfassten:
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Genehmigung und Beaufsichtigung von Finanzdienstleistern
- Banken, Versicherungen, Investmentgesellschaften und Finanzberater benötigten eine Lizenz der FSA.
- Die Behörde überwachte die Einhaltung von Kapitalanforderungen und Risikomanagement-Vorschriften.
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Verbraucherschutz und Markttransparenz
- Die FSA regulierte die Werbung und Informationspflichten von Finanzprodukten, um Kunden vor irreführenden Angeboten zu schützen.
- Einführung von Vorschriften gegen missbräuchliche Geschäftspraktiken, etwa in der Kreditvergabe oder bei Finanzprodukten.
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Überwachung der Finanzmärkte und Bekämpfung von Marktmissbrauch
- Maßnahmen gegen Insiderhandel, Marktmanipulation und Finanzbetrug.
- Überwachung des Handels an der Londoner Börse und anderen Finanzplätzen.
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Einlagensicherung und Schutz von Anlegern
- Verwaltung des Financial Services Compensation Scheme (FSCS), das Bankkunden im Falle einer Insolvenz ihrer Bank bis zu £85.000 pro Kunde und Institut entschädigte.
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Prüfung der Finanzstabilität und Vermeidung von systemischen Risiken
- Bewertung der Kapitalausstattung von Banken und Versicherungen.
- Zusammenarbeit mit der Bank of England, um Finanzkrisen zu vermeiden.
Kritik an der FSA und Auflösung nach der Finanzkrise 2008
Obwohl die FSA als moderne und umfassende Regulierungsbehörde gegründet wurde, stand sie insbesondere nach der Finanzkrise 2008 stark in der Kritik.
Hauptkritikpunkte:
- Fehlende Kontrolle über Banken: Die FSA wurde beschuldigt, Banken nicht ausreichend überwacht zu haben, insbesondere in Bezug auf riskante Hypothekenkredite und Finanzprodukte.
- Versäumnisse bei der Pleite der Northern Rock Bank (2007): Die Insolvenz der britischen Hypothekenbank Northern Rock offenbarte Schwächen in der Finanzaufsicht. Kunden verloren Vertrauen in das Bankensystem, was zu einem Bank-Run führte.
- Mangelnde Durchsetzung von Marktregeln: Es gab Vorwürfe, dass die FSA nicht entschlossen genug gegen Marktmissbrauch vorging.
Reformen und Nachfolgeorganisationen
Nach der Finanzkrise entschied die britische Regierung, das Finanzaufsichtssystem zu reformieren. Im Jahr 2012 wurde der Financial Services Act 2012 verabschiedet, der zur Auflösung der FSA führte.
Ab April 2013 wurden ihre Aufgaben auf zwei neue Institutionen verteilt:
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Financial Conduct Authority (FCA)
- Verantwortlich für den Verbraucherschutz, Markttransparenz und die Regulierung von Finanzdienstleistern.
- Überwacht Banken, Versicherungen und Wertpapierfirmen.
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Prudential Regulation Authority (PRA)
- Teil der Bank of England.
- Zuständig für die Stabilität von Banken, Versicherungen und systemrelevanten Finanzinstitutionen.
- Überwacht Kapitalanforderungen und Risikomanagement.
Zusätzlich wurde die Financial Policy Committee (FPC) innerhalb der Bank of England eingerichtet, um systemische Finanzrisiken zu überwachen und Krisen vorzubeugen.
Vergleich mit anderen Finanzaufsichtssystemen
| Land | Finanzaufsichtsbehörde vor der Finanzkrise | Reform nach der Krise |
|---|---|---|
| Großbritannien | Financial Services Authority (FSA) | Aufteilung in FCA und PRA |
| USA | Securities and Exchange Commission (SEC), Federal Reserve | Strengere Bankenregulierung (Dodd-Frank Act) |
| Deutschland | Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) | BaFin blieb erhalten, aber strengere Vorschriften |
| EU | Nationale Aufsichtsbehörden | Einführung der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) |
Fazit
Die Financial Services Authority (FSA) war von 1997 bis 2013 die zentrale Finanzaufsichtsbehörde Großbritanniens. Sie sollte den Finanzmarkt effizient regulieren und Verbraucher schützen, scheiterte jedoch in der Finanzkrise 2008 an ihrer Aufgabe, Bankenrisiken rechtzeitig zu erkennen und zu kontrollieren. Dies führte zu einer umfassenden Reform der Finanzaufsicht und zur Schaffung der Financial Conduct Authority (FCA) und der Prudential Regulation Authority (PRA). Heute gilt das britische Finanzaufsichtssystem als stärker und widerstandsfähiger, auch wenn es weiterhin Herausforderungen gibt, insbesondere nach dem Brexit.