Future Commission Merchant (FCM) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Fazilität Nächster Begriff: Fed (Federal Reserve)

Ein Finanzintermediär, der Kundenorders für Futures und Optionen ausführt, Clearing übernimmt und Margin-Anforderungen verwaltet, um regulierten Handel an Terminbörsen zu ermöglichen

Future Commission Merchant (FCM) ist ein Begriff aus dem US-amerikanischen Finanz- und Derivatemarkt und bezeichnet ein Finanzinstitut oder Unternehmen, das für Kunden Termingeschäfte (Futures und Optionen auf Futures) an einer Börse abwickeln darf. Der Begriff ist in den Vereinigten Staaten gesetzlich definiert und reguliert, insbesondere durch die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) und die Selbstregulierungsorganisation National Futures Association (NFA). FCMs spielen eine zentrale Rolle im börslichen Derivatehandel, indem sie als Vermittler zwischen Kunden und Terminbörsen fungieren, Kundengelder verwahren und regulatorische Anforderungen erfüllen.

Definition und rechtlicher Rahmen

Ein Future Commission Merchant ist gemäß dem US Commodity Exchange Act eine natürliche oder juristische Person, die:

  1. Kundenaufträge zur Ausführung von Futures oder Optionen auf Futures entgegennimmt, und

  2. dafür Kundengelder, Sicherheiten oder Eigentum entgegennimmt oder akzeptiert, sei es direkt oder indirekt.

FCMs müssen bei der CFTC registriert sein und sind verpflichtet, Mitglieder der NFA zu sein. Zusätzlich unterliegen sie einer Vielzahl von regulatorischen Anforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Trennung von Kundengeldern (Segregation), Kapitalanforderungen und Transparenzpflichten.

Funktion und Aufgaben eines FCM

Ein FCM erfüllt mehrere wichtige Aufgaben im Rahmen des Terminhandels:

  1. Orderausführung
    Ein FCM nimmt Kundenaufträge für Futures und Optionen entgegen und leitet diese zur Ausführung an eine Terminbörse (z. B. CME, ICE) weiter. Der FCM tritt dabei nicht zwangsläufig als Eigenhändler auf, sondern vermittelt die Geschäfte.

  2. Kundenkontenführung
    Der FCM führt segregierte Kundenkonten, auf denen Einlagen (Margins) verwahrt werden. Diese Konten dienen als Sicherheit für offene Positionen und unterliegen strengen Anforderungen hinsichtlich Transparenz und Sicherung.

  3. Marginverwaltung
    FCMs berechnen und überwachen die Marginanforderungen für die gehaltenen Positionen ihrer Kunden. Bei Unterschreitung der erforderlichen Sicherheitsleistung kann der FCM Margin Calls auslösen oder Positionen schließen.

  4. Clearing und Abwicklung
    Viele FCMs sind gleichzeitig Mitglieder von Clearinghäusern (z. B. CME Clearing, ICE Clear US) oder arbeiten mit diesen zusammen. Sie übernehmen die Abwicklung der gehandelten Kontrakte und gewährleisten die Einhaltung der finanziellen Verpflichtungen aus den Geschäften.

  5. Berichterstattung und Compliance
    FCMs unterliegen umfassenden Meldepflichten gegenüber der CFTC, der NFA und den Börsen. Dazu zählen tägliche und monatliche Berichte über Kundengelder, Eigenkapitalausstattung, Risikomanagement und Handelsaktivitäten.

  6. Beratung und Dienstleistungen
    Viele FCMs bieten zusätzliche Dienstleistungen wie Risikoberatung, technologische Schnittstellen (z. B. API-Zugänge), Research-Reports oder Schulungen an. Sie betreuen sowohl institutionelle Kunden als auch professionelle Einzelanleger.

Struktur und Marktteilnehmer

Der Markt der FCMs ist von einer klaren Struktur geprägt:

  • Unabhängige FCMs: Diese agieren eigenständig und konzentrieren sich ausschließlich auf den Handel und die Abwicklung von Derivaten. Sie verfügen oft über eigene Clearing-Mitgliedschaften.

  • Banken und Investmenthäuser: Viele große FCMs sind Tochtergesellschaften oder Geschäftsbereiche großer Finanzkonzerne wie JPMorgan, Goldman Sachs oder Citigroup. Sie bieten zusätzlich Zugang zu anderen Anlageklassen.

  • Introducing Brokers (IBs): Diese arbeiten mit FCMs zusammen, indem sie Kunden akquirieren und betreuen, während der FCM die technische Abwicklung und Verwahrung übernimmt. Die Geschäftsbeziehung ist vertraglich geregelt.

Ein Kunde im Terminhandel benötigt in der Regel Zugang zu einem FCM, um an einer regulierten Terminbörse handeln zu können. Selbst institutionelle Kunden wie Hedgefonds, Commodity Trading Advisors (CTAs) oder Rohstoffproduzenten arbeiten mit FCMs zusammen, um ihre Derivategeschäfte umzusetzen.

Regulierung und Aufsicht

Die Tätigkeit eines FCM ist streng reguliert:

  • Commodity Futures Trading Commission (CFTC): Die US-Bundesbehörde ist für die Überwachung der Derivatemärkte zuständig. Sie erteilt Zulassungen und führt Prüfungen durch.

  • National Futures Association (NFA): Diese Selbstregulierungsorganisation legt Verhaltensregeln fest, führt Audits durch und sanktioniert Regelverstöße. Sie verlangt von FCMs u. a. regelmäßige Berichte zu Finanzkennzahlen und Kundengeldern.

  • Kundenschutzvorschriften: FCMs müssen Kundengelder getrennt vom eigenen Vermögen verwahren. Bei Insolvenz des FCM dürfen Kundengelder nicht in die Insolvenzmasse einfließen. Die Einhaltung dieser Vorschriften wird regelmäßig geprüft.

  • Kapitalanforderungen: FCMs müssen über ein Mindestmaß an Eigenkapital verfügen, das sich nach dem Umfang ihrer Kundenverpflichtungen richtet. Dies dient der Stabilität und Risikobegrenzung im Finanzsystem.

Unterschiede zu anderen Finanzakteuren

Der FCM unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von anderen Teilnehmern im Finanzmarkt:

  1. Im Gegensatz zu Brokern im klassischen Wertpapiergeschäft agiert ein FCM nicht primär im Aktienhandel, sondern im börslichen Derivatehandel.

  2. Ein FCM verwahrt und verwaltet Kundengelder für den Marginhandel, während ein Introducing Broker dies nicht tut, sondern lediglich Orders entgegennimmt.

  3. Ein FCM ist clearingfähig oder arbeitet mit einem Clearing Member zusammen, um Kontrakte rechtswirksam zu erfüllen. Dies unterscheidet ihn von Händlern ohne Clearingzugang.

  4. Im Vergleich zu Market Makern nimmt ein FCM typischerweise keine eigene Handelsposition ein, sondern agiert im Auftrag und auf Rechnung der Kunden.

Bedeutung im Derivatemarkt

FCMs sind ein zentraler Bestandteil des regulierten Terminmarktes. Sie stellen sicher, dass Geschäfte effizient, rechtskonform und finanziell abgesichert abgewickelt werden können. Ihre Rolle ist besonders in Märkten mit hohem Handelsvolumen und systemischer Bedeutung (z. B. Zinsswaps, Rohstoff-Futures, Währungsderivate) unverzichtbar.

Die Stabilität und Verlässlichkeit von FCMs trägt zur Funktionsfähigkeit des gesamten Derivatesystems bei. Im Zuge der Finanzkrise 2008 wurde die Rolle der FCMs nochmals hervorgehoben, insbesondere im Hinblick auf Risikomanagement, Transparenz und Kundenschutz.

Fazit

Ein Future Commission Merchant (FCM) ist ein lizenzierter Vermittler für den Handel mit börsengehandelten Futures und Optionen in den USA. Er übernimmt zentrale Funktionen wie Orderausführung, Marginmanagement, Verwahrung von Kundengeldern sowie die Abwicklung über Clearinghäuser. Als regulierter Finanzakteur trägt der FCM entscheidend zur Sicherheit und Effizienz des Derivatemarkts bei. Aufgrund seiner spezifischen Funktion im Zusammenhang mit Termingeschäften unterscheidet sich der FCM sowohl von klassischen Wertpapierbrokern als auch von Eigenhändlern. Die Einhaltung regulatorischer Vorschriften und die Fähigkeit, auch in volatilen Marktphasen stabil zu operieren, machen FCMs zu einem unverzichtbaren Bestandteil der modernen Finanzmarktinfrastruktur.