Free Cash Flow Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Stock-Based Compensation (SBC) Nächster Begriff: ROIC
Eine essenzielle Kennzahl zur Bewertung der finanziellen Stärke eines Unternehmens
Free Cash Flow (FCF) ist eine wichtige Kennzahl in der Finanzanalyse, die angibt, wie viel Barmittel einem Unternehmen nach Abzug aller Investitionen in Sachanlagen und Betriebskapital tatsächlich zur Verfügung stehen. Diese Kennzahl ist entscheidend für Investoren, Analysten und Unternehmensleitungen, da sie zeigt, wie viel Geld ein Unternehmen generiert, um Schulden zu tilgen, Dividenden auszuschütten oder Wachstum zu finanzieren.
Bedeutung des Free Cash Flow
Der Free Cash Flow ist eine zentrale Messgröße für die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens. Während der Gewinn in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst wird, zeigt der Free Cash Flow, wie viel liquide Mittel das Unternehmen tatsächlich erwirtschaftet. Ein Unternehmen kann theoretisch Gewinne ausweisen, aber dennoch einen negativen Free Cash Flow haben, wenn beispielsweise hohe Investitionen getätigt werden oder Kundenrechnungen noch nicht beglichen wurden.
Die Berechnung des Free Cash Flow ist besonders relevant für:
- Investoren: Sie nutzen FCF, um festzustellen, ob ein Unternehmen nachhaltig Wert generiert.
- Kreditgeber: Banken und Gläubiger analysieren den FCF, um die Fähigkeit eines Unternehmens zur Schuldentilgung zu beurteilen.
- Unternehmensführung: Manager verwenden FCF, um strategische Entscheidungen über Investitionen, Dividenden und Aktienrückkäufe zu treffen.
Berechnung des Free Cash Flow
Der Free Cash Flow kann auf verschiedene Weise berechnet werden, je nachdem, welche Finanzdaten zur Verfügung stehen. Die zwei gebräuchlichsten Methoden sind:
1. Direkt aus der Kapitalflussrechnung:
\[ \text{FCF} = \text{Operativer Cashflow} - \text{Investitionen (CAPEX)} \]
Dabei gilt:
- Operativer Cashflow (Cash Flow from Operations, CFO): Dieser Wert zeigt, wie viel Cash durch das Kerngeschäft eines Unternehmens generiert wurde. Er beinhaltet den Nettogewinn sowie alle nicht zahlungswirksamen Aufwendungen wie Abschreibungen und Veränderungen im Betriebskapital.
- Investitionen (Capital Expenditures, CAPEX): Hierbei handelt es sich um Ausgaben für langfristige Vermögenswerte wie Gebäude, Maschinen und Technologie.
Ein Beispiel:
| Position | Betrag (in Mio. €) |
|---|---|
| Operativer Cashflow | 500 |
| Investitionen (CAPEX) | 200 |
| Free Cash Flow (FCF) | 300 |
2. Ableitung aus der Gewinn- und Verlustrechnung:
\[ \text{FCF} = \text{EBIT} \times (1 - \text{Steuersatz}) + \text{Abschreibungen} - \text{CAPEX} - \text{Veränderungen im Betriebskapital} \]
Hierbei stehen folgende Begriffe im Fokus:
- EBIT (Earnings Before Interest and Taxes): Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern.
- Steuersatz: Der durchschnittliche Steuersatz des Unternehmens.
- Abschreibungen (Depreciation & Amortization): Nicht zahlungswirksame Aufwendungen, die zur Berechnung des operativen Cashflows wieder hinzugerechnet werden.
- Veränderungen im Betriebskapital (Working Capital Changes): Differenz zwischen kurzfristigen Vermögenswerten (z. B. Forderungen) und kurzfristigen Verbindlichkeiten (z. B. Lieferantenkredite).
Ein Beispiel zur Berechnung:
| Position | Betrag (in Mio. €) |
|---|---|
| EBIT | 600 |
| Steuern (30 %) | -180 |
| Abschreibungen | 100 |
| Investitionen (CAPEX) | -200 |
| Veränderung im Betriebskapital | -50 |
| Free Cash Flow (FCF) | 270 |
Arten des Free Cash Flow
Je nach Anwendungsbereich gibt es verschiedene Varianten des Free Cash Flow:
- Unlevered Free Cash Flow (UFCF): Der FCF vor Abzug von Zinsaufwendungen. Diese Kennzahl wird häufig für Discounted-Cashflow-Bewertungen verwendet, da sie zeigt, wie viel Cash das Unternehmen unabhängig von seiner Kapitalstruktur generiert.
- Levered Free Cash Flow (LFCF): Der FCF nach Abzug der Schuldendienstzahlungen. Diese Kennzahl ist für Eigenkapitalinvestoren besonders relevant, da sie zeigt, wie viel Cash tatsächlich den Aktionären zur Verfügung steht.
Bedeutung für die Unternehmensbewertung
Der Free Cash Flow wird häufig zur Bewertung eines Unternehmens herangezogen, insbesondere im Rahmen der Discounted Cash Flow (DCF)-Methode. Hierbei wird der zukünftige FCF geschätzt und mit einem geeigneten Abzinsungssatz (z. B. den gewichteten Kapitalkosten, WACC) auf den heutigen Wert abdiskontiert.
Die Formel für den Unternehmenswert (Enterprise Value) basierend auf dem FCF lautet:
\[ \text{Unternehmenswert} = \sum \frac{\text{FCF}_t}{(1 + r)^t} \]
wobei:
- \( FCF_t \) = Free Cash Flow in Jahr \( t \)
- \( r \) = Abzinsungssatz (WACC)
- \( t \) = Anzahl der Jahre
Ein Unternehmen mit einem stabilen und wachsenden Free Cash Flow ist oft ein attraktives Investment, da es zeigt, dass das Unternehmen profitabel operiert und genügend Mittel für Expansion, Dividenden und Aktienrückkäufe hat.
Vor- und Nachteile des Free Cash Flow
Vorteile
- Zeigt die wahre Liquiditätslage eines Unternehmens: Im Gegensatz zum buchhalterischen Gewinn gibt der FCF Auskunft darüber, wie viel Cash tatsächlich verfügbar ist.
- Wichtige Größe für Unternehmensbewertungen: FCF ist die Basis für viele Bewertungsmethoden, insbesondere das DCF-Modell.
- Hilft bei der Beurteilung von Investitionsentscheidungen: Unternehmen mit positivem FCF können einfacher Wachstum finanzieren oder Schulden abbauen.
- Wichtige Kennzahl für Aktionäre: Da Unternehmen mit hohem FCF eher Dividenden ausschütten oder Aktienrückkäufe tätigen können, ist der FCF besonders für langfristige Investoren von Interesse.
Nachteile
- Schwankungen durch Investitionen: In Phasen hoher Investitionen (z. B. bei Expansionsstrategien) kann der FCF stark sinken, ohne dass dies auf eine schlechte finanzielle Situation hinweist.
- Beeinflussung durch Veränderungen im Betriebskapital: Unternehmen können ihren FCF kurzfristig durch Verzögerungen bei Lieferantenzahlungen oder Vorratsabbau künstlich erhöhen.
- Nicht einheitlich definiert: Verschiedene Unternehmen und Analysten verwenden leicht abweichende Definitionen für FCF, was die Vergleichbarkeit erschwert.
Fazit
Der Free Cash Flow ist eine essenzielle Kennzahl zur Bewertung der finanziellen Stärke eines Unternehmens. Er zeigt, wie viel Barmittel tatsächlich erwirtschaftet werden und ob ein Unternehmen in der Lage ist, Schulden zu tilgen, Dividenden auszuschütten oder weiter zu investieren. Trotz einiger Schwächen bietet der FCF eine wertvolle Einsicht in die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens und ist daher ein unverzichtbares Instrument für Investoren, Analysten und Unternehmensleitungen.