FTSE 100/250 Transition Börsenlexikon Vorheriger Begriff: FTSE Fledgling Nächster Begriff: FTSE All-World Developed Europe
Ein Index, der die Wertentwicklung von Unternehmen abbildet, die zwischen FTSE 100 und FTSE 250 wechseln, um als Übergangsbenchmark für den britischen Aktienmarkt zu dienen
Der Begriff FTSE 100/250 Transition bezeichnet die periodischen Wechsel von Unternehmen zwischen dem FTSE 100 Index und dem FTSE 250 Index, basierend auf deren Marktkapitalisierung und anderen Auswahlkriterien. Dieser Übergangsmechanismus ist ein fester Bestandteil der Struktur der FTSE UK Index Series und stellt sicher, dass die Zusammensetzung der Indizes stets die aktuelle Marktgröße und Relevanz der darin enthaltenen Unternehmen widerspiegelt.
Da der FTSE 100 und der FTSE 250 zusammen den FTSE 350 Index bilden, erfolgt der Übergang zwischen den beiden Indizes innerhalb eines geschlossenen Systems, das auf objektiven, marktorientierten Regeln basiert.
Hintergrund: FTSE 100 und FTSE 250
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Der FTSE 100 umfasst die 100 größten börsennotierten Unternehmen des Vereinigten Königreichs nach frei handelbarer Marktkapitalisierung (Free Float Adjusted Market Cap), die im Main Market der London Stock Exchange gelistet sind.
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Der FTSE 250 umfasst die nächstgrößeren 250 Unternehmen, die in derselben Börsensektion notiert sind.
Beide Indizes werden kapitalisierungsgewichtet und dienen als zentrale Benchmarks für institutionelle und private Investoren. Die Übergänge zwischen ihnen erfolgen im Rahmen einer systematischen Überprüfung.
Indexüberprüfungen und Anpassungszyklen
Die Überprüfung der Indexzusammensetzung erfolgt vierteljährlich, üblicherweise zu folgenden Terminen:
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März
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Juni
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September
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Dezember
Die Ergebnisse dieser Überprüfungen werden von FTSE Russell, dem Indexbetreiber, bekannt gegeben. Die Umsetzung erfolgt in der Regel zwei Wochen nach Bekanntgabe, jeweils zum Freitag nach dem ersten Donnerstag im Monat.
Kriterien für Auf- und Abstieg
Die Entscheidung über die Zu- oder Rückstufung eines Unternehmens zwischen dem FTSE 100 und dem FTSE 250 basiert ausschließlich auf der frei handelbaren Marktkapitalisierung. Dabei gelten feste Schwellenwerte:
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Aufstieg in den FTSE 100:
Ein Unternehmen aus dem FTSE 250 steigt in den FTSE 100 auf, wenn es bei der Überprüfung zu den 90 größten Unternehmen nach Streubesitz-Marktkapitalisierung gehört. -
Abstieg aus dem FTSE 100:
Ein Unternehmen im FTSE 100 wird in den FTSE 250 abgestuft, wenn es bei der Überprüfung nicht mehr zu den 110 größten Unternehmen gehört.
Dieses sogenannte „Buffer-Zonen“-System verhindert häufige Wechsel und sorgt für Stabilität in der Indexzusammensetzung. Es dient dem Schutz langfristiger Investitionsstrategien und reduziert Transaktionskosten für indexnachbildende Fonds.
Ablauf des Übergangsprozesses
Der Übergang zwischen den Indizes wird auf der Grundlage der Schlusskurse des Überprüfungstages berechnet. Der Prozess folgt einem strukturierten Ablauf:
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Datenanalyse:
Erhebung der Marktkapitalisierungen aller relevanten Unternehmen am Stichtag unter Berücksichtigung des Streubesitzes. -
Ranglistenbildung:
Erstellung einer Rangliste, die die relative Größe der Unternehmen bestimmt. -
Zuordnung zu Indexgruppen:
Auf- oder Abstieg entsprechend der definierten Schwellenwerte. -
Bekanntgabe der Änderungen:
Veröffentlichung durch FTSE Russell mit einer Vorlaufzeit von in der Regel zwei Wochen. -
Implementierung:
Umsetzung der Änderungen durch Indexfonds, ETFs und andere passive Produkte am Stichtag.
Marktreaktionen und Auswirkungen
Die Aufnahme in den FTSE 100 bringt für ein Unternehmen in der Regel eine höhere mediale Aufmerksamkeit, eine stärkere Handelsliquidität sowie eine verstärkte Nachfrage durch indexgebundene Anlageprodukte mit sich. Umgekehrt kann der Abstieg aus dem FTSE 100 zu einem Rückgang des Handelsvolumens und temporären Kursverlusten führen, da Fondsmanager gezwungen sein können, die Position zu reduzieren.
Auch im FTSE 250 gelten ähnliche Mechanismen, wenngleich die Marktwirkung dort in der Regel weniger stark ausfällt. Dennoch kann die Rückstufung in den FTSE 250 ein Signal für eine abnehmende Marktbedeutung sein.
Insgesamt zeigt sich, dass die Indexübergänge nicht nur eine technische Anpassung darstellen, sondern signifikante Auswirkungen auf das Investorenverhalten und die Unternehmenswahrnehmung haben können.
Statistische Merkmale der Transition
In der Praxis wechseln bei jeder vierteljährlichen Überprüfung typischerweise zwischen zwei und sechs Unternehmen zwischen dem FTSE 100 und dem FTSE 250. Diese Zahl kann jedoch je nach Marktvolatilität und Unternehmensentwicklung schwanken.
Langfristige Aufsteiger im FTSE 100 weisen oft nachhaltiges Wachstum oder eine starke Sektorpositionierung auf, während Absteiger häufig mit strukturellen Herausforderungen, Übernahmen oder externen Schocks konfrontiert sind.
Sonderfälle und Ausnahmen
Neben den regulären Überprüfungen kann es in bestimmten Fällen zu außerplanmäßigen Änderungen kommen, etwa bei:
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Übernahmen oder Fusionen, die zu einem Delisting führen
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Insolvenzen oder massiven Kursverlusten
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Verlust der Hauptnotierung an der London Stock Exchange
In solchen Fällen kann FTSE Russell kurzfristige Anpassungen vornehmen, um die Integrität des Index zu gewährleisten.
Fazit
Die FTSE 100/250 Transition ist ein standardisierter Mechanismus zur dynamischen Anpassung der Indexzusammensetzung innerhalb der FTSE UK Index Series. Sie stellt sicher, dass die Indizes stets die tatsächlichen Marktverhältnisse widerspiegeln und auf einer transparenten, regelbasierten Methodik beruhen. Für Investoren bieten diese Übergänge wichtige Signale zur Marktentwicklung und Unternehmensbewertung. Zugleich beeinflussen sie das Handelsverhalten und die Kapitalflüsse in indexgebundene Anlageprodukte erheblich. Die vierteljährliche Überprüfung, gepaart mit stabilisierenden Schwellenwerten, gewährleistet eine zuverlässige, ausgewogene Indexarchitektur im britischen Kapitalmarkt.