Financial Services Compensation Scheme (FSCS) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Esisuisse Einlagensicherung Nächster Begriff: Financial Services and Markets Act 2000 (FSMA)

Ein essenzielles Instrument des Verbraucherschutzes im britischen Finanzsystem

Das Financial Services Compensation Scheme (FSCS) ist das britische Einlagensicherungssystem, das Bankkunden, Versicherungsnehmer und Anleger im Falle der Insolvenz eines Finanzinstituts schützt. Es wurde im Jahr 2001 gegründet und ist eine unabhängige Organisation, die durch Beiträge von Banken, Versicherungen und anderen Finanzunternehmen finanziert wird. Das FSCS spielt eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des britischen Finanzmarktes und sorgt für das Vertrauen der Verbraucher in das Finanzsystem.

Gesetzliche Grundlage und Zuständigkeit

Das FSCS wurde im Rahmen des Financial Services and Markets Act 2000 (FSMA) eingeführt und steht unter der Aufsicht der britischen Finanzaufsichtsbehörde Financial Conduct Authority (FCA) und der Prudential Regulation Authority (PRA).

Das System schützt verschiedene Arten von Finanzprodukten, darunter:

  • Bankeinlagen (z. B. Giro- und Sparkonten)
  • Versicherungen (z. B. Lebensversicherungen und Schadensversicherungen)
  • Investitionen (z. B. Wertpapierdepots, Investmentfonds)
  • Hypothekenberatungen und -vermittlungen

Einlagensicherung durch das FSCS

Das FSCS bietet Schutz für Bankeinlagen bis zu einem bestimmten Höchstbetrag, falls eine Bank, eine Bausparkasse oder eine Kreditgenossenschaft insolvent wird.

  1. Maximale Deckungssumme:

    • £85.000 pro Person und Bank
    • £170.000 für Gemeinschaftskonten (z. B. Ehepaare oder Geschäftspartner)
    • Bis zu £1 Million für vorübergehende hohe Einlagen, etwa aus Immobilienverkäufen oder Versicherungszahlungen, für einen Zeitraum von sechs Monaten.
  2. Erstattungsgarantie:

    • Im Falle einer Bankinsolvenz erfolgt die Auszahlung in der Regel innerhalb von sieben Tagen.
    • Kunden müssen keine Ansprüche stellen, da das FSCS automatisch tätig wird.
  3. Bedeutung für Kunden:

    • Falls eine Bank nicht mehr zahlungsfähig ist, erhalten Sparer bis zur Grenze von £85.000 ihre Einlagen zurück.
    • Höhere Beträge sind nicht geschützt, es sei denn, sie fallen unter die Sonderregelungen für vorübergehende hohe Einlagen.

Schutz von Versicherungen durch das FSCS

Das FSCS greift auch, wenn eine Versicherungsgesellschaft insolvent wird. Die Höhe der Entschädigung hängt von der Art der Versicherung ab:

  • Lebensversicherungen: 100 % der Versicherungssumme
  • Kfz- und Hausratversicherungen: 90 % der Versicherungssumme
  • Berufshaftpflichtversicherungen: 100 % der Versicherungssumme
  • Allgemeine Schadensversicherungen: 90 % Schutz

Investitionsschutz durch das FSCS

Anleger sind ebenfalls durch das FSCS abgesichert, wenn eine regulierte Investmentfirma ausfällt oder betrügerische Aktivitäten entdeckt werden.

  • Maximaler Schutz: Bis zu £85.000 pro Person und Firma
  • Abdeckung: Fehlgeschlagene Investitionen aufgrund von Unternehmensinsolvenz oder Fehlberatung
  • Keine Deckung: Marktverluste oder Wertschwankungen von Aktien und Fonds

Vergleich mit anderen Einlagensicherungssystemen

Das britische FSCS ähnelt anderen nationalen Einlagensicherungssystemen, unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten.

Land Maximale Einlagensicherung Organisation
Großbritannien £85.000 pro Person und Bank FSCS
Deutschland €100.000 pro Person und Bank Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB)
Schweiz CHF 100.000 pro Person und Bank esisuisse
USA $250.000 pro Person und Bank Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC)

Vorteile des FSCS

  • Schnelle Auszahlung: Entschädigungen für Bankeinlagen erfolgen innerhalb von sieben Tagen.
  • Breite Abdeckung: Neben Einlagen sind auch Versicherungen und Investitionen geschützt.
  • Verbraucherschutz: Kunden müssen sich nicht aktiv um eine Erstattung bemühen, da das FSCS automatisch tätig wird.
  • Vertrauensbildung: Das System stärkt das Vertrauen in den britischen Finanzmarkt und verhindert Bank-Runs.

Kritik und Risiken

Trotz seiner Vorteile gibt es auch einige Kritikpunkte am FSCS:

  • Begrenzte Deckung: Beträge über £85.000 sind nicht geschützt, es sei denn, sie fallen unter die Sonderregelungen für vorübergehende hohe Einlagen.
  • Abhängigkeit von Bankbeiträgen: Das FSCS wird durch Beiträge der Finanzunternehmen finanziert. Falls zu viele Banken gleichzeitig ausfallen, könnte das System an seine Grenzen geraten.
  • Komplexe Versicherungsregeln: Nicht alle Versicherungen sind zu 100 % geschützt, was Unsicherheiten für Verbraucher mit sich bringen kann.

Fazit

Das Financial Services Compensation Scheme (FSCS) ist ein essenzielles Instrument des Verbraucherschutzes im britischen Finanzsystem. Es schützt Bankeinlagen, Versicherungen und Investitionen und trägt zur Stabilität des Marktes bei. Während es Kunden eine hohe Sicherheit bietet, gibt es dennoch Einschränkungen und Herausforderungen, insbesondere in Krisenzeiten. Dennoch bleibt das FSCS ein wichtiger Bestandteil der britischen Finanzarchitektur und ein entscheidender Faktor für das Vertrauen in das Bankwesen.