FTX.US Börsenlexikon Vorheriger Begriff: FTT-Token Nächster Begriff: FTX-Kollaps (2022)
ine US-amerikanische Kryptowährungsbörse, die als Tochtergesellschaft von FTX operierte und den Handel mit digitalen Vermögenswerten für US-Kunden ermöglichte, bis sie 2022 im Zuge der Insolvenz des Mutterkonzerns zusammenbrach
FTX.US war die US-amerikanische Tochtergesellschaft der internationalen Kryptobörse FTX, die speziell für den Handel in den Vereinigten Staaten konzipiert war. Sie startete 2020 mit dem Ziel, ein regulierungskonformes Angebot bereitzustellen, das den strengen US-Gesetzen und Aufsichtsbehörden – insbesondere der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) und der Securities and Exchange Commission (SEC) – entspricht. FTX.US bot im Vergleich zur globalen FTX-Plattform ein reduziertes Produktspektrum an, um den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden.
Zweck und strategische Ausrichtung
FTX.US sollte eine legale Möglichkeit für US-Kunden schaffen, Kryptowährungen zu handeln, ohne auf ausländische Plattformen ausweichen zu müssen. Die strategische Positionierung war zweifach:
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Regulatorische Compliance: Einhaltung von KYC- (Know Your Customer) und AML-Vorschriften (Anti-Money Laundering) sowie anderer US-spezifischer Finanzregeln.
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Markterschließung: Zugang zum großen US-Markt, der für internationale Börsen sonst stark eingeschränkt ist.
Das Unternehmen trat in Konkurrenz zu etablierten US-Börsen wie Coinbase, Kraken oder Gemini, versuchte sich jedoch durch wettbewerbsfähige Gebühren, eine moderne Handelsoberfläche und Anbindung an das internationale FTX-Ökosystem abzuheben.
Angebotene Produkte und Dienstleistungen
FTX.US bot im Vergleich zur globalen Plattform ein eingeschränktes Sortiment:
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Spot-Handel: Handel mit einer Auswahl an Kryptowährungen gegen US-Dollar oder Stablecoins.
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OTC-Handel (Over-the-Counter): Direkte Großtransaktionen für institutionelle Kunden.
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NFT-Marktplatz: Eine Plattform für den Kauf, Verkauf und das Minten von NFTs, die auch fiatbasiert nutzbar war.
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Krypto-Zahlungslösungen: Integration von Zahlungsfunktionen für Händler und Unternehmen.
Komplexe Produkte wie hochgehebelte Futures, Perpetual Swaps oder tokenisierte Aktien waren aufgrund regulatorischer Einschränkungen in den USA nicht verfügbar.
Eigentümerstruktur und Verbindung zu FTX
FTX.US wurde wie die globale FTX-Börse von Sam Bankman-Fried geführt, allerdings mit einer separaten Geschäftsführung und rechtlichen Struktur, um regulatorische Vorgaben einzuhalten. Offiziell sollten Kundengelder, Unternehmensvermögen und Handelsaktivitäten strikt von der internationalen Plattform getrennt bleiben.
Die US-Plattform nutzte dennoch Teile der technischen Infrastruktur und des Markenauftritts der globalen Börse. Alameda Research, das mit FTX eng verbundene Handelsunternehmen, spielte auch hier eine indirekte Rolle als Liquiditätsanbieter.
Wachstum und Marktanteil
Obwohl FTX.US im Vergleich zur internationalen FTX kleineren Marktanteil hatte, wuchs die Plattform im Jahr 2021 schnell. Das Unternehmen behauptete, zu den fünf größten US-Kryptobörsen nach Handelsvolumen zu gehören. Aggressives Marketing, prominente Sponsoringverträge und der Start eines NFT-Marktplatzes sollten die Markenbekanntheit steigern.
Im Gegensatz zur internationalen Version bemühte sich FTX.US aktiv um Beziehungen zu Regulierungsbehörden und warb öffentlich mit der Bereitschaft, bei der Entwicklung von Kryptogesetzen mitzuwirken.
Zusammenbruch und Insolvenz
Im Zuge der Insolvenz der globalen FTX im November 2022 geriet auch FTX.US in Schieflage. Obwohl Sam Bankman-Fried zunächst öffentlich behauptete, die US-Plattform sei „vollständig liquide“ und unabhängig vom Mutterunternehmen, ergaben spätere Untersuchungen, dass auch hier Kundengelder nicht sauber getrennt und teilweise für konzerninterne Zwecke verwendet wurden.
Die Insolvenzmeldung von FTX.US folgte wenige Tage nach jener der internationalen Plattform. Kunden hatten nur eingeschränkten oder gar keinen Zugriff mehr auf ihre Einlagen. Der Handelsbetrieb wurde vollständig eingestellt.
Regulatorische und juristische Konsequenzen
Nach dem Zusammenbruch wurden straf- und zivilrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Behörden wie die SEC und CFTC untersuchten insbesondere, ob irreführende Aussagen zur finanziellen Unabhängigkeit von FTX.US gemacht wurden. Die Verbindung zu Alameda Research und die mutmaßliche Weiterleitung von Kundengeldern sind zentrale Punkte in den juristischen Verfahren.
Fazit
FTX.US war als regulierungskonforme US-Tochter von FTX konzipiert und bot eine abgespeckte Version der internationalen Handelsplattform. Trotz eines soliden Wachstums und einer klaren Compliance-Strategie wurde das Unternehmen letztlich durch die strukturellen und finanziellen Probleme der Muttergesellschaft mit in den Kollaps gezogen. Der Fall verdeutlicht, dass selbst rechtlich getrennte Einheiten innerhalb eines Konzerns nicht vor den Folgen zentraler Managementfehler und Risikokonzentrationen geschützt sind.