Goldblock (1930er-Jahre) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Numismatik Nächster Begriff: Dollar-Gold-Konvertierbarkeit

Ein Versuch, Währungsstabilität durch den Verbleib im Goldstandard zu sichern

Der Goldblock war eine Gruppe europäischer Länder in den 1930er-Jahren, die trotz der Weltwirtschaftskrise am Goldstandard festhielten. Dazu gehörten vor allem Frankreich, Belgien, die Niederlande, Italien, die Schweiz und Polen. Diese Staaten bildeten bis 1936 eine Art Währungsunion mit festen Wechselkursen, während viele andere Länder – insbesondere Großbritannien (1931) und die USA (1933) – ihre Währungen vom Gold entkoppelten und abwerteten, um ihre Wirtschaft anzukurbeln.

Der Goldblock sollte wirtschaftliche Stabilität und Währungsdisziplin sichern, wurde jedoch letztlich zu einem wirtschaftlichen Nachteil, da die starren Wechselkurse in einer Zeit globaler Krisen die wirtschaftliche Erholung erschwerten. Schließlich zerbrach der Goldblock 1936, als Frankreich als letzte große Nation gezwungen war, den Goldstandard aufzugeben.

Hintergrund: Die Weltwirtschaftskrise und das Goldstandard-Dilemma

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 hatte verheerende Folgen für die Weltwirtschaft:

  • Bankenzusammenbrüche und ein dramatischer Rückgang der Industrieproduktion.
  • Massive Arbeitslosigkeit und soziale Unruhen in vielen Ländern.
  • Rückgang des Welthandels, da Länder zunehmend protektionistische Maßnahmen einführten.

Viele Länder suchten nach Lösungen, um ihre Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Eine der Maßnahmen war die Abwertung der Währung, um Exporte zu fördern und die inländische Produktion zu stärken. Doch dies war für Länder, die noch am Goldstandard hingen, nicht möglich.

Bildung des Goldblocks (1933–1936)

1. Wer gehörte zum Goldblock?

  • Frankreich (führendes Mitglied)
  • Belgien
  • Schweiz
  • Niederlande
  • Italien (bis 1934)
  • Polen

Diese Länder entschieden sich, den Goldstandard beizubehalten, um Vertrauen in ihre Währung zu erhalten und Kapitalflucht zu vermeiden.

2. Warum hielten diese Länder am Goldstandard fest?

  • Angst vor Inflation: Viele Entscheidungsträger glaubten, dass eine Währungsabwertung zu Hyperinflation führen könnte.
  • Bewahrung internationaler Glaubwürdigkeit: Besonders Frankreich wollte sich als wirtschaftlich stabile Nation präsentieren.
  • Goldreserven als Absicherung: Frankreich und die Schweiz hatten erhebliche Goldbestände.

Folgen und Probleme des Goldblocks

Obwohl die Stabilität der Währungen gewahrt blieb, hatte der Goldblock schwerwiegende wirtschaftliche Nachteile:

1. Wirtschaftlicher Niedergang und Deflation

  • Ohne die Möglichkeit, ihre Währungen abzuwerten, blieben Exporte teuer und die Wettbewerbsfähigkeit sank.
  • Die Preise fielen weiter, was Unternehmen und Banken unter Druck setzte.
  • Wirtschaftswachstum blieb aus, während andere Länder sich bereits erholten.

2. Isolation vom internationalen Handel

  • Großbritannien (1931) und die USA (1933) hatten ihre Währungen bereits abgewertet, wodurch ihre Exporte billiger wurden.
  • Der Goldblock hingegen verlor Marktanteile, da seine Produkte im Vergleich zu teuer waren.

3. Politische Spannungen und Währungsabwertungen

  • Belgien verließ den Goldblock bereits 1935 und wertete seine Währung ab.
  • Frankreich hielt am längsten durch, musste aber 1936 ebenfalls kapitulieren.
  • Als der Goldblock auseinanderbrach, werteten alle verbliebenen Mitgliedsstaaten ihre Währungen ab.

Auflösung des Goldblocks (1936)

  • Im September 1936 gab Frankreich den Goldstandard auf und wertete den Franc um etwa 30 % ab.
  • Damit war der Goldblock de facto beendet, da kein großes Mitgliedsland mehr an der Goldbindung festhielt.
  • Der Schritt half Frankreich und anderen Ländern, ihre Wirtschaft langsam zu stabilisieren.

Bedeutung und Lehren aus dem Goldblock

  1. Starrer Währungsstandard in Krisenzeiten ist problematisch
    • Der Goldstandard verhinderte eine flexible Reaktion auf wirtschaftliche Schocks.
  2. Währungsabwertung kann eine sinnvolle Maßnahme sein
    • Großbritannien und die USA erholten sich schneller, während der Goldblock stagnierte.
  3. Internationale Währungskoordination ist entscheidend
    • Isolierte Maßnahmen einzelner Länder führten zu wirtschaftlichen Ungleichgewichten.

Fazit

Der Goldblock der 1930er-Jahre war ein Versuch, Währungsstabilität durch den Verbleib im Goldstandard zu sichern. Doch die starre Geldpolitik erwies sich als wirtschaftlich nachteilig. Während andere Nationen ihre Währungen abwerteten und sich langsam erholten, litten die Goldblock-Staaten unter Deflation, Exportproblemen und wirtschaftlicher Stagnation. Letztendlich zeigte das Scheitern des Goldblocks, dass eine flexible Geldpolitik in Krisenzeiten essenziell ist – eine Lehre, die für spätere Währungssysteme, einschließlich des heutigen Fiat-Geldsystems, von großer Bedeutung war.