FIXML (FIX Markup Language) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: OUCH-Protokoll Nächster Begriff: FAST (FIX Adapted for Streaming)
Eine auf XML basierende Variante des FIX-Protokolls, die den Austausch von Handelsnachrichten in strukturiertem, maschinenlesbarem Format für Finanztransaktionen ermöglicht
FIXML (FIX Markup Language) ist eine XML-basierte Spezifikation zur Darstellung von Nachrichten im Rahmen des Finanzkommunikationsstandards FIX (Financial Information eXchange). Während das klassische FIX-Protokoll auf einem kompakten, text- oder binärbasierten Nachrichtenformat mit Tag-Wert-Paaren beruht, überträgt FIXML dieselben Inhalte in einer strukturierten XML-Form. Ziel ist es, die Verständlichkeit, Interoperabilität und Integration in moderne IT-Systeme zu verbessern – insbesondere in Bezug auf Backoffice-Prozesse, regulatorische Berichterstattung und systemübergreifende Datenverarbeitung.
Hintergrund und Entstehung
Das FIX-Protokoll wurde ursprünglich in den 1990er-Jahren entwickelt, um standardisierte Handelskommunikation zwischen Finanzinstituten zu ermöglichen. Dabei setzte man auf ein kompaktes, textbasiertes Nachrichtenformat, das für den Hochfrequenzhandel und Echtzeitanwendungen optimiert ist. Mit wachsender Komplexität der Finanzmärkte und gestiegenen Anforderungen an Integration, Dokumentation und regulatorische Berichtspflichten wurde jedoch zunehmend ein strukturierteres Datenformat benötigt.
In diesem Zusammenhang wurde FIXML als XML-Erweiterung des FIX-Standards entwickelt. Die erste Spezifikation entstand Ende der 1990er-Jahre unter der Schirmherrschaft der FIX Trading Community. Ziel war es, die Inhalte der FIX-Nachrichten in ein formatübergreifendes, maschinenlesbares und zugleich menschenverständliches Format zu überführen.
Aufbau und Struktur
FIXML basiert auf den Grundprinzipien von XML (eXtensible Markup Language) und nutzt vordefinierte Schemas zur Definition der zugelassenen Nachrichtenarten, Felder, Datentypen und Hierarchien. Eine typische FIXML-Nachricht ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
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Verwendung von XML-Tags zur Kennzeichnung von Datenfeldern
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Klar lesbare Struktur mit Attributen und verschachtelten Elementen
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Validierbarkeit mittels XML-Schema-Definitionen (XSD)
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Erweiterbarkeit durch benutzerdefinierte Felder (Custom Extensions)
Beispielhaft sieht eine FIXML-Nachricht zur Platzierung einer Order wie folgt aus:
<FIXML>
<Order TmInForce="0" Typ="2" Side="1" Px="125.00" Acct="ABC123">
<Instrmt Sym="AAPL" SecTyp="CS" />
<OrdQty Qty="1000" />
</Order>
</FIXML>
In dieser Darstellung entsprechen die XML-Attribute den FIX-Feldern, wobei bestimmte Kürzel die Feldbedeutung definieren. Das Format ist damit für Softwareentwickler, Integratoren und Prüfsysteme deutlich einfacher zu interpretieren als die klassische FIX-Notation (z. B. 35=D|55=AAPL|54=1|38=1000|40=2|44=125.00).
Anwendungsbereiche
FIXML wird primär in Bereichen eingesetzt, in denen Datenstruktur, Lesbarkeit und Systemintegration eine größere Rolle spielen als minimale Latenz oder Datenkompression. Typische Einsatzfelder sind:
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Post-Trade-Verarbeitung: Nach Abschluss eines Handels dient FIXML der Abwicklung, Buchung, Abstimmung und Archivierung von Transaktionen.
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Regulatorische Berichterstattung: Viele Aufsichtsbehörden und Marktüberwachungsstellen verlangen strukturierte Formate zur Übermittlung von Transaktionsdaten – FIXML bietet hierfür eine standardisierte Lösung.
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Systemintegration: In heterogenen Systemlandschaften, etwa bei der Anbindung von ERP-, Buchhaltungs- oder Risikomanagementsystemen, erleichtert das XML-Format den Datenaustausch.
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Referenzdatenkommunikation: Übermittlung und Abgleich von Stammdaten, z. B. zu Wertpapieren, Gegenparteien oder Kontostrukturen.
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Corporate Actions und Messaging: Darstellung komplexer Ereignisse wie Kapitalmaßnahmen, Ausschüttungen oder Depotumbuchungen.
Vorteile von FIXML
Die Nutzung von FIXML bietet eine Reihe technischer und organisatorischer Vorteile:
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Lesbarkeit und Dokumentierbarkeit: Dank der XML-Struktur sind Nachrichten leichter nachvollziehbar und besser dokumentierbar als binäre oder Tag-basierte FIX-Nachrichten.
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Standardisierung: FIXML basiert auf einem offiziell gepflegten Schema, das regelmäßig aktualisiert wird und auf breiter internationaler Akzeptanz beruht.
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Tool-Unterstützung: Da FIXML ein XML-Format ist, lässt es sich mit gängigen Entwicklungswerkzeugen, Validierungs-Engines, XSLT-Transformatoren und Webservices einfach verarbeiten.
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Integration in SOA- und API-Infrastrukturen: FIXML lässt sich problemlos in serviceorientierte Architekturen (SOA) und moderne Webservice-APIs einbinden – etwa über SOAP oder REST.
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Erweiterbarkeit: Unternehmen können das Schema durch eigene Felder ergänzen, ohne den Standard zu verletzen, was für individuelle Geschäftsanforderungen wichtig ist.
Einschränkungen und Herausforderungen
Trotz der genannten Vorteile bringt FIXML auch einige Herausforderungen mit sich:
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Größerer Datenumfang: Durch die XML-Struktur sind FIXML-Nachrichten in der Regel deutlich größer als ihre komprimierten FIX- oder FAST-Pendants, was die Bandbreite und Speicheranforderung erhöht.
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Verarbeitungsgeschwindigkeit: Die Serialisierung und Deserialisierung von XML ist rechenintensiver als bei kompakten binären Protokollen. FIXML eignet sich daher weniger für latenzsensible Anwendungsbereiche wie den Hochfrequenzhandel.
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Komplexität der Schema-Verwaltung: Die Vielzahl an möglichen Nachrichtenarten und Feldkombinationen erfordert sorgfältige Verwaltung der XSD-Dateien und regelmäßige Updates bei Schemaänderungen.
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Begrenzte Einsatzbreite im Frontoffice: Im Vergleich zur klassischen FIX-Implementierung wird FIXML seltener im Pre-Trade- oder Echtzeithandelsbereich eingesetzt.
Verbreitung und Implementierung
FIXML wird von einer Vielzahl institutioneller Akteure genutzt, insbesondere in den Bereichen:
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Börsen und zentrale Gegenparteien (z. B. zur Clearing-Kommunikation)
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Depotbanken und Custodians
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Investmentgesellschaften mit hohem Automatisierungsgrad im Backoffice
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Regulatorische Plattformen und Trade Repositories
Die FIX Trading Community stellt umfangreiche Ressourcen für die Implementierung bereit, darunter:
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XML-Schemas für verschiedene Versionen (z. B. FIX 5.0 SP2)
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Dokumentationen und Mapping-Guides zwischen FIX und FIXML
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Validierungswerkzeuge für Testumgebungen
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Referenzimplementierungen in Java, C# und anderen Programmiersprachen
Fazit
FIXML ist eine strukturierte, XML-basierte Variante des etablierten FIX-Protokolls und dient vor allem der standardisierten, systemübergreifenden Kommunikation im Backoffice, der regulatorischen Berichterstattung und der Integration komplexer Geschäftsprozesse. Durch seine klare Syntax, maschinelle Verarbeitbarkeit und breite Akzeptanz bietet es eine zuverlässige Grundlage für den sicheren und nachvollziehbaren Datenaustausch im Finanzsektor. Gleichzeitig ist FIXML aufgrund seiner Größe und Komplexität weniger für latenzkritische Handelsanwendungen geeignet. Es ergänzt damit das klassische FIX-Protokoll um eine komponenten- und plattformübergreifende Lösung für moderne Finanzsysteme.