FTSE 250 Börsenlexikon Vorheriger Begriff: FTSE Developed Europe Index Nächster Begriff: FTSE 350

Ein Index, der die Wertentwicklung der 250 größten und liquidesten Unternehmen nach dem FTSE 100 an der London Stock Exchange abbildet, um als Benchmark für mittelgroße britische Aktien zu dienen

Der FTSE 250 ist ein bedeutender britischer Aktienindex, der die Kursentwicklung der 250 größten börsennotierten Unternehmen abbildet, die hinsichtlich ihrer Marktkapitalisierung direkt auf die im FTSE 100 enthaltenen Unternehmen folgen. Er wurde 1992 eingeführt und wird von FTSE Russell, einer Tochtergesellschaft der London Stock Exchange Group, berechnet und veröffentlicht. Der Index stellt das Segment der mittelgroßen britischen Unternehmen (Mid Caps) dar und ist ein wichtiger Indikator für die Entwicklung der inländisch orientierten britischen Wirtschaft.

Zielsetzung und Indexkonzept

Der FTSE 250 wurde konzipiert, um die Performance mittelgroßer britischer Unternehmen möglichst umfassend darzustellen. Diese Unternehmen sind in der Regel kleiner als die global agierenden Konzerne des FTSE 100, weisen jedoch oft eine stärkere Verankerung im britischen Binnenmarkt auf. Daraus ergibt sich eine gewisse Differenzierung in der Risikostruktur und Marktsensitivität im Vergleich zu anderen Indizes der FTSE-Familie.

Der Index eignet sich daher besonders als Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung Großbritanniens, insbesondere im Hinblick auf Binnenkonjunktur, Konsumverhalten und strukturelle Veränderungen im Mittelstand.

Auswahlkriterien und Zusammensetzung

Die Unternehmen im FTSE 250 sind nach ihrer Marktkapitalisierung (Free-Float-bereinigt) gereiht und belegen die Plätze 101 bis 350 unter den an der London Stock Exchange gehandelten Unternehmen. Die Zusammensetzung wird auf Grundlage eines regelbasierten Verfahrens regelmäßig angepasst. Zentrale Kriterien sind:

  1. Free-Float-Marktkapitalisierung: Nur der frei handelbare Anteil der Aktien wird zur Bestimmung des Indexgewichts herangezogen. Beteiligungen von Großaktionären, Regierungen oder strategischen Investoren werden ausgeschlossen.

  2. Handelsliquidität: Es gelten Mindestanforderungen an das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen und die Marktzugänglichkeit.

  3. Primärnotierung: Die Unternehmen müssen an der London Stock Exchange gelistet sein und spezifische regulatorische Anforderungen erfüllen.

Die Zusammensetzung wird quartalsweise überprüft. Unternehmen, deren Marktkapitalisierung stark gestiegen oder gefallen ist, können zwischen dem FTSE 100 und dem FTSE 250 wechseln. Dies führt regelmäßig zu sogenannten „Indexaufsteigern“ und „Indexabsteigern“, die an den Märkten besonders beachtet werden.

Gewichtung und Indexberechnung

Der FTSE 250 ist ein kapitalisierungsgewichteter Index, der auf der Marktkapitalisierung des frei handelbaren Aktienanteils basiert. Je größer der Free-Float eines Unternehmens ist, desto stärker ist sein Einfluss auf den Indexwert.

Die Berechnung erfolgt in mehreren Varianten:

  1. Preisindex (Price Return Index): Berücksichtigt ausschließlich Kursveränderungen.

  2. Total Return Index: Integriert ausgeschüttete Dividenden unter der Annahme einer Wiederanlage.

  3. Net Total Return Index: Bezieht Dividenden abzüglich pauschaler Quellensteuer ein.

Der Index wird fortlaufend während der Handelszeiten an der Londoner Börse berechnet. Schlusswerte werden täglich veröffentlicht.

Branchen- und Sektorengewichtung

Der FTSE 250 deckt eine große Bandbreite von Branchen ab. Die Zusammensetzung ist stark von strukturellen Faktoren und der Wirtschaftsstruktur des Vereinigten Königreichs geprägt. Häufig vertretene Sektoren sind:

  1. Industrie und Bau: Bauunternehmen, Ingenieurdienstleister, Maschinenbau

  2. Konsumgüter und Einzelhandel: Mode- und Haushaltswarenhersteller, Supermarktketten

  3. Immobilien: Gewerbeimmobiliengesellschaften, Wohnungsbauunternehmen, REITs

  4. Finanzdienstleistungen: Vermögensverwalter, Beteiligungsgesellschaften, Spezialbanken

  5. Gesundheitswesen und Biotechnologie: Mittlere Pharmaunternehmen, Forschungseinrichtungen

  6. Technologie und Medien: Softwarefirmen, Digitalkonzerne, Verlage

Die Sektorengewichtung verändert sich im Zeitverlauf, je nach Marktentwicklung, Kapitalzuflüssen und Indexrevisionen.

Bedeutung und Nutzung

Der FTSE 250 erfüllt verschiedene Funktionen für Kapitalmarktakteure:

  1. Benchmark für Mid-Cap-Investments: Der Index dient als Vergleichsmaßstab für Investmentfonds, die sich auf mittelgroße britische Unternehmen konzentrieren.

  2. Indikator für Binnenkonjunktur: Da viele enthaltene Unternehmen auf dem britischen Markt tätig sind, wird der Index als Frühindikator für die nationale Wirtschaftsentwicklung betrachtet.

  3. Grundlage für Anlageprodukte: ETFs, Indexzertifikate und strukturierte Produkte nutzen den FTSE 250 als Basiswert.

  4. Vergleichsgröße für Performanceanalysen: Asset Manager, Analysten und institutionelle Investoren verwenden den Index zur Bewertung der relativen Wertentwicklung ihrer Portfolios.

Abgrenzung zu verwandten Indizes

Der FTSE 250 steht in enger Verbindung zu anderen Indizes der FTSE-Familie, insbesondere:

  1. FTSE 100: Umfasst die 100 größten börsennotierten Unternehmen. Diese sind tendenziell internationaler ausgerichtet und stärker im Export tätig.

  2. FTSE 350: Kombiniert den FTSE 100 und den FTSE 250 zu einem Index mit den 350 größten britischen Unternehmen.

  3. FTSE All-Share: Umfasst nahezu alle börsennotierten Unternehmen des Vereinigten Königreichs. Der FTSE 250 ist eine wichtige Komponente innerhalb dieses Gesamtindex.

  4. FTSE SmallCap: Beinhaltet kleinere britische Unternehmen, die hinsichtlich ihrer Marktkapitalisierung unterhalb der Schwelle zum FTSE 250 liegen.

  5. FTSE 100/250 Transition: Unternehmen, die zwischen FTSE 100 und FTSE 250 wechseln, sind regelmäßig im Fokus des Kapitalmarkts. Solche Wechsel haben mitunter spürbare Auswirkungen auf die Kursentwicklung, da sie mit Kapitalumschichtungen in passiven Fonds einhergehen.

Risiken und Einschränkungen

Auch wenn der FTSE 250 eine breitere Diversifikation als der FTSE 100 bietet, bestehen bestimmte Risiken:

  1. Konzentration auf britischen Markt: Die Mehrheit der Unternehmen im Index erwirtschaftet ihre Umsätze primär im Vereinigten Königreich, was ihn anfällig für wirtschaftliche oder politische Risiken innerhalb des Landes macht.

  2. Liquiditätsrisiken bei kleineren Mid Caps: Einige im Index enthaltene Unternehmen können weniger liquide sein als Blue-Chip-Titel, was das Risiko bei größeren Transaktionen erhöht.

  3. Volatilität: Mid-Cap-Werte unterliegen tendenziell stärkeren Schwankungen als Large Caps. Das kann die kurzfristige Wertentwicklung des Index beeinflussen.

  4. Wechselkursrisiken für ausländische Investoren: Da der Index in Pfund Sterling notiert ist, unterliegen internationale Anleger einem potenziellen Währungsrisiko.

Fazit

Der FTSE 250 ist ein zentraler Aktienindex für mittelgroße Unternehmen mit Notierung an der London Stock Exchange. Er bietet eine aussagekräftige und differenzierte Perspektive auf die britische Binnenwirtschaft und dient als wichtige Benchmark für Mid-Cap-Investments. Durch seine breite Branchenstreuung, regelmäßige Überprüfung und solide Indexmethodik ist der FTSE 250 ein etabliertes Analyse- und Anlageinstrument. Investoren sollten jedoch beachten, dass der Index im Vergleich zum stärker international ausgerichteten FTSE 100 empfindlicher auf nationale wirtschaftliche und politische Entwicklungen reagiert. In Kombination mit anderen Indizes bietet der FTSE 250 jedoch eine wertvolle Ergänzung zur ganzheitlichen Betrachtung des britischen Aktienmarkts.