Großer Verfallstag Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Graumarktpreis Nächster Begriff: Grundkapital

Der dritte Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember, an dem gleichzeitig Futures und Optionen auf Indizes sowie Optionen auf Einzelaktien an den Terminbörsen verfallen, was zu erhöhten Handelsvolumina, verstärkter Volatilität und oft deutlichen Kursbewegungen führt

Der große Verfallstag bezeichnet einen festgelegten Termin an den Terminbörsen, an dem eine Vielzahl von derivativen Finanzinstrumenten gleichzeitig verfällt. Dazu zählen insbesondere Optionen und Futures auf Aktien sowie auf Aktienindizes. Dieser Tag tritt in der Regel viermal im Jahr auf, typischerweise im März, Juni, September und Dezember.

Im internationalen Sprachgebrauch wird der große Verfallstag häufig als „Triple Witching Day“ oder „Quadruple Witching Day“ bezeichnet, je nachdem, wie viele Arten von Derivaten gleichzeitig verfallen.

Grundlagen und Einordnung

Der große Verfallstag ist ein bedeutendes Ereignis im Börsenhandel, da an diesem Tag zahlreiche Terminkontrakte ihre Gültigkeit verlieren. Mit dem Verfall endet das Recht oder die Verpflichtung aus diesen Kontrakten, sodass sie entweder ausgeübt, glattgestellt oder wertlos verfallen.

Betroffen sind insbesondere:

  1. Optionen auf einzelne Aktien

  2. Optionen auf Aktienindizes

  3. Futures auf Aktienindizes

  4. In einigen Fällen auch Futures auf Einzelaktien

Durch das gleichzeitige Auslaufen dieser Instrumente entstehen erhöhte Handelsaktivitäten, die sich auf die Kursentwicklung auswirken können.

Funktionsweise

Der große Verfallstag ist durch die Struktur von Terminmärkten bedingt. Derivate haben eine begrenzte Laufzeit, die zu einem bestimmten Termin endet. Dieser Termin ist standardisiert und fällt bei vielen Kontrakten auf denselben Tag.

Am Verfallstag müssen Marktteilnehmer entscheiden, wie sie mit ihren Positionen umgehen:

  1. Ausübung der Option

  2. Verkauf oder Kauf zur Glattstellung

  3. Verfall ohne Ausübung

Diese Entscheidungen führen zu erhöhten Handelsvolumina, da viele Positionen gleichzeitig angepasst werden.

Auswirkungen auf die Märkte

Der große Verfallstag kann erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben. Besonders auffällig ist häufig eine erhöhte Volatilität, also stärkere Kursschwankungen.

Ein Grund dafür ist die hohe Konzentration von offenen Positionen, die am Verfallstag aufgelöst werden müssen. Dies kann zu kurzfristigen Angebots- und Nachfrageschwankungen führen.

Zudem versuchen Marktteilnehmer, insbesondere institutionelle Investoren, ihre Positionen so zu steuern, dass sie von bestimmten Kursniveaus profitieren. Dies kann zu gezielten Handelsaktivitäten führen, die die Kursentwicklung beeinflussen.

Einfluss auf Aktienkurse

Besonders betroffen sind häufig Aktien oder Indizes, auf die sich eine große Anzahl von Derivaten bezieht. In der Nähe bestimmter Ausübungspreise kann es zu verstärkten Kursbewegungen kommen.

Ein bekanntes Phänomen ist die sogenannte „Magnetwirkung“, bei der sich Kurse in Richtung bestimmter Preisniveaus bewegen, an denen viele Optionen auslaufen. Diese Effekte sind jedoch nicht immer eindeutig und können von vielen Faktoren beeinflusst werden.

Bedeutung für Marktteilnehmer

Für verschiedene Marktteilnehmer hat der große Verfallstag unterschiedliche Bedeutung.

Institutionelle Investoren nutzen den Termin häufig zur Anpassung ihrer Portfolios oder zur Absicherung von Positionen. Für sie ist der Verfallstag ein wichtiger Bestandteil des Risikomanagements.

Private Anleger hingegen beobachten den großen Verfallstag häufig, da er kurzfristige Kursbewegungen verursachen kann. Allerdings ist es schwierig, diese Bewegungen zuverlässig vorherzusagen.

Strategische Aspekte

Der große Verfallstag spielt auch eine Rolle in bestimmten Handelsstrategien. Einige Marktteilnehmer versuchen, von den erwarteten Kursbewegungen zu profitieren.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Märkte in dieser Phase oft schwer berechenbar sind. Die Vielzahl an Einflussfaktoren und die hohe Marktaktivität können zu unvorhersehbaren Entwicklungen führen.

Internationale Perspektive

Der große Verfallstag ist ein globales Phänomen und betrifft alle wichtigen Terminmärkte weltweit. Die genauen Termine und betroffenen Instrumente können je nach Markt variieren, folgen jedoch meist einem ähnlichen Muster.

In den USA wird häufig zwischen „Triple Witching“ und „Quadruple Witching“ unterschieden, je nachdem, ob drei oder vier Arten von Derivaten gleichzeitig verfallen.

Grenzen der Aussagekraft

Obwohl der große Verfallstag häufig mit erhöhter Volatilität verbunden ist, sollte seine Bedeutung nicht überschätzt werden. Nicht jeder Verfallstag führt zu außergewöhnlichen Marktbewegungen.

Zudem sind die Effekte oft kurzfristig und können durch andere Marktbedingungen überlagert werden. Eine isolierte Betrachtung dieses Ereignisses ist daher nicht ausreichend für fundierte Anlageentscheidungen.

Fazit

Der große Verfallstag ist ein bedeutender Termin an den Finanzmärkten, an dem zahlreiche Derivate gleichzeitig auslaufen. Er führt häufig zu erhöhten Handelsvolumina und kann kurzfristige Kursschwankungen verursachen. Für institutionelle Investoren ist er ein wichtiger Bestandteil der Marktmechanik, während private Anleger vor allem die möglichen Auswirkungen auf die Kursentwicklung beobachten. Trotz seiner Relevanz sollte der große Verfallstag im Kontext anderer Marktfaktoren betrachtet werden, da seine Effekte nicht immer eindeutig oder vorhersehbar sind.