Fortlaufender Kurs Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Schlusskurs Nächster Begriff: Out of the Money (OTM) Optionen
Ein Preis, der während des Börsentages in Echtzeit durch laufende Käufe und Verkäufe von Wertpapieren entsteht und die aktuelle Marktlage widerspiegelt
Fortlaufender Kurs ist ein Begriff aus dem börslichen Handel und beschreibt eine spezifische Art der Kursfeststellung, bei der Wertpapierpreise laufend in Echtzeit auf Basis von Angebot und Nachfrage gebildet werden. Im Gegensatz zur Auktion mit Einheitskursbildung (z. B. zur Börseneröffnung oder -schluss) wird der fortlaufende Kurs kontinuierlich ermittelt, sobald passende Kauf- und Verkaufsorders im Orderbuch vorliegen. Diese Kursform dominiert den modernen Wertpapierhandel, insbesondere bei liquiden Aktien und anderen stark gehandelten Finanzinstrumenten.
Definition und Merkmale
Der fortlaufende Kurs ist ein Preis, der während der Börsenhandelszeit kontinuierlich aufgrund von im Orderbuch vorhandenen Kauf- und Verkaufsorders festgestellt wird.
Der Kurs wird jedes Mal aktualisiert, wenn ein neuer Geschäftsabschluss zustande kommt. Voraussetzung dafür ist das Zusammentreffen von mindestens einem Kauf- und einem Verkaufsauftrag, die sich hinsichtlich Preis und Volumen überschneiden oder decken. Die Kursbildung erfolgt dabei nach festgelegten Regeln der Preispriorität und Zeitpriorität:
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Preispriorität:
Orders mit besseren Preisen (höherer Kaufpreis bzw. niedrigerer Verkaufspreis) werden bevorzugt ausgeführt. -
Zeitpriorität:
Bei gleichem Preis erhalten früher platzierte Orders Vorrang.
Diese Mechanismen gewährleisten eine transparente, faire und marktnahe Preisbildung in Echtzeit.
Voraussetzungen für den fortlaufenden Handel
Nicht alle Finanzinstrumente werden im fortlaufenden Handel geführt. Die Voraussetzung ist eine ausreichende Liquidität, d. h. ein dauerhaft hohes Handelsvolumen und eine ausreichende Anzahl aktiver Marktteilnehmer.
Ein Wertpapier wird in der Regel dann im fortlaufenden Handel notiert, wenn es:
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regelmäßig gehandelt wird,
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enge Geld-Brief-Spannen aufweist,
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eine breite Anlegerbasis hat,
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und von einem oder mehreren Designated Sponsors oder Market Makern betreut wird, die für ständige Kurspflege sorgen.
Bei gering liquiden Papieren (z. B. Nebenwerte oder kleinere Anleihen) erfolgt die Kursfeststellung hingegen häufig nur einmal täglich im Rahmen einer Auktion, wobei ein Einheitskurs ermittelt wird.
Ablauf der Kursfeststellung im fortlaufenden Handel
Der Ablauf des fortlaufenden Handels lässt sich in mehreren Schritten darstellen:
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Eröffnung:
Zu Beginn des Handelstages erfolgt zunächst eine Eröffnungsauktion mit Einheitskursbildung. -
Übergang in den fortlaufenden Handel:
Nach der Eröffnung beginnt der fortlaufende Handel, in dem Kursstellungen bei jeder passenden Orderkonstellation erfolgen. -
Kursaktualisierung:
Bei jeder Ausführung wird ein neuer Kurs festgestellt und veröffentlicht. In Zeiten hoher Aktivität kann dies mehrfach pro Sekunde geschehen. -
Intraday-Auktionen (gegebenenfalls):
Bei bestimmten Ereignissen (z. B. Handelsunterbrechungen, Volatilitätsunterbrechungen) wird der fortlaufende Handel kurzzeitig unterbrochen und durch eine Auktion ersetzt. -
Schlussauktion:
Am Ende des Handelstags wird der Handel wieder in eine Auktion überführt, um den Schlusskurs zu ermitteln.
Beispiel für fortlaufende Kursstellung
Ein Ausschnitt aus einem Orderbuch für eine Aktie im fortlaufenden Handel könnte wie folgt aussehen:
| Geldkurs | Stückzahl | Briefkurs | Stückzahl |
|---|---|---|---|
| 99,90 € | 500 | 100,10 € | 400 |
Wenn nun ein Käufer eine Market Order über 300 Stück platziert, wird diese sofort zum Briefkurs von 100,10 € ausgeführt. Der aktuelle fortlaufende Kurs wird mit diesem Preis aktualisiert.
Wird hingegen ein limitierter Kaufauftrag bei 100,10 € für 400 Stück eingegeben, so trifft dieser exakt auf die bestehende Verkaufsorder und führt zur sofortigen Ausführung – ebenfalls zum Kurs von 100,10 €. Der neue fortlaufende Kurs ist dieser Preis.
Vorteile des fortlaufenden Kurses
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Aktualität:
Die Kursbildung in Echtzeit spiegelt aktuelle Marktentwicklungen unmittelbar wider. -
Liquidität:
Ständige Handelsmöglichkeiten fördern eine hohe Markttiefe und erleichtern das Ein- und Aussteigen aus Positionen. -
Transparenz:
Die Preisfindung ist jederzeit nachvollziehbar über öffentlich einsehbare Orderbücher und Kurslisten. -
Effizienz:
Orders können flexibel und schnell ausgeführt werden, was den Handel insgesamt beschleunigt. -
Preisbildung nach Marktmechanismus:
Der Kurs bildet sich direkt aus Angebot und Nachfrage ohne Eingriff eines amtlichen Kursmaklers.
Nachteile und Herausforderungen
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Volatilität:
Der fortlaufende Handel kann bei hoher Nachrichtenfrequenz oder spekulativem Verhalten zu kurzfristigen, teils starken Kursbewegungen führen. -
Kursmanipulation:
In engen Märkten mit wenigen Orders können kleine Orders bereits Kursverzerrungen bewirken. -
Überforderung von Privatanlegern:
Die hohe Dynamik kann für unerfahrene Marktteilnehmer zu Fehlentscheidungen führen, wenn nicht mit Limit Orders gearbeitet wird. -
Abhängigkeit von technischer Infrastruktur:
Der fortlaufende Handel erfordert stabile IT-Systeme und Netzwerke aufseiten von Börsen, Banken und Anlegern.
Fortlaufender Kurs im internationalen Vergleich
Viele große Börsen weltweit bieten einen fortlaufenden Handel an – jedoch mit unterschiedlichen Marktmodellen:
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Xetra (Deutsche Börse):
Der elektronische Handel läuft werktags von 9:00 bis 17:30 Uhr im fortlaufenden Modus. Besonders liquide Titel sind für diesen Handel vorgesehen. -
NYSE und NASDAQ (USA):
Hier findet der Handel fast ausschließlich im fortlaufenden Modus statt, ergänzt durch eine Eröffnungs- und Schlussauktion. -
Euronext, LSE:
Auch hier dominiert der fortlaufende Kurs bei liquiden Titeln, teilweise ergänzt durch Perioden mit Auktionshandel.
Die Kriterien für die Auswahl des Handelsmodells richten sich nach Liquidität, Handelsvolumen und der Marktbetreuung durch sogenannte Liquidity Provider.
Abgrenzung zu anderen Kursarten
| Kursart | Beschreibung |
|---|---|
| Fortlaufender Kurs | Echtzeitkurs basierend auf laufender Preisbildung bei Orderausführung |
| Einheitskurs | Kurs aus einer Auktion mit maximalem Umsatzvolumen (z. B. zur Eröffnung) |
| Kassakurs | Kurs bei sofortiger Lieferung und Zahlung; kann fortlaufend oder als Einheitskurs festgestellt werden |
| Schlusskurs | Letzter Kurs eines Handelstages, meist als Einheitskurs gebildet |
| Mittelkurs | Durchschnitt aus Geld- und Briefkurs; theoretisch, nicht gehandelt |
Fazit
Der fortlaufende Kurs ist das Ergebnis einer kontinuierlichen Preisbildung auf Basis von Angebot und Nachfrage während der Handelszeit. Er ist besonders für liquide Wertpapiere relevant und ermöglicht eine transparente, effiziente und aktuelle Kursfeststellung. Als dynamisches Marktinstrument erlaubt er den Handel in Echtzeit, spiegelt aber auch kurzfristige Volatilitäten wider. Für professionelle Marktteilnehmer ist er unverzichtbar, während Privatanleger auf sorgfältige Orderplatzierung und Limitsetzung achten sollten, um sich vor nachteiligen Kursausführungen zu schützen. In modernen Handelssystemen ist der fortlaufende Kurs ein zentrales Element einer funktionierenden Börseninfrastruktur.