Hedera Hashgraph Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Variable Blockzeiten Nächster Begriff: HBAR (Hedera)

Ein öffentliches Distributed-Ledger-Netzwerk, das den Hashgraph-Konsensalgorithmus nutzt, um schnelle, sichere und energieeffiziente Transaktionen sowie Smart Contracts zu ermöglichen, gesteuert von einem dezentralen Rat aus Unternehmen

Hedera Hashgraph ist eine dezentrale Distributed-Ledger-Plattform, die sich technologisch grundlegend von klassischen Blockchains unterscheidet. Anstelle einer Blockchain-Struktur verwendet Hedera ein neuartiges Konsensverfahren namens Hashgraph, das auf einem gerichteten azyklischen Graphen (DAG) basiert. Das Ziel von Hedera ist es, eine öffentliche Plattform bereitzustellen, die skalierbar, sicher, fair und energieeffizient ist – insbesondere im Vergleich zu bestehenden Blockchain-Netzwerken. Der native Token von Hedera heißt HBAR und erfüllt zentrale Funktionen wie Transaktionsgebührenzahlung, Netzwerksicherheit und Staking.

Technologischer Hintergrund: Hashgraph statt Blockchain

Im Gegensatz zu traditionellen Blockchains, bei denen Transaktionen in sequentielle Blöcke gepackt und nacheinander zur Kette hinzugefügt werden, basiert Hashgraph auf einem asynchronen Konsensmechanismus, bei dem Knoten Informationen direkt und parallel austauschen. Das Verfahren nennt sich Gossip-about-Gossip und arbeitet wie folgt:

  1. Jeder Knoten sendet Informationen über Transaktionen (Events) an andere zufällig gewählte Knoten.

  2. Bei jeder Weitergabe fügt der Knoten eine „Gossip-Übertragung“ hinzu, die angibt, von wem die Information stammt und wann sie empfangen wurde.

  3. Über die Zeit entsteht ein gerichteter azyklischer Graph (DAG), in dem der Ablauf aller Transaktionen rekonstruiert werden kann.

  4. Durch eine mathematisch belegte Methode – die asynchrone byzantinische Fehlertoleranz (aBFT) – wird ein Konsens über die Reihenfolge der Transaktionen erzielt.

Diese Struktur erlaubt eine hohe Parallelität, kurze Latenzzeiten und deterministische Finalität – ohne Mining, Leader-Wahl oder Blockproduktion im klassischen Sinne.

Eigenschaften und Leistungsdaten

Hedera strebt an, wesentliche Probleme bestehender Blockchain-Netze zu lösen, insbesondere im Hinblick auf Leistung, Energieverbrauch und Fairness. Einige zentrale Leistungsmerkmale (Stand: öffentliches Netzwerk, 2025) sind:

  • Transaktionsgeschwindigkeit: Mehr als 10.000 Transaktionen pro Sekunde (tps) im Basisnetzwerk (Zahlungen)

  • Finalität: Innerhalb von 3–5 Sekunden

  • Gebühren: Gering und vorab kalkulierbar (typisch: unter 0,001 USD pro Transaktion)

  • Energieeffizienz: Deutlich geringer als bei Proof-of-Work-Systemen (z. B. Bitcoin)

Diese Eigenschaften machen Hedera geeignet für Anwendungen in Bereichen wie Micropayments, Identitätslösungen, Lieferkettenmanagement, Gaming und Tokenisierung realer Vermögenswerte.

Governance-Modell: Hedera Governing Council

Ein zentrales Strukturmerkmal von Hedera ist das Governance-Modell, das bewusst nicht vollständig permissionless ist. Die Plattform wird von einem Governing Council aus maximal 39 international tätigen Organisationen geführt, darunter Unternehmen wie Google, IBM, Deutsche Telekom, Boeing, LG und Standard Bank. Aufgaben des Councils sind unter anderem:

  • Festlegung technischer Richtlinien und Protokolländerungen

  • Aufsicht über Software-Updates und Netzwerkerweiterungen

  • Verwaltung des Open-Source-Codes

  • Staking-Governance und Gebührenpolitik

Die Mitglieder sitzen rotierend im Council, um zentrale Abhängigkeiten zu vermeiden. Ziel ist es, ein Gleichgewicht zwischen Dezentralität und unternehmensnaher Stabilität zu schaffen. Dieses Modell unterscheidet sich deutlich von klassischen, vollständig offenen Blockchain-Netzwerken wie Ethereum oder Bitcoin.

HBAR – Der native Token

HBAR ist der native Utility-Token von Hedera Hashgraph und übernimmt mehrere zentrale Funktionen:

  1. Zahlung von Transaktionsgebühren: Alle Vorgänge im Hedera-Netzwerk erfordern HBAR, wodurch Spam-Angriffe verhindert werden.

  2. Netzwerksicherheit: Im zukünftigen offenen Staking-Modell können HBAR von Teilnehmern delegiert werden, um den Konsensprozess abzusichern.

  3. Tokenisierung: HBAR dient als Recheneinheit bei der Erstellung und dem Transfer von fungiblen und nicht-fungiblen Token (NFTs) über die Hedera Token Service (HTS).

  4. Ressourcenzuteilung: Zugriff auf Netzwerkressourcen wie Speicherplatz oder Rechenkapazität kann durch HBAR priorisiert werden.

Der Gesamtvorrat ist auf 50 Milliarden HBAR festgelegt. Die Verteilung erfolgt schrittweise über mehrere Jahre. Die Hedera Foundation verwaltet einen Großteil der Tokenreserven für Ökosystemförderung, Partnerschaften und Staking-Initiativen.

Hedera-Dienste

Hedera bietet neben dem Konsensdienst auch mehrere spezialisierte Services, die eine flexible Nutzung der Plattform ermöglichen:

  1. Hedera Consensus Service (HCS)
    Ermöglicht dezentrale Zeitstempelung und Protokollierung von Ereignissen mit garantierter Reihenfolge und Unveränderlichkeit.

  2. Hedera Token Service (HTS)
    Unterstützt die Erstellung und Verwaltung eigener Token (fungibel und nicht-fungibel) mit geringem Aufwand, ohne Smart Contracts.

  3. Hedera Smart Contract Service (HSCS)
    Bietet EVM-kompatible Smart-Contracts, die über Solidity programmiert und ausgeführt werden können.

  4. Hedera File Service (HFS)
    Ermöglicht das dezentrale Speichern und Abrufen kleiner Dateien (z. B. für Metadaten, Zertifikate oder Konfigurationsdaten).

Diese Services richten sich sowohl an Entwicklerinnen und Entwickler als auch an Unternehmen mit spezifischen Integrationsbedarfen.

Sicherheit und Konsensmechanismus

Das asynchrone byzantinisch fehlertolerante (aBFT) Konsensmodell von Hedera gilt als eines der höchstsichersten bekannten Verfahren in der Welt verteilter Systeme. Es gewährleistet:

  • Unmanipulierbare Transaktionsreihenfolge

  • Endgültige Konsensfindung ohne Forks oder Reorganisationen

  • Schutz gegen DDoS- und Timing-Angriffe

  • Deterministische Verarbeitung (keine Wahrscheinlichkeitsmodelle wie bei PoW)

Gleichzeitig erfordert dieser Ansatz aktuell noch eine gewisse Zentralisierung durch den Governing Council, was von Teilen der Community kritisch gesehen wird.

Kritikpunkte und Herausforderungen

Trotz technischer Fortschritte und hoher Effizienz wird Hedera Hashgraph in bestimmten Aspekten kritisiert:

  • Teilweise zentralisierte Struktur: Die Auswahl und Kontrolle durch große Unternehmen widerspricht dem Ideal der vollständigen Dezentralität.

  • Zugriffsbeschränkungen: Nicht jeder kann einen Knoten betreiben, was die Teilnahme am Konsensprozess einschränkt.

  • Proprietäre Ursprungstechnologie: Hashgraph ist zwar mittlerweile quelloffen, wurde aber ursprünglich durch ein Patent geschützt.

  • Konkurrenz durch etablierte Plattformen: Ethereum, Solana oder Cosmos verfügen über größere Entwickler-Ökosysteme und Marktanteile.

Fazit

Hedera Hashgraph ist ein innovatives, nicht-blockchainbasiertes Distributed-Ledger-Protokoll, das durch hohe Transaktionsgeschwindigkeit, Energieeffizienz und deterministische Finalität überzeugt. Mit dem Hashgraph-Konsens und dem HBAR-Token bietet Hedera eine skalierbare Alternative zu klassischen Blockchains – insbesondere für Anwendungen mit hohen Anforderungen an Durchsatz, Stabilität und Governance-Klarheit. Das hybride Modell aus technischer Dezentralität und institutioneller Steuerung durch den Governing Council stellt einen einzigartigen Ansatz dar, dessen Erfolg maßgeblich davon abhängt, ob das Ökosystem Vertrauen, Offenheit und Wachstum nachhaltig vereinen kann.