First Notice Day (FND) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Fiona-Swap-Markt Nächster Begriff: Fixed Income
Ein Tag im Futures-Handel, an dem die Lieferung der zugrundeliegenden Ware oder des Finanzinstruments erstmals möglich ist und Long-Positionen benachrichtigt werden können
Der Begriff First Notice Day (FND) bezeichnet im Terminhandel den ersten Tag, an dem der Verkäufer eines börsengehandelten Futures-Kontrakts den Käufer über seine Absicht informieren kann, den zugrunde liegenden Basiswert physisch zu liefern. Der First Notice Day ist damit ein zentraler technischer und rechtlicher Stichtag im Abwicklungsprozess von Futures mit physischer Lieferung und spielt eine wichtige Rolle für das Risikomanagement und die Positionssteuerung der Marktteilnehmer.
Einordnung im Terminhandel
Futures sind standardisierte Terminkontrakte, die an Terminbörsen gehandelt werden und sich auf einen bestimmten Basiswert beziehen, etwa Rohstoffe, Energieprodukte oder Agrargüter. Abhängig von der Ausgestaltung des Kontrakts erfolgt die Erfüllung entweder durch Barausgleich oder durch physische Lieferung des Basiswerts. Der First Notice Day ist ausschließlich für Kontrakte mit physischer Lieferung relevant.
Im Rahmen des Börsenregelwerks sind für jeden Futures-Kontrakt mehrere kalendarische Stichtage festgelegt. Dazu zählen unter anderem der First Notice Day, der Last Notice Day und der Last Trading Day. Diese Termine strukturieren den Übergang vom Handel zur Erfüllung des Kontrakts und regeln die Rechte und Pflichten der Vertragsparteien.
Bedeutung des First Notice Day
Der First Notice Day markiert den Zeitpunkt, ab dem ein Inhaber einer Short-Position, also der Verkäufer des Futures, die Lieferung des Basiswerts ankündigen darf. Mit dieser Mitteilung verpflichtet sich der Verkäufer zur tatsächlichen Lieferung gemäß den Kontraktspezifikationen der Börse. Der Käufer einer Long-Position kann ab diesem Zeitpunkt zur Annahme der Lieferung herangezogen werden.
Für Long-Positionen bedeutet der First Notice Day, dass ab diesem Datum das Risiko einer physischen Lieferung besteht. Marktteilnehmer, die kein Interesse an der tatsächlichen Lieferung haben, müssen ihre Position daher spätestens vor dem First Notice Day schließen oder rollen. Der FND ist somit ein entscheidender Orientierungspunkt für Handels- und Risikostrategien.
Funktion im Abwicklungsprozess
Der First Notice Day ist Teil eines formalisierten Abwicklungsmechanismus, der von der Terminbörse und dem zugehörigen Clearinghaus überwacht wird. Sobald ein Verkäufer seine Lieferabsicht erklärt, weist das Clearinghaus die Lieferung einem Käufer zu. Diese Zuteilung erfolgt nach festgelegten Regeln, häufig nach dem Zufallsprinzip oder nach zeitlicher Reihenfolge.
Der eigentliche physische Austausch des Basiswerts erfolgt in der Regel erst nach dem First Notice Day. Zwischen Ankündigung und tatsächlicher Lieferung liegen häufig mehrere Tage oder Wochen, um logistische Prozesse wie Transport, Lagerung und Qualitätsprüfung zu ermöglichen. Der First Notice Day ist daher nicht der Liefertag selbst, sondern der Beginn des formalen Lieferverfahrens.
Auswirkungen auf Marktteilnehmer
Für unterschiedliche Marktteilnehmer hat der First Notice Day eine jeweils spezifische Bedeutung. Produzenten oder Händler des Basiswerts, die Futures zur Absicherung einsetzen, sind häufig bereit oder sogar darauf angewiesen, physisch zu liefern. Für sie stellt der FND einen regulären Bestandteil ihrer Absicherungsstrategie dar.
Finanzinvestoren, spekulative Händler oder institutionelle Anleger hingegen verfolgen in der Regel keine physische Abwicklung. Für diese Gruppen ist der First Notice Day ein kritischer Stichtag, da sie sicherstellen müssen, dass sie nicht ungewollt in den Lieferprozess einbezogen werden. Entsprechend werden Positionen oft mehrere Tage vor dem FND geschlossen oder in den nächsten Kontraktmonat übertragen.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Der First Notice Day ist klar vom Last Notice Day zu unterscheiden. Während der First Notice Day den frühestmöglichen Zeitpunkt für die Lieferankündigung darstellt, bezeichnet der Last Notice Day den letzten Tag, an dem eine solche Mitteilung erfolgen kann. Zwischen diesen beiden Daten liegt das sogenannte Lieferfenster, innerhalb dessen Lieferungen angekündigt und abgewickelt werden können.
Ebenfalls abzugrenzen ist der First Notice Day vom Last Trading Day. Der Last Trading Day ist der letzte Tag, an dem der Futures-Kontrakt gehandelt werden kann. Je nach Kontrakt kann dieser vor, nach oder am selben Tag wie der First Notice Day liegen. Diese zeitliche Struktur ist von der jeweiligen Börse und dem Basiswert abhängig.
Rolle für Preisbildung und Marktverhalten
Der First Notice Day kann spürbare Auswirkungen auf das Marktverhalten haben. In den Tagen vor dem FND kommt es häufig zu erhöhter Handelsaktivität, da Marktteilnehmer ihre Positionen anpassen. Dies kann zu kurzfristig erhöhter Volatilität oder zu Preisverzerrungen führen, insbesondere bei Kontrakten mit geringer Liquidität.
Zudem kann der FND Einfluss auf die sogenannte Terminkurve haben. Marktteilnehmer, die ihre Positionen rollen, verkaufen den auslaufenden Kontrakt und kaufen gleichzeitig einen weiter in der Zukunft liegenden Kontrakt. Dieses Verhalten kann Preisunterschiede zwischen den Kontraktmonaten verstärken und ist ein wichtiger Faktor bei der Analyse von Terminmärkten.
Bedeutung für das Risikomanagement
Im professionellen Risikomanagement nimmt der First Notice Day eine zentrale Stellung ein. Er dient als klar definierter Stichtag, an dem operative, rechtliche und logistische Risiken zunehmen. Institutionelle Marktteilnehmer integrieren den FND daher fest in ihre internen Handels- und Kontrollprozesse.
Dazu gehören unter anderem automatisierte Warnsysteme, interne Positionslimits und klare Vorgaben für den Abbau oder die Rollierung von Positionen. Ein Versäumnis, eine Position rechtzeitig vor dem First Notice Day zu schließen, kann zu unerwünschten Lieferverpflichtungen und erheblichen Zusatzkosten führen.
Bedeutung aus regulatorischer und institutioneller Sicht
Aus Sicht der Börsen und Clearinghäuser trägt der First Notice Day zur geordneten Abwicklung des Terminhandels bei. Er schafft Transparenz über potenzielle Liefermengen und ermöglicht eine frühzeitige Planung der logistischen Abwicklung. Gleichzeitig dient er der Stabilität des Marktes, da er klare zeitliche Strukturen vorgibt.
Auch aus rechtlicher Perspektive ist der FND relevant, da mit der Lieferankündigung verbindliche Verpflichtungen entstehen. Die Einhaltung der Kontraktspezifikationen und der Börsenregeln ist ab diesem Zeitpunkt zwingend, was den formalen Charakter des Terminhandels unterstreicht.
Historische und praktische Einordnung
Der First Notice Day hat sich historisch mit der Entwicklung standardisierter Terminmärkte etabliert. Er reflektiert die Notwendigkeit, Finanzhandel und reale Warenströme miteinander zu verbinden. Auch wenn der Anteil bar abgerechneter Futures im Laufe der Zeit gestiegen ist, bleibt der FND für physisch lieferbare Kontrakte von grundlegender Bedeutung.
In der Praxis ist der First Notice Day heute vor allem für professionelle Marktteilnehmer relevant, da private Anleger in der Regel keinen direkten Zugang zu physisch lieferbaren Futures haben oder ihre Positionen frühzeitig schließen. Dennoch beeinflusst der FND indirekt auch breitere Marktsegmente über Preisbewegungen und Liquiditätseffekte.
Fazit
Der First Notice Day ist ein zentraler Stichtag im Handel mit physisch lieferbaren Futures. Er markiert den Beginn des Lieferprozesses und signalisiert, ab wann Verkäufer die physische Lieferung des Basiswerts ankündigen können. Für Käufer entsteht ab diesem Zeitpunkt das Risiko einer tatsächlichen Lieferung. Der FND hat wesentliche Bedeutung für Handelsstrategien, Risikomanagement, Marktverhalten und die geordnete Abwicklung des Terminhandels. Als verbindendes Element zwischen Finanzmarkt und physischer Realwirtschaft ist er ein unverzichtbarer Bestandteil der Struktur moderner Terminmärkte.