Fiona-Swap-Markt Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Finanzinnovationen (Bundesfinanzministerium, 1994) Nächster Begriff: First Notice Day (FND)
Ein historischer Markt für Zins-Swaps in Deutschland, bei dem variable Tagesgeldzinsen auf Basis des Frankfurter Interbank Overnight Average Index gegen feste Termingeldzinsen getauscht wurden; mit der Ablösung durch EONIA wurde dieser Markt eingestellt
Der Begriff Fiona-Swap-Markt bezeichnete einen spezifischen Teilmarkt des deutschen Geldmarktes, auf dem Zinsswapgeschäfte auf Basis des FIONA abgeschlossen wurden. FIONA stand für „Frankfurt Interbank Overnight Average Index“ und war ein Referenzzinssatz, der den durchschnittlichen Tagesgeldzinssatz am Frankfurter Interbankenmarkt abbildete. Der Fiona-Swap-Markt diente Marktteilnehmern dazu, kurzfristige Zinsänderungsrisiken abzusichern, indem variable Tagesgeldzinsen gegen feste Zinssätze mit kurzen Laufzeiten getauscht wurden. Mit der Einführung des EONIA als europaweit einheitlichem Tagesgeldreferenzzinssatz verlor FIONA seine Bedeutung, sodass auch der Fiona-Swap-Markt eingestellt wurde.
Entstehung und Einordnung des Fiona-Swap-Marktes
Der Fiona-Swap-Markt entstand in einer Phase, in der nationale Geldmärkte und nationale Referenzzinssätze eine große Rolle spielten. Vor der vollständigen Integration der europäischen Geldmärkte wurden Zinsbenchmarks häufig auf nationaler Ebene ermittelt. Der FIONA bildete dabei den durchschnittlichen Zinssatz ab, zu dem sich Banken am Frankfurter Interbankenmarkt über Nacht Geld liehen oder anlegten. Er war ein wichtiger Orientierungswert für kurzfristige Finanzgeschäfte in Deutschland.
Auf dieser Basis entwickelten sich Fiona Swaps als Instrument zur Steuerung von Zinsrisiken im kurzfristigen Bereich. Der Markt richtete sich vor allem an Kreditinstitute, größere Unternehmen und institutionelle Investoren, die im Geldmarkt aktiv waren und ihre Zinspositionen gezielt absichern oder steuern wollten.
Funktionsweise von Fiona Swaps
Ein Fiona Swap war ein Zinsswap, bei dem zwei Vertragsparteien vereinbarten, Zinszahlungen auf einen bestimmten Nominalbetrag auszutauschen. Dabei wurde typischerweise ein variabler Zinssatz, der sich am FIONA orientierte, gegen einen festen Zinssatz getauscht. Die variable Seite spiegelte den jeweils aktuellen Tagesgeldzinssatz wider, während die feste Seite einen im Voraus festgelegten Zinssatz über die gesamte Laufzeit des Geschäfts vorsah.
Die Besonderheit lag in der kurzen Laufzeit dieser Swaps. Die Laufzeiten entsprachen im Wesentlichen den Laufzeiten von Termingeldern und reichten von einer Woche bis zu zwölf Monaten. Damit unterschieden sich Fiona Swaps deutlich von klassischen Zinsswaps am Kapitalmarkt, die häufig Laufzeiten von mehreren Jahren aufweisen. Der Fokus lag klar auf dem Geldmarkt und der kurzfristigen Zinssteuerung.
Zweck und wirtschaftliche Bedeutung
Der zentrale Zweck der Geschäfte im Fiona-Swap-Markt bestand in der Absicherung von Zinsänderungsrisiken. Banken und andere Marktteilnehmer, die sich kurzfristig variabel refinanzierten oder anlegten, waren dem Risiko steigender oder fallender Tagesgeldzinsen ausgesetzt. Durch den Abschluss eines Fiona Swaps konnten sie dieses Risiko begrenzen, indem sie ihre variablen Zinszahlungen gegen feste Zinszahlungen tauschten.
Darüber hinaus konnten Fiona Swaps auch zur aktiven Zinssteuerung genutzt werden. Marktteilnehmer, die bestimmte Erwartungen über die zukünftige Entwicklung des Tagesgeldzinssatzes hatten, konnten diese Erwartungen durch entsprechende Swap-Positionen umsetzen. Der Markt erfüllte somit sowohl eine Absicherungs- als auch eine Steuerungsfunktion, wobei der spekulative Aspekt im Vergleich zu längerfristigen Zinsmärkten eine untergeordnete Rolle spielte.
Marktteilnehmer und Marktstruktur
Am Fiona-Swap-Markt waren vor allem Banken aktiv, da sie die Hauptakteure im Interbanken-Geldmarkt waren. Daneben traten größere Unternehmen mit professionellem Treasury-Management sowie institutionelle Investoren als Teilnehmer auf. Die Geschäfte wurden überwiegend außerbörslich abgeschlossen, was für den Geld- und Derivatemarkt typisch war.
Die Preisbildung erfolgte auf Basis der Erwartungen über die künftige Entwicklung des FIONA sowie der allgemeinen Liquiditäts- und Zinslage am Geldmarkt. Transparenz und Standardisierung waren im Vergleich zu heutigen Märkten begrenzt, da nationale Besonderheiten und individuelle Vertragsgestaltungen eine größere Rolle spielten.
Übergang zum EONIA und Ende des Fiona-Swap-Marktes
Mit der Einführung des Euro und der fortschreitenden Integration der europäischen Finanzmärkte gewann die Harmonisierung von Referenzzinssätzen zunehmend an Bedeutung. Der EONIA, der Euro Overnight Index Average, wurde als europaweiter Tagesgeldreferenzzinssatz etabliert. Er basierte auf den unbesicherten Übernachtkrediten zwischen Banken im Euroraum und löste nationale Benchmarks wie den FIONA ab.
In diesem Zusammenhang wurde die Berechnung des FIONA eingestellt. Da der Referenzzinssatz die Grundlage für Fiona Swaps bildete, entfiel damit auch die Basis für den Fiona-Swap-Markt. Die Marktaktivitäten verlagerten sich auf EONIA Swaps, die funktional vergleichbar waren, jedoch auf einem europaweit einheitlichen Zinssatz beruhten. Der Übergang markierte einen wichtigen Schritt hin zu einem integrierten europäischen Geldmarkt.
Vergleich zu EONIA Swaps
Inhaltlich unterschieden sich EONIA Swaps nicht grundlegend von Fiona Swaps. Auch hier werden variable Tagesgeldzinsen gegen feste Zinssätze mit kurzen Laufzeiten getauscht. Die Laufzeiten bewegen sich ebenfalls typischerweise zwischen einer Woche und zwölf Monaten. Der entscheidende Unterschied liegt im Referenzzinssatz und damit im geografischen und institutionellen Rahmen.
Während der Fiona-Swap-Markt auf den deutschen Geldmarkt fokussiert war, spiegeln EONIA Swaps die Zinsverhältnisse im gesamten Euroraum wider. Dadurch erhöhte sich die Marktliquidität, und die Vergleichbarkeit von Zinsinstrumenten nahm zu. Für Marktteilnehmer bedeutete dies eine Vereinheitlichung der Zinsabsicherung und eine stärkere Integration in den europäischen Finanzmarkt.
Bedeutung aus heutiger Sicht
Aus heutiger Perspektive hat der Fiona-Swap-Markt vor allem historische Bedeutung. Er steht exemplarisch für die Phase national geprägter Geldmärkte vor der vollständigen europäischen Integration. Gleichzeitig zeigt seine Ablösung durch EONIA Swaps, wie stark Referenzzinssätze und darauf aufbauende Märkte von institutionellen und regulatorischen Veränderungen abhängen.
Der grundlegende Zweck der Swapgeschäfte, nämlich die Absicherung von Zinsänderungsrisiken am Geldmarkt, ist jedoch unverändert geblieben. Auch moderne Geldmarktswaps erfüllen weiterhin diese Funktion, wenn auch auf einer anderen, internationaleren Grundlage.
Fazit
Der Fiona-Swap-Markt war ein spezialisierter Markt für kurzfristige Zinsswapgeschäfte auf Basis des FIONA als deutschem Tagesgeldreferenzzinssatz. Er ermöglichte es Marktteilnehmern, variable Tagesgeldzinsen gegen feste Termingeldzinsen mit Laufzeiten von einer Woche bis zu zwölf Monaten zu tauschen und so Zinsänderungsrisiken am Geldmarkt abzusichern. Mit der Einführung des EONIA und der Einstellung der FIONA-Berechnung verlor der Markt seine Grundlage und wurde durch den Handel mit EONIA Swaps ersetzt. Der Fiona-Swap-Markt ist damit ein Beispiel für den strukturellen Wandel der Finanzmärkte im Zuge der europäischen Integration, während der ökonomische Zweck der zugrunde liegenden Geschäfte bis heute fortbesteht.