FTSE 350 Börsenlexikon Vorheriger Begriff: FTSE 250 Nächster Begriff: London Stock Exchange (LSE)

Ein Index, der die Wertentwicklung der 350 größten und liquidesten Unternehmen an der London Stock Exchange abbildet, indem er FTSE 100 und FTSE 250 kombiniert, um als umfassende Benchmark für den britischen Aktienmarkt zu dienen

Der FTSE 350 ist ein britischer Aktienindex, der die Kursentwicklung der 350 größten börsennotierten Unternehmen an der London Stock Exchange (LSE) abbildet. Er kombiniert die Unternehmen des FTSE 100 (Large Caps) und des FTSE 250 (Mid Caps) in einem übergeordneten Index. Der FTSE 350 wird von FTSE Russell, einer Tochtergesellschaft der London Stock Exchange Group, berechnet und veröffentlicht. Der Index bietet eine breite und gleichzeitig fokussierte Marktabdeckung und gilt als zentrale Benchmark für den britischen Aktienmarkt insgesamt.

Zielsetzung und Indexkonzept

Der FTSE 350 wurde geschaffen, um ein umfassenderes Bild der britischen Unternehmenslandschaft zu liefern, als es die Einzelindizes FTSE 100 und FTSE 250 jeweils für sich tun. Er verbindet die Marktstärke der größten britischen Konzerne mit der wirtschaftlichen Dynamik der mittelgroßen Unternehmen. Dadurch eignet sich der Index sowohl für die Bewertung der allgemeinen Marktstimmung als auch als Grundlage für Anlageprodukte und Strategien, die auf eine Kombination von Large- und Mid-Cap-Werten setzen.

Im Vergleich zum FTSE All-Share, der nahezu alle britischen börsennotierten Unternehmen umfasst, konzentriert sich der FTSE 350 auf den liquidesten und am stärksten kapitalisierten Teil des Marktes. Dies macht ihn besonders relevant für institutionelle Investoren und Fondsanbieter.

Zusammensetzung und Auswahlkriterien

Der FTSE 350 setzt sich aus folgenden beiden Indizes zusammen:

  1. FTSE 100: Die 100 größten Unternehmen, gemessen an ihrer Free-Float-Marktkapitalisierung.

  2. FTSE 250: Die nachfolgenden 250 Unternehmen, ebenfalls auf Basis ihrer Free-Float-Marktkapitalisierung.

Die Aufnahme in den FTSE 350 erfolgt automatisch, wenn ein Unternehmen in einen dieser beiden Basisindizes aufgenommen wird. Die Kriterien entsprechen daher jenen der zugrunde liegenden Indizes:

  • Marktkapitalisierung auf Free-Float-Basis: Nur der Streubesitz wird berücksichtigt. Strategische Beteiligungen und Anteile von Großaktionären werden ausgeschlossen.

  • Primäre Notierung an der London Stock Exchange

  • Ausreichende Liquidität

  • Regulatorische Zulassung nach dem LSE-Standard

Die Zusammensetzung wird quartalsweise überprüft. Bei diesen regelmäßigen Revisionen können Unternehmen zwischen FTSE 100, FTSE 250 und FTSE SmallCap wechseln, je nach Entwicklung ihrer Marktkapitalisierung.

Gewichtung und Berechnung

Der FTSE 350 ist ein kapitalisierungsgewichteter Index, der nach dem Free-Float-Prinzip berechnet wird. Unternehmen mit höherer Marktkapitalisierung und größerem Streubesitz haben ein entsprechend höheres Gewicht.

Der Index wird in mehreren Varianten angeboten:

  1. Preisindex (Price Return Index): Berücksichtigt ausschließlich Kursveränderungen.

  2. Total Return Index: Integriert Dividenden unter der Annahme einer Wiederanlage.

  3. Net Total Return Index: Bezieht Dividendenzahlungen abzüglich pauschaler Quellensteuer ein.

Die Indexwerte werden während der Handelszeiten in Echtzeit berechnet und regelmäßig veröffentlicht. Der FTSE 350 wird in Pfund Sterling notiert, es existieren jedoch auch Varianten in anderen Währungen, etwa Euro oder US-Dollar, für internationale Anleger.

Branchen- und Sektorengewichtung

Die im FTSE 350 enthaltenen Unternehmen sind auf zahlreiche Branchen verteilt. Die Brancheneinteilung erfolgt nach dem Industry Classification Benchmark (ICB), wobei häufig folgende Sektoren dominieren:

  1. Finanzdienstleistungen: Banken, Versicherer, Vermögensverwalter

  2. Energie und Rohstoffe: Öl-, Gas- und Bergbauunternehmen

  3. Gesundheitswesen: Pharma- und Biotechnologieunternehmen

  4. Industrie und Bau: Maschinenbau, Ingenieursdienstleistungen, Infrastruktur

  5. Konsumgüter und Einzelhandel: Lebensmittel-, Luxus- und Haushaltswarenhersteller

  6. Technologie und Medien: Softwareanbieter, Digitalunternehmen, Verlage

Da der FTSE 100 in der Gewichtung deutlich stärker in den Index einfließt als der FTSE 250, haben auch dessen sektorale Schwerpunkte (z. B. Energie, Finanzen, Gesundheitswesen) einen überproportionalen Einfluss auf den FTSE 350.

Bedeutung und Nutzung

Der FTSE 350 erfüllt unterschiedliche Funktionen innerhalb des britischen Finanzsystems:

  1. Benchmark für aktiv und passiv gemanagte Fonds: Er bietet eine ausgewogene Mischung aus großen und mittelgroßen Unternehmen und dient als Referenz für zahlreiche Aktienfonds und ETFs.

  2. Indikator für den britischen Gesamtmarkt: Aufgrund der Kombination von Large und Mid Caps liefert der Index ein umfassenderes Bild der britischen Börsenentwicklung als der FTSE 100 allein.

  3. Grundlage für Derivate und strukturierte Produkte: Optionen, Futures oder Zertifikate nutzen den FTSE 350 als Basiswert.

  4. Analyseinstrument für Markt- und Risikoanalysen: Asset Manager verwenden den Index zur Beurteilung von Portfolioexposition, Volatilität und Allokationsstrategien im Vereinigten Königreich.

Abgrenzung zu verwandten Indizes

Der FTSE 350 grenzt sich von anderen Indizes derselben Familie wie folgt ab:

  1. FTSE 100: Beinhaltet ausschließlich die größten Unternehmen. Der FTSE 350 deckt darüber hinaus auch den mittleren Marktbereich ab.

  2. FTSE 250: Enthält nur Mid Caps. Im FTSE 350 sind diese integriert, jedoch mit geringerem Gewicht.

  3. FTSE All-Share: Umfasst zusätzlich auch Small Caps und bietet damit eine noch breitere Marktabdeckung. Der FTSE 350 ist fokussierter und stärker auf Liquidität ausgerichtet.

  4. FTSE SmallCap: Ergänzt den FTSE 350 durch kleinere Unternehmen, ist jedoch volatiler und weniger liquide.

  5. FTSE UK Index Series: Der FTSE 350 ist ein zentraler Bestandteil dieser übergeordneten Indexreihe, die eine systematische Klassifikation des britischen Aktienmarkts bietet.

Risiken und Einschränkungen

Trotz seiner Breite und Bedeutung ist auch der FTSE 350 mit bestimmten Risiken verbunden:

  1. Marktdominanz großer Unternehmen: Da die Gewichtung kapitalisierungsbasiert erfolgt, dominieren die größten FTSE-100-Unternehmen den Index und können die Gesamtentwicklung stark beeinflussen.

  2. Binnenmarktbezogene Sensitivität: Der FTSE 250 – und damit ein Teil des FTSE 350 – ist stärker auf das Vereinigte Königreich fokussiert. Politische oder wirtschaftliche Ereignisse im Inland haben direkten Einfluss.

  3. Währungsrisiko für internationale Anleger: Der Index wird in Pfund Sterling notiert. Für Investoren mit anderer Referenzwährung besteht ein Wechselkursrisiko.

  4. Sektorkonzentration: Einzelne Branchen wie Finanzdienstleistungen oder Energie sind stark gewichtet, was zu Klumpenrisiken führen kann.

Fazit

Der FTSE 350 ist ein umfassender britischer Aktienindex, der die 350 größten börsennotierten Unternehmen an der London Stock Exchange abbildet. Er verbindet die Marktkapitalstärke des FTSE 100 mit der konjunkturellen Sensitivität des FTSE 250 und bietet somit eine ausgewogene Perspektive auf den britischen Aktienmarkt. Als Benchmark, Anlagebasis und Analyseinstrument ist der Index im institutionellen und privaten Anlagesegment weit verbreitet. Trotz seiner breiten Streuung sollten Investoren die Struktur und Gewichtung des Index sowie potenzielle Konzentrations- und Währungsrisiken bei der Nutzung berücksichtigen. Der FTSE 350 bleibt ein zentrales Instrument zur Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung Großbritanniens und zur Umsetzung breit diversifizierter Anlagestrategien im Vereinigten Königreich.