FTX Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Mint-and-Redeem-System Nächster Begriff: FTT-Token

Eine ehemals führende Kryptowährungsbörse, die 2019 von Sam Bankman-Fried und Gary Wang gegründet wurde, 2022 jedoch aufgrund von finanzieller Misswirtschaft und Betrugsvorwürfen zusammenbrach, was zu einem Chapter-11-Bankrott und erheblichen Verlusten für Nutzer führte

FTX war eine zentrale, international tätige Kryptowährungsbörse, die sowohl den Handel mit Spot-Produkten als auch mit komplexen Derivaten anbot. Gegründet wurde sie 2019 von Sam Bankman-Fried und Gary Wang und entwickelte sich in kurzer Zeit zu einer der größten Handelsplattformen im Kryptosektor. FTX zeichnete sich durch ein breites Produktspektrum, eine hohe Innovationsgeschwindigkeit und eine aggressive Expansion aus, bevor das Unternehmen im November 2022 spektakulär zusammenbrach.

Geschäftsmodell und Angebot

FTX bot eine Vielzahl von Handelsmöglichkeiten an, die über das hinausgingen, was viele klassische Kryptobörsen im Portfolio hatten:

  1. Spot-Handel: Kauf und Verkauf von Kryptowährungen zu aktuellen Marktpreisen.

  2. Futures und Perpetual Swaps: Terminkontrakte mit Hebelwirkung, die auf verschiedene Kryptowährungen lauteten.

  3. Optionen: Derivate, mit denen sich auf Preisbewegungen spekulieren oder Absicherungsstrategien umsetzen ließen.

  4. Tokenisierte Aktien: Handel mit blockchainbasierten Abbildungen von Aktien realer Unternehmen.

  5. Leveraged Tokens: Gehebelte ERC-20-Token, die es ermöglichten, Long- oder Short-Positionen mit festem Hebel ohne direkten Einsatz von Marginkonten einzugehen.

Neben der Hauptplattform betrieb FTX mit FTX.US eine regulierungsorientierte US-Version mit eingeschränktem Produktangebot.

Unternehmensstruktur und FTT-Token

Der native Token der Plattform, FTT, spielte eine wichtige Rolle im Ökosystem. Er wurde genutzt, um Handelsgebühren zu reduzieren, als Sicherheit für Futures-Positionen zu dienen und an speziellen Staking-Programmen teilzunehmen. Ein Teil der von FTX erzielten Gebühren floss in Rückkäufe und das anschließende Verbrennen (Burn) von FTT, was den Token potenziell verknappen sollte.

FTX war eng mit der Handelsfirma Alameda Research verbunden, die von denselben Gründern ins Leben gerufen wurde. Alameda agierte als Market Maker und handelte in großem Umfang auf FTX sowie anderen Plattformen. Die enge operative und finanzielle Verzahnung zwischen beiden Unternehmen spielte später eine zentrale Rolle beim Zusammenbruch.

Aufstieg zur Marktführerschaft

Innerhalb weniger Jahre stieg FTX zu einem der größten Kryptohandelsplätze weltweit auf. Faktoren für das schnelle Wachstum waren:

  • Innovatives Produktangebot im Derivatehandel.

  • Hohe Liquidität durch die Aktivitäten von Alameda Research.

  • Aggressive Marketingstrategien, darunter Sponsoring großer Sportveranstaltungen und Partnerschaften mit bekannten Persönlichkeiten.

  • Benutzerfreundliche Oberfläche kombiniert mit komplexen Handelsfunktionen.

Zusammenbruch im Jahr 2022

Im November 2022 kam es innerhalb weniger Tage zu einem massiven Vertrauensverlust in FTX. Auslöser war die Veröffentlichung von Finanzdokumenten, die nahelegten, dass Alameda Research in erheblichem Umfang FTT als Sicherheiten nutzte und beide Unternehmen stark von diesem intern emittierten Token abhängig waren.

Der Auslöser der Krise war eine Mischung aus:

  1. Liquiditätsengpass: Kunden forderten in kurzer Zeit massive Auszahlungen.

  2. Fehlende Trennung von Kundengeldern und Unternehmensvermögen: Berichten zufolge wurden Kundengelder an Alameda weitergeleitet, um Handelsverluste auszugleichen.

  3. Vertrauensverlust: Die Abhängigkeit von einem illiquiden Eigen-Token als Sicherungsinstrument schwächte die Bilanz massiv.

Innerhalb weniger Tage meldete FTX Insolvenz nach Chapter 11 in den USA an. Der FTT-Token verlor nahezu seinen gesamten Wert, und Milliarden an Kundengeldern waren verschwunden oder blockiert.

Juristische und regulatorische Folgen

Nach dem Kollaps wurden strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Sam Bankman-Fried und weitere Führungskräfte sahen sich Anklagen wegen Betrugs, Geldwäsche und Verstößen gegen Wertpapiergesetze gegenüber. Regulierungsbehörden weltweit nutzten den Fall als Beispiel für die Notwendigkeit strengerer Vorschriften im Kryptosektor.

Der Fall FTX hat mehrere regulatorische Debatten neu entfacht:

  • Verpflichtende Trennung von Kundengeldern.

  • Strengere Offenlegungspflichten für Krypto-Börsen.

  • Überwachung von verbundenen Unternehmen zur Vermeidung von Interessenkonflikten.

Auswirkungen auf den Kryptomarkt

Der Zusammenbruch von FTX hatte weitreichende Folgen:

  • Verlust von Marktvertrauen in zentralisierte Kryptobörsen.

  • Kettenreaktionen bei anderen Unternehmen, die Gelder auf FTX hielten oder mit FTT besichert waren.

  • Rückgang der Liquidität im Kryptomarkt, insbesondere im Derivatehandel.

  • Stärkere Verlagerung hin zu dezentralen Börsen (DeFi), bei denen Nutzer die Kontrolle über ihre Vermögenswerte behalten.

Fazit

FTX war in kurzer Zeit zu einer dominanten Kryptobörse aufgestiegen, deren Innovationskraft und aggressives Wachstum sie an die Spitze des Marktes führten. Der rapide Zusammenbruch im Jahr 2022 offenbarte jedoch schwerwiegende strukturelle und organisatorische Mängel, insbesondere die Vermischung von Kundengeldern mit eigenen Handelsaktivitäten über Alameda Research. Der Fall gilt heute als einer der größten Skandale in der Geschichte der Kryptowährungen und hat nachhaltig das regulatorische Umfeld sowie das Vertrauen der Nutzer in zentrale Handelsplattformen verändert.