Fondspreis Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Fondspicking Nächster Begriff: Fondsrating

Eine täglich ermittelte Bewertung eines Fondsanteils, die sich aus dem Gesamtwert des Fondsvermögens abzüglich Verbindlichkeiten dividiert durch die Anzahl der umlaufenden Anteile ergibt und als Basis für Ausgabe und Rücknahme dient

Der Fondspreis ist eine zentrale Kennzahl im Investmentfondswesen und bildet die Grundlage für Kauf-, Verkaufs- und Bewertungsentscheidungen von Anlegern. Er spiegelt den wirtschaftlichen Wert eines Fondsanteils wider und macht das Fondsvermögen für Investoren in einer vergleichbaren Größe sichtbar. Obwohl der Fondspreis häufig als einfache Zahl wahrgenommen wird, ist seine Ermittlung das Ergebnis eines komplexen Bewertungs- und Abrechnungsprozesses.

Der Fondspreis bezeichnet den Wert eines einzelnen Fondsanteils und ergibt sich aus dem Verhältnis des gesamten Fondsvermögens zur Anzahl der ausgegebenen Fondsanteile. Er wird regelmäßig berechnet und veröffentlicht und stellt die maßgebliche Basis für Transaktionen mit Fondsanteilen dar.

Begriffliche Einordnung und Abgrenzung

Der Fondspreis wird häufig auch als Anteilwert oder Nettoinventarwert bezeichnet. Unabhängig von der verwendeten Bezeichnung beschreibt er stets denselben Sachverhalt, nämlich den rechnerischen Wert eines Anteils am Fondsvermögen. Er ist von Marktpreisen börsengehandelter Wertpapiere zu unterscheiden, da er nicht durch Angebot und Nachfrage im Handel entsteht, sondern rechnerisch ermittelt wird.

Bei offenen Investmentfonds erfolgt der Erwerb und die Rückgabe von Anteilen grundsätzlich zu diesem Fondspreis, gegebenenfalls zuzüglich oder abzüglich bestimmter Kosten. Bei geschlossenen Fonds oder Fondsanteilen, die am Zweitmarkt gehandelt werden, kann der tatsächlich erzielte Preis vom rechnerischen Fondspreis abweichen.

Berechnung des Fondspreises

Die Berechnung des Fondspreises erfolgt nach einem klar definierten Schema. Ausgangspunkt ist das gesamte Fondsvermögen, das alle Vermögensgegenstände des Fonds umfasst. Dazu zählen Wertpapiere, Bankguthaben, Forderungen sowie gegebenenfalls Sachwerte wie Immobilien oder Beteiligungen. Von diesem Gesamtwert werden die bestehenden Verbindlichkeiten des Fonds abgezogen.

Der so ermittelte Nettovermögenswert wird anschließend durch die Anzahl der umlaufenden Fondsanteile geteilt. Das Ergebnis ist der Fondspreis pro Anteil. Diese Berechnung stellt sicher, dass jeder Anleger entsprechend seiner gehaltenen Anteile am Fondsvermögen beteiligt ist.

Bewertungsgrundlagen der Vermögensgegenstände

Die Genauigkeit des Fondspreises hängt wesentlich von der Bewertung der im Fonds enthaltenen Vermögensgegenstände ab. Bei börsengehandelten Wertpapieren erfolgt die Bewertung in der Regel auf Basis aktueller Marktpreise. Dadurch kann der Fondspreis täglich neu berechnet werden und reagiert unmittelbar auf Marktbewegungen.

Bei weniger liquiden Anlagen, etwa Immobilien, Infrastrukturprojekten oder nicht börsennotierten Beteiligungen, ist die Bewertung komplexer. In diesen Fällen kommen anerkannte Bewertungsverfahren zum Einsatz, die regelmäßig von unabhängigen Sachverständigen angewendet werden. Diese Bewertungen erfolgen nicht täglich, sondern in festgelegten Abständen. Dadurch kann es zu zeitlichen Verzögerungen bei der Abbildung von Wertveränderungen im Fondspreis kommen.

Zeitpunkt der Preisermittlung

Der Fondspreis wird zu bestimmten Stichtagen ermittelt, die in den Fondsbedingungen festgelegt sind. Bei vielen offenen Wertpapierfonds erfolgt die Berechnung täglich. Der ermittelte Preis gilt dann für alle Kauf- und Rückgabeaufträge, die innerhalb eines bestimmten Zeitfensters eingehen.

Dieser Mechanismus unterscheidet sich deutlich vom Börsenhandel, bei dem Preise fortlaufend schwanken. Anleger kennen beim Auftrag oft noch nicht den exakten Fondspreis, zu dem ihre Transaktion ausgeführt wird. Der maßgebliche Preis steht erst nach Abschluss der Bewertung fest.

Einfluss von Kosten auf den Fondspreis

Kosten wirken sich unmittelbar auf den Fondspreis aus, da sie dem Fondsvermögen entnommen werden. Laufende Verwaltungs- und Betriebskosten mindern kontinuierlich den Wert des Fondsvermögens und damit auch den Fondspreis. Gleiches gilt für Transaktionskosten, die beim Kauf oder Verkauf von Vermögensgegenständen anfallen.

Auch Ausschüttungen beeinflussen den Fondspreis. Wird ein Teil der Erträge an die Anleger ausgezahlt, verringert sich das Fondsvermögen entsprechend, was zu einem rechnerischen Rückgang des Fondspreises führt. Dieser Effekt ist rein technisch und stellt keinen Wertverlust im wirtschaftlichen Sinne dar, da die Ausschüttung dem Anleger separat zufließt.

Fondspreis und Ausgabe- sowie Rücknahmepreis

In der Praxis ist zwischen dem reinen Fondspreis und den tatsächlich relevanten Transaktionspreisen zu unterscheiden. Beim Erwerb von Fondsanteilen kann ein Ausgabeaufschlag erhoben werden, der zusätzlich zum Fondspreis zu zahlen ist. Der tatsächliche Kaufpreis liegt damit über dem rechnerischen Anteilwert.

Bei der Rückgabe von Anteilen erhalten Anleger in der Regel den Fondspreis, abzüglich eventuell anfallender Rücknahmeabschläge. Diese Preisunterschiede dienen der Deckung von Vertriebs- und Transaktionskosten und haben keinen Einfluss auf die Berechnung des Fondspreises selbst.

Bedeutung des Fondspreises für Anleger

Für Anleger ist der Fondspreis die zentrale Kennzahl zur Beurteilung der Wertentwicklung einer Fondsanlage. Veränderungen des Fondspreises spiegeln die Entwicklung des Fondsvermögens wider und machen Erträge oder Verluste sichtbar. Ein steigender Fondspreis deutet auf eine positive Entwicklung der zugrunde liegenden Anlagen hin, ein sinkender Fondspreis auf Wertverluste oder Kostenbelastungen.

Allerdings ist der Fondspreis isoliert betrachtet nur begrenzt aussagekräftig. Erst im zeitlichen Verlauf und im Vergleich mit geeigneten Referenzgrößen lässt sich beurteilen, ob ein Fonds seine Ziele erreicht. Auch Ausschüttungen müssen in die Gesamtbetrachtung einbezogen werden, da sie den Fondspreis rechnerisch reduzieren, ohne den Gesamtertrag zu schmälern.

Unterschiede zwischen Fondsarten

Die Rolle und Aussagekraft des Fondspreises variiert je nach Fondsart. Bei offenen Wertpapierfonds ist er die maßgebliche Größe für alle Transaktionen und spiegelt tagesaktuell die Marktentwicklung wider. Bei offenen Immobilienfonds reagiert der Fondspreis meist weniger stark auf kurzfristige Marktschwankungen, da die Bewertung der Immobilien zeitlich geglättet erfolgt.

Bei geschlossenen Fonds hat der rechnerische Fondspreis eine geringere praktische Bedeutung. Da Anteile während der Laufzeit nicht zurückgegeben werden können, ist der tatsächliche Marktpreis auf dem Zweitmarkt entscheidend. Dieser kann erheblich vom rechnerischen Anteilwert abweichen und spiegelt zusätzlich Liquiditäts- und Nachfragerisiken wider.

Transparenz und Veröffentlichung

Kapitalverwaltungsgesellschaften sind verpflichtet, den Fondspreis regelmäßig zu veröffentlichen. Diese Transparenz ermöglicht es Anlegern, den aktuellen Wert ihrer Anlage nachzuvollziehen. Ergänzt wird die Preisangabe durch Berichte über die Zusammensetzung des Fondsvermögens und die Wertentwicklung über verschiedene Zeiträume.

Trotz dieser Transparenz bleibt die Interpretation des Fondspreises anspruchsvoll. Insbesondere bei Fonds mit komplexen oder illiquiden Anlagen erfordert das Verständnis der Preisentwicklung zusätzliche Informationen über Bewertungsmethoden und Kostenstrukturen.

Fazit

Der Fondspreis ist die zentrale rechnerische Größe eines Investmentfonds und bildet den Wert eines einzelnen Anteils am Fondsvermögen ab. Er ergibt sich aus der Bewertung aller Vermögensgegenstände abzüglich der Verbindlichkeiten und ist Grundlage für Kauf- und Rückgabeentscheidungen. Seine Entwicklung spiegelt Erträge, Wertveränderungen und Kosten wider, ist jedoch stets im Zusammenhang mit Ausschüttungen, Kostenstruktur und Fondsart zu betrachten. Für Anleger ist ein sachliches Verständnis des Fondspreises unerlässlich, um die Wertentwicklung von Fonds realistisch einzuordnen und fundierte Anlageentscheidungen zu treffen.