FTSE All-Share Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Alternative Investment Market (AIM) Nächster Begriff: Unlisted Trading Privilege (UTP)

Ein Index, der die Wertentwicklung fast aller an der London Stock Exchange gelisteten Unternehmen abbildet, um als umfassende Benchmark für den britischen Aktienmarkt zu dienen

Der FTSE All-Share Index ist ein umfassender Aktienindex, der die Wertentwicklung der am Main Market der London Stock Exchange (LSE) notierten Unternehmen mit ausreichender Größe und Liquidität abbildet. Er wurde im Jahr 1962 eingeführt und stellt eine zentrale Kennzahl für die Beobachtung des britischen Aktienmarkts dar. Der Index wird von FTSE Russell, einer Tochtergesellschaft der London Stock Exchange Group (LSEG), berechnet und veröffentlicht.

Der FTSE All-Share kombiniert drei Hauptsegmente der britischen Börsenlandschaft: den FTSE 100, den FTSE 250 und den FTSE SmallCap. Er umfasst dadurch insgesamt rund 600 Unternehmen und deckt etwa 98 % der britischen Streubesitz-Marktkapitalisierung ab. Der Index gilt als repräsentativster Gesamtmarktindex für Großbritannien.

Zielsetzung und Bedeutung

Der FTSE All-Share Index dient als Gesamtmarktbenchmark für die britische Aktienlandschaft und ist insbesondere für institutionelle Investoren, Vermögensverwalter und Analysten von großer Bedeutung. Im Gegensatz zu Indizes mit engerem Fokus wie dem FTSE 100, der nur Großunternehmen umfasst, bietet der FTSE All-Share eine breite Marktabdeckung, die große, mittelgroße und kleinere Unternehmen einschließt.

Der Index wird unter anderem genutzt für:

  1. Benchmarking von aktiven und passiven Anlagestrategien im britischen Markt

  2. Portfolioallokation über verschiedene Unternehmensgrößen hinweg

  3. Analyse makroökonomischer Trends innerhalb des Vereinigten Königreichs

  4. Entwicklung von Finanzprodukten wie ETFs, Indexfonds oder strukturierte Zertifikate

Zusammensetzung und Struktur

Der FTSE All-Share setzt sich aus folgenden drei Teilindizes zusammen:

  1. FTSE 100 Index
    Umfasst die 100 größten börsennotierten Unternehmen in Großbritannien nach streubesitzbereinigter Marktkapitalisierung. Diese Titel machen den Großteil der Gewichtung im FTSE All-Share aus.

  2. FTSE 250 Index
    Beinhaltet die 250 nächstgrößeren Unternehmen nach dem FTSE 100. Sie gelten als Mid-Cap-Unternehmen und sind stärker auf die britische Binnenwirtschaft ausgerichtet.

  3. FTSE SmallCap Index
    Enthält Unternehmen, die kleiner sind als die 350 im FTSE 100 und FTSE 250 gelisteten Werte, aber die Anforderungen an Liquidität und Marktkapitalisierung für eine Aufnahme erfüllen.

Kleinere Unternehmen, die diese Anforderungen nicht erfüllen, insbesondere AIM-notierte Firmen, sind nicht Teil des FTSE All-Share Index.

Gewichtung und Berechnungsmethodik

Der FTSE All-Share ist ein kapitalisierungsgewichteter Index, bei dem ausschließlich der frei handelbare Anteil (Free Float) der Aktien berücksichtigt wird. Das bedeutet, dass Großaktionärsanteile – etwa von Gründerfamilien, Regierungen oder strategischen Investoren – bei der Gewichtung ausgeklammert werden.

Die Berechnung erfolgt in Echtzeit während der Handelszeiten der London Stock Exchange. Um Verzerrungen durch Kapitalmaßnahmen wie Aktiensplits oder Fusionen zu vermeiden, wird ein Indexdivisor eingesetzt, der solche Veränderungen neutralisiert.

Zudem stehen mehrere Varianten des Index zur Verfügung:

  • Preisindex (Price Return Index): Bezieht sich ausschließlich auf Kursveränderungen

  • Brutto-Gesamtrenditeindex (Gross Total Return Index): Berücksichtigt ausgeschüttete Dividenden vor Abzug von Quellensteuer

  • Netto-Gesamtrenditeindex (Net Total Return Index): Bezieht Dividendenzahlungen nach Quellensteuer ein

Repräsentativität und Branchenstruktur

Da der FTSE All-Share rund 98 % der streubesitzbereinigten Marktkapitalisierung Großbritanniens abdeckt, gilt er als maßgeblicher Indikator für die Entwicklung des gesamten britischen Aktienmarkts. Durch die Kombination aus Large-, Mid- und Small-Caps ermöglicht er eine differenzierte Betrachtung über verschiedene Unternehmensgrößen hinweg.

Die Branchenstruktur des Index ist breit gefächert. Zu den typischerweise stark vertretenen Sektoren gehören:

  • Finanzdienstleistungen (z. B. Banken, Versicherungen)

  • Rohstoffe und Energie (z. B. Öl- und Bergbaugesellschaften)

  • Konsumgüter (z. B. Lebensmittel, Einzelhandel)

  • Gesundheitswesen (z. B. Pharma, Medizintechnik)

  • Industrie (z. B. Maschinenbau, Transport)

  • Telekommunikation und Technologie

Die genaue sektorale Gewichtung ist abhängig von der Marktkapitalisierung der Unternehmen und unterliegt marktbedingten Schwankungen.

Überprüfung und Anpassung

Die Zusammensetzung des FTSE All-Share Index wird vierteljährlich überprüft, jeweils im März, Juni, September und Dezember. Im Rahmen dieser Überprüfungen erfolgt eine Anpassung der in den drei Subindizes enthaltenen Unternehmen, wodurch sich auch die Zusammensetzung des Gesamtindex ändern kann. Die Kriterien für Zu- oder Abstieg basieren auf:

  • Streubesitz-Marktkapitalisierung

  • Handelsvolumen und Liquidität

  • Notierung im Main Market der London Stock Exchange

Die Anpassungen werden jeweils von FTSE Russell veröffentlicht und in der Regel zwei Wochen nach Bekanntgabe umgesetzt.

Abgrenzung zu anderen FTSE-Indizes

Indexname Abdeckung Unternehmensgröße Besonderheit
FTSE 100 100 größte Unternehmen Large Caps Exportorientiert, stark internationalisiert
FTSE 250 Unternehmen Nr. 101–350 Mid Caps stärker auf britische Binnenwirtschaft fokussiert
FTSE 350 FTSE 100 + FTSE 250 Large + Mid Caps keine Small Caps enthalten
FTSE SmallCap unterhalb der Top 350 Small Caps kleinere Unternehmen mit LSE-Notierung
FTSE All-Share Kombination aus obigen drei Large + Mid + Small Caps umfassendster Index des britischen Markts
FTSE AIM All-Share Unternehmen im AIM-Segment Sehr kleine Firmen unregulierter Markt, separate Struktur

Anwendung im Investmentbereich

Der FTSE All-Share wird in der Praxis für zahlreiche Zwecke verwendet:

  1. Benchmarking
    Aktiv gemanagte britische Aktienfonds nutzen den Index als Vergleichsgröße für ihre Wertentwicklung.

  2. Indexfonds und ETFs
    Mehrere Fondsprodukte bilden den FTSE All-Share vollständig oder in modifizierter Form ab, um eine kosteneffiziente Anlage in den britischen Gesamtmarkt zu ermöglichen.

  3. Portfolioallokation
    Anleger können mit dem Index die Entwicklung einzelner Marktsegmente (z. B. Small Caps vs. Large Caps) analysieren und entsprechend gewichten.

  4. Risikobewertung und Diversifikation
    Die breite Streuung über Sektoren und Unternehmensgrößen macht den Index zu einem geeigneten Instrument für die Beurteilung systemischer Risiken im britischen Aktienmarkt.

  5. Grundlage für Derivate
    Futures und strukturierte Produkte basieren teilweise direkt auf dem FTSE All-Share oder seinen Subindizes.

Fazit

Der FTSE All-Share Index ist der umfassendste Aktienindex für den britischen Markt, da er Unternehmen aller Größenklassen aus dem regulierten Segment der London Stock Exchange einbezieht. Er kombiniert die wichtigsten britischen Subindizes – FTSE 100, FTSE 250 und FTSE SmallCap – zu einem aussagekräftigen Gesamtmarktindikator. Durch seine breite Streuung, kapitalisierungsgewichtete Struktur und regelmäßige Aktualisierung dient er als zentrale Benchmark für Anleger, Fondsmanager und Analysten, die die wirtschaftliche Entwicklung des Vereinigten Königreichs über den Kapitalmarkt verfolgen möchten.