FTSE Russell Börsenlexikon Vorheriger Begriff: FTSE SmallCap Nächster Begriff: FTSE AIM All-Share

Ein Anbieter von Indizes und Daten, der die Wertentwicklung globaler Aktienmärkte misst und Benchmarks für Investoren schafft, um Portfoliomanagement und Performancevergleiche zu erleichtern

FTSE Russell ist ein weltweit tätiger Anbieter von Börsenindizes, Indexdaten und analytischen Dienstleistungen für institutionelle Investoren, Vermögensverwalter und Finanzinstitute. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der London Stock Exchange Group (LSEG) und entstand im Jahr 2015 aus dem Zusammenschluss von FTSE Group (ursprünglich Financial Times Stock Exchange) und Russell Investments’ index business. FTSE Russell entwickelt, berechnet und veröffentlicht eine Vielzahl von Aktien-, Anleihen- und Multi-Asset-Indizes, die weltweit als Benchmarks für Anlageprodukte, Fondsmanagement und Risikoüberwachung dienen.

Mit mehreren zehntausend Indizes in über 70 Ländern zählt FTSE Russell zu den führenden Indexanbietern der Welt, vergleichbar mit MSCI, S&P Dow Jones Indices oder Bloomberg. Die Indizes von FTSE Russell bilden die Grundlage für ein weltweites Anlagevolumen in Billionenhöhe, insbesondere im Bereich passiver Finanzprodukte wie ETFs (Exchange Traded Funds) und Indexfonds.

Unternehmensstruktur und Geschichte

Die Ursprünge der Marke FTSE liegen in der Zusammenarbeit der britischen Tageszeitung Financial Times und der London Stock Exchange. Die FTSE Group wurde 1995 als Joint Venture gegründet. Die Marke Russell geht auf das US-amerikanische Unternehmen Russell Investments zurück, das in den 1980er-Jahren mit der Einführung des Russell 1000 und Russell 2000 Index einen Standard für die Abbildung des US-Aktienmarkts setzte. 2014 wurde das Indexgeschäft von Russell durch die London Stock Exchange Group übernommen und ein Jahr später mit der FTSE Group zusammengeführt.

Heute operiert FTSE Russell als eigenständige Indexmarke innerhalb der LSEG, mit globaler Präsenz in den USA, Europa, Asien und dem Nahen Osten.

Hauptaufgaben und Funktionen

FTSE Russell entwickelt und verwaltet Indizes für unterschiedliche Anlageklassen und strategische Zielsetzungen. Die Hauptfunktionen des Unternehmens umfassen:

  1. Indexentwicklung
    Konzeption und Konstruktion regelbasierter Indizes für Aktien, Anleihen, Multi-Asset-Portfolios und thematische Anlagestrategien.

  2. Datenbereitstellung
    Veröffentlichung von Echtzeit- und End-of-Day-Daten zu Indexständen, Zusammensetzungen, Gewichtungen und Performancekennzahlen.

  3. Benchmarking
    Bereitstellung von Referenzwerten für Fondsmanager, um die Performance aktiver oder passiver Strategien zu bewerten.

  4. Produktbasis für Finanzinstrumente
    Grundlage für eine Vielzahl börsengehandelter Produkte, insbesondere ETFs, Futures, Optionen und strukturierte Finanzinstrumente.

  5. Anpassungsmanagement
    Regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Indexzusammensetzung entsprechend der Entwicklung von Marktkapitalisierung, Streubesitz, Liquidität und regulatorischen Anforderungen.

  6. Klassifizierung von Märkten
    FTSE Russell klassifiziert Länder weltweit in drei Kategorien: Developed Markets, Advanced Emerging Markets und Frontier Markets. Diese Einordnung beeinflusst die Ländergewichtung in globalen Indizes.

Wichtige Indexfamilien

FTSE Russell verwaltet eine Vielzahl von Indizes, die in unterschiedlichen Regionen und Marktsegmenten Anwendung finden. Zu den bekanntesten gehören:

1. FTSE UK Index Series

  • FTSE 100: Die 100 größten Unternehmen an der London Stock Exchange

  • FTSE 250: Die nächstgrößeren 250 Unternehmen

  • FTSE 350: Kombination aus FTSE 100 und FTSE 250

  • FTSE SmallCap und Fledgling: Kleinere britische Unternehmen

  • FTSE All-Share: Gesamtmarkt Großbritanniens

2. FTSE Global Equity Index Series (GEIS)

  • FTSE All-World Index: Rund 3.900 Large- und Mid-Cap-Aktien weltweit

  • FTSE Global All Cap Index: Enthält auch Small Caps, etwa 9.000 Unternehmen

  • FTSE Developed / Emerging Markets Indices: Regionale Unterteilungen nach Marktstatus

  • FTSE Developed Europe / North America / Asia Pacific: Regionale Schwerpunkte

3. Russell US Indexes

  • Russell 1000: Die 1.000 größten US-Unternehmen

  • Russell 2000: US-amerikanische Small Caps

  • Russell 3000: Gesamtmarkt USA

  • Russell Midcap Index: Fokus auf mittelgroße US-Unternehmen

4. Spezial- und Themenindizes

  • FTSE ESG Index Series: Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien

  • FTSE Climate Transition Indexes

  • FTSE Factor Indexes: Gewichtung nach Stilfaktoren wie Value, Momentum oder Quality

  • FTSE Custom Indices: Maßgeschneiderte Lösungen für institutionelle Kunden

Methodik und Transparenz

FTSE Russell wendet eine regelbasierte und transparente Methodik bei der Indexkonstruktion an. Die Kriterien für Indexaufnahme und -gewichtung umfassen typischerweise:

  • Streubesitzbereinigte Marktkapitalisierung

  • Liquidität und Handelsvolumen

  • Hauptnotierung in einem relevanten Börsensegment

  • Klassifizierung nach Branche, Region und Unternehmensgröße

Die Indizes werden regelmäßig angepasst, typischerweise vierteljährlich, um Veränderungen in den Märkten und bei den Unternehmen abzubilden. Die Methodiken werden offen dokumentiert und auf der Website von FTSE Russell veröffentlicht.

Bedeutung für Investoren

FTSE Russell-Indizes erfüllen mehrere Schlüsselrollen im globalen Finanzsystem:

  1. Indexbasierte Investmentprodukte
    Milliardenbeträge sind in ETFs, Indexfonds und Derivate investiert, die auf FTSE- und Russell-Indizes basieren.

  2. Portfoliokonstruktion und Asset Allocation
    Vermögensverwalter nutzen die Indizes zur strategischen Gewichtung ihrer Portfolios über Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen hinweg.

  3. Performancevergleich (Benchmarking)
    Fondsmanager vergleichen ihre Renditen mit FTSE-Referenzindizes, um ihre Leistung zu bewerten.

  4. Marktklassifizierung und Kapitalflüsse
    Die Einstufung eines Landes in eine höhere Marktklasse (z. B. von „Emerging“ zu „Developed“) kann zu erheblichen Kapitalzuflüssen führen, da viele institutionelle Investoren ihre Allokationen an den Indexkompositionen ausrichten.

  5. Transparenz und regulatorische Anforderungen
    Viele Regulierungsbehörden und institutionelle Rahmenwerke akzeptieren FTSE Russell-Indizes als zugelassene Benchmarks für Anlagerichtlinien und Risikomodelle.

Fazit

FTSE Russell ist ein global führender Indexanbieter mit einer breiten Produktpalette, die alle wesentlichen Anlageklassen, Regionen und Marktsegmente abdeckt. Als Tochtergesellschaft der London Stock Exchange Group bietet das Unternehmen standardisierte und individuelle Lösungen für Investoren weltweit. Durch die Entwicklung von Indexfamilien wie der FTSE UK Index Series, der FTSE Global Equity Index Series und den Russell US Indexes leistet FTSE Russell einen wesentlichen Beitrag zur Strukturierung, Bewertung und Steuerung moderner Kapitalmarktanlagen. Die hohe Methodentransparenz, die regelmäßige Aktualisierung und die weltweite Anerkennung machen FTSE Russell zu einem zentralen Instrument für strategische und taktische Anlageentscheidungen.