FTSE UK Index Series Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Nikkei Stock Average Nächster Begriff: FTSE Fledgling

Eine Indexserie, die die Wertentwicklung von Unternehmen an der London Stock Exchange nach Größenklassen und Sektoren segmentiert, um als differenzierte Benchmarks für den britischen Aktienmarkt zu dienen

Die FTSE UK Index Series ist eine umfassende Gruppe von Aktienindizes, die von FTSE Russell, einer Tochtergesellschaft der London Stock Exchange Group (LSEG), berechnet und veröffentlicht wird. Sie dient als systematische Klassifikation und Abbildung der britischen Aktienmärkte und stellt sowohl für inländische als auch für internationale Investoren eine zentrale Informations- und Bewertungsgrundlage dar. Die Indizes dieser Serie sind nach Marktkapitalisierung, Liquidität und Streubesitz konzipiert und decken verschiedene Marktsegmente ab – von Großunternehmen bis hin zu kleineren Gesellschaften.

Die FTSE UK Index Series erfüllt mehrere Funktionen: Sie dient als Benchmark für Fonds, bildet die Grundlage für passive Anlageprodukte wie ETFs und Zertifikate und wird von Analysten sowie institutionellen Investoren zur Marktbeobachtung und Portfolioallokation herangezogen.

Struktur der Indexfamilie

Die bekannteste Untergruppe der FTSE UK Index Series ist die nach Marktkapitalisierung strukturierte FTSE UK Equity Index Series, die Unternehmen aus dem regulierten Marktsegment der London Stock Exchange umfasst. Die wichtigsten Komponenten dieser Serie sind:

  1. FTSE 100 Index
    Der Leitindex des britischen Aktienmarktes. Er umfasst die 100 größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung, die an der London Stock Exchange notiert sind und bestimmte Anforderungen an Liquidität und Streubesitz erfüllen. Der FTSE 100 wird häufig als Barometer für die wirtschaftliche Lage Großbritanniens herangezogen, obwohl viele seiner Unternehmen stark international ausgerichtet sind.

  2. FTSE 250 Index
    Umfasst die nächstgrößeren 250 Unternehmen, die dem FTSE 100 nachfolgen. Diese Firmen gelten als Vertreter der britischen Binnenwirtschaft, da sie tendenziell stärker auf den inländischen Markt fokussiert sind.

  3. FTSE 350 Index
    Eine Kombination aus FTSE 100 und FTSE 250. Er umfasst somit die 350 größten börsennotierten Unternehmen Großbritanniens und bietet eine umfassendere Abdeckung des Marktes als der FTSE 100 allein.

  4. FTSE SmallCap Index
    Beinhaltet kleinere börsennotierte Unternehmen, die nicht im FTSE 350 enthalten sind, aber dennoch bestimmte Anforderungen an Marktkapitalisierung und Liquidität erfüllen. Er bietet eine differenzierte Perspektive auf das Segment kleinerer Unternehmen im Vereinigten Königreich.

  5. FTSE All-Share Index
    Dieser Index vereint die Titel des FTSE 100, FTSE 250 und FTSE SmallCap zu einem breit angelegten Gesamtmarktindex. Er wird häufig als Benchmark für den gesamten britischen Aktienmarkt verwendet.

  6. FTSE Fledgling Index
    Umfasst Unternehmen, die zwar alle qualitativen Kriterien erfüllen, jedoch eine zu geringe Marktkapitalisierung besitzen, um in einen der oben genannten Hauptindizes aufgenommen zu werden. Er ist weniger bedeutend für institutionelle Anlagezwecke.

Kriterien für Indexaufnahme

Die Aufnahme in die FTSE UK Index Series basiert auf einem transparenten Regelwerk, das regelmäßig überprüft wird. Die wichtigsten Kriterien sind:

  1. Marktkapitalisierung (Free Float Adjusted)
    Die Gewichtung innerhalb der Indizes erfolgt auf Basis der frei handelbaren Marktkapitalisierung. Dabei werden nur die Anteile eines Unternehmens berücksichtigt, die tatsächlich im Streubesitz sind. Großbeteiligungen, etwa durch Regierungen oder Gründerfamilien, werden herausgerechnet.

  2. Liquidität
    Die Aktien müssen ein bestimmtes durchschnittliches Handelsvolumen und eine Mindestanzahl an Handelstagen aufweisen, um als ausreichend liquide zu gelten.

  3. Börsensegment und Hauptnotierung
    Die Unternehmen müssen an der London Stock Exchange im Segment für börsennotierte Unternehmen (Main Market) notiert sein. Alternative Marktsegmente wie AIM (Alternative Investment Market) sind von der Indexaufnahme ausgeschlossen.

  4. Nationalität und Geschäftssitz
    Für die Aufnahme ist entscheidend, dass ein Unternehmen im Sinne der FTSE-Richtlinien als „UK Company“ gilt. Dazu zählen unter anderem Kriterien wie rechtlicher Hauptsitz, Rechnungslegung nach britischem Recht oder steuerliche Registrierung in Großbritannien.

Anpassungen und Überprüfungen

Die Zusammensetzung der Indizes wird vierteljährlich überprüft – in der Regel im März, Juni, September und Dezember. Bei diesen Überprüfungen wird festgestellt, ob Unternehmen in andere Indizes auf- oder absteigen, je nach veränderter Marktkapitalisierung oder anderer relevanter Faktoren. Solche Umstellungen können bedeutende Marktreaktionen hervorrufen, da viele passive Fonds und ETFs die Indexzusammensetzung exakt nachbilden müssen und deshalb entsprechende Käufe oder Verkäufe tätigen.

Außerordentliche Anpassungen sind ebenfalls möglich, etwa bei Fusionen, Übernahmen, Insolvenzen oder Delistings.

Gewichtung und Berechnungsmethodik

Alle Indizes der FTSE UK Index Series sind kapitalisierungsgewichtet, wobei ausschließlich der Streubesitz berücksichtigt wird (Free Float Adjusted Market Capitalization). Dies führt dazu, dass größere und liquider gehandelte Unternehmen eine stärkere Gewichtung im Index besitzen, während Unternehmen mit beschränktem Streubesitz trotz hoher Gesamtkapitalisierung ein geringeres Gewicht aufweisen.

Die Berechnung erfolgt fortlaufend während der Handelszeiten der Londoner Börse und basiert auf Echtzeitdaten der Kursentwicklung. Zur Sicherstellung der historischen Vergleichbarkeit wird bei Veränderungen in der Zusammensetzung ein entsprechender Divisor angepasst.

Bedeutung für Investoren und Märkte

Die FTSE UK Index Series hat eine hohe praktische Relevanz für den Finanzmarkt:

  • Benchmarking: Viele britische und internationale Fonds verwenden die Indizes als Maßstab für die Portfolioentwicklung.

  • Investmentprodukte: Die Indizes dienen als Grundlage für eine Vielzahl passiver Anlageprodukte, darunter ETFs, Indexfonds, Futures und strukturierte Derivate.

  • Marktanalyse: Sie ermöglichen eine differenzierte Analyse der britischen Kapitalmärkte, aufgeteilt nach Unternehmensgröße und Branchensegmenten.

  • Regulatorische Funktionen: Die FTSE-Indizes sind häufig Bestandteil regulatorischer Vorschriften zur Risikokontrolle und Kapitalanlage, insbesondere bei institutionellen Investoren.

Internationale Vergleichbarkeit

Die FTSE UK Index Series ist Teil einer globalen Indexfamilie von FTSE Russell, die vergleichbare Indizes für andere Märkte bereitstellt. Dies erlaubt eine lückenlose internationale Vergleichbarkeit, insbesondere bei global diversifizierten Anlageportfolios.

Darüber hinaus sind viele FTSE-Indizes Bestandteil internationaler Benchmark-Systeme wie dem MSCI World, was ihre Bedeutung für globale Investoren weiter erhöht. Auch im Rahmen von ESG-orientierten Anlagestrategien werden zunehmend FTSE-Indizes mit Nachhaltigkeitskriterien entwickelt, etwa durch spezielle Versionen der FTSE 100 oder FTSE All-Share.

Fazit

Die FTSE UK Index Series bildet ein umfassendes und strukturiertes System zur Abbildung des britischen Aktienmarktes. Die Indizes dieser Serie – insbesondere der FTSE 100, FTSE 250 und FTSE All-Share – sind zentrale Referenzgrößen für Investoren, Analysten und Finanzinstitutionen. Durch die klare Methodik, regelmäßige Anpassungen und international vergleichbare Standards bietet die Indexfamilie eine belastbare Grundlage für Portfolioanalysen, Produktentwicklungen und Investitionsentscheidungen. Ihre kapitalisierungsgewichtete Struktur sowie die Fokussierung auf Streubesitz gewährleisten eine realitätsnahe Abbildung der Marktverhältnisse in Großbritannien.