Housing and Economic Recovery Act (HERA) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Office of Federal Housing Enterprise Oversight (OFHEO) Nächster Begriff: Community Development Block Grants (CDBG)

Eine entscheidende Maßnahme zur Stabilisierung des US-Wohnungsmarktes während der Finanzkrise

Der Housing and Economic Recovery Act (HERA) ist ein US-amerikanisches Bundesgesetz, das am 30. Juli 2008 verabschiedet wurde, um auf die Immobilien- und Finanzkrise von 2007–2008 zu reagieren. Sein Hauptziel war es, den stark angeschlagenen Immobilienmarkt zu stabilisieren, notleidenden Hausbesitzern zu helfen und die Regulierung der beiden größten Hypothekenfinanzierer der USA – Fannie Mae und Freddie Mac – zu verbessern.

Das Gesetz führte eine Reihe bedeutender Reformen ein, darunter die Gründung der Federal Housing Finance Agency (FHFA) als neue Regulierungsbehörde und die Bereitstellung von Finanzhilfen für betroffene Hausbesitzer und Gemeinden.

Hintergrund und Notwendigkeit des HERA

In den Jahren vor 2008 hatten sich die US-Immobilienmärkte stark überhitzt. Banken vergaben in großem Umfang riskante Hypothekenkredite, insbesondere an Kreditnehmer mit schlechter Bonität (Subprime-Kredite). Diese Kredite wurden von Fannie Mae und Freddie Mac gekauft, gebündelt und als Wertpapiere weiterverkauft.

Als die Immobilienpreise ab 2006 fielen, konnten viele Hausbesitzer ihre Kredite nicht mehr bedienen, was zu massiven Verlusten bei Banken und Finanzinstituten führte. Der Markt für hypothekenbesicherte Wertpapiere kollabierte, und Fannie Mae sowie Freddie Mac gerieten in eine schwere finanzielle Krise.

Um das Finanzsystem vor dem vollständigen Zusammenbruch zu bewahren, verabschiedete der US-Kongress den Housing and Economic Recovery Act (HERA) von 2008.

Kerninhalte des Housing and Economic Recovery Act

Das HERA-Gesetz bestand aus mehreren wesentlichen Komponenten:

1. Gründung der Federal Housing Finance Agency (FHFA)

  • Die FHFA übernahm die Aufsicht über Fannie Mae, Freddie Mac und das Federal Home Loan Bank System.
  • Sie ersetzte das schwache Office of Federal Housing Enterprise Oversight (OFHEO) und den Federal Housing Finance Board (FHFB).
  • Die FHFA erhielt stärkere Befugnisse zur Regulierung von Kapitalanforderungen, Risikomanagement und Geschäftspraktiken.

2. Zwangsverwaltung (Conservatorship) von Fannie Mae und Freddie Mac

  • Im September 2008 stellte die FHFA Fannie Mae und Freddie Mac unter staatliche Kontrolle, um eine Insolvenz zu verhindern.
  • Die US-Regierung sicherte zu, beide Institutionen mit bis zu 200 Milliarden US-Dollar an Finanzmitteln zu stabilisieren.
  • Ziel war es, die Hypothekenfinanzierung für Hauskäufer weiterhin zu gewährleisten.

3. Housing Assistance and Mortgage Relief Programs

  • Einführung eines Fonds für notleidende Hausbesitzer, um Zwangsversteigerungen zu verhindern.
  • Start des HOPE for Homeowners (H4H)-Programms, das es Kreditnehmern ermöglichte, problematische Hypotheken in langfristig tragbare Kredite umzuwandeln.

4. Community Development Block Grants (CDBG) zur Unterstützung lokaler Gemeinden

  • Bereitstellung von 4 Milliarden US-Dollar für Städte und Gemeinden, um leerstehende und zwangsversteigerte Häuser aufzukaufen, zu sanieren und weiterzuverkaufen.

5. Erweiterung der Federal Housing Administration (FHA)

  • Lockerung der Kriterien für FHA-garantierte Kredite, um mehr Menschen Zugang zu staatlich gesicherten Hypotheken zu ermöglichen.
  • Erhöhung der maximalen Darlehensgrenzen für FHA-Kredite in besonders teuren Wohnmärkten.

6. Regulierung und Kontrolle von Hypothekenvergabepraktiken

  • Einführung neuer Regeln für Banken und Hypothekenvermittler, um unseriöse Kreditvergabe einzuschränken.
  • Verpflichtung zu besseren Offenlegungspflichten für Kreditnehmer, um die Transparenz zu erhöhen.

Auswirkungen des HERA

Das Housing and Economic Recovery Act hatte tiefgreifende Auswirkungen auf das US-Finanzsystem:

  1. Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac

    • Ohne die staatliche Unterstützung wären die beiden größten Hypothekenfinanzierer insolvent gegangen, was eine noch tiefere Finanzkrise ausgelöst hätte.
    • Bis 2012 wurden über 187 Milliarden US-Dollar an Hilfsgeldern bereitgestellt.
  2. Stärkung der Finanzmarktregulierung

    • Die FHFA erhielt weitreichende Befugnisse, um die Risiken im Hypothekenmarkt zu überwachen und eine Wiederholung der Krise zu verhindern.
  3. Stabilisierung des Immobilienmarktes

    • Durch neue Programme konnten viele Hausbesitzer ihre Hypotheken refinanzieren und Zwangsversteigerungen vermeiden.
    • Die Bereitstellung von Finanzmitteln für Gemeinden half, verfallene Häuser zu sanieren und den Wohnungsmarkt zu stabilisieren.
  4. Langfristige Kontrolle über Fannie Mae und Freddie Mac

    • Die Regierung hat bis heute nicht entschieden, ob Fannie Mae und Freddie Mac wieder privatisiert oder in eine staatliche Behörde umgewandelt werden sollen.

Kritik am HERA

Trotz seiner positiven Effekte gab es auch Kritik am Housing and Economic Recovery Act:

  1. Hohe Kosten für Steuerzahler

    • Die Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac erforderte Milliarden von Steuergeldern.
    • Zwar haben die beiden Unternehmen später Gewinne erwirtschaftet und einen Großteil der Hilfen zurückgezahlt, doch die anfängliche Belastung für den Staatshaushalt war enorm.
  2. Fehlende Reform der Hypothekenfinanzierung

    • HERA konnte das grundlegende Problem nicht lösen: Die Abhängigkeit des Hypothekenmarktes von Fannie Mae und Freddie Mac blieb bestehen.
    • Bis heute gibt es keine klare Strategie, wie die Rolle dieser Unternehmen langfristig gestaltet werden soll.
  3. Langsame Wirkung der Hilfsprogramme

    • Viele Programme wie HOPE for Homeowners hatten strenge Zugangsvoraussetzungen, sodass sie weniger Hausbesitzern halfen als ursprünglich geplant.
    • Die Umsetzung der Maßnahmen dauerte länger als erwartet, was dazu führte, dass viele Menschen ihr Haus verloren, bevor sie Unterstützung erhielten.

Fazit

Der Housing and Economic Recovery Act (HERA) von 2008 war eine entscheidende Maßnahme zur Stabilisierung des US-Wohnungsmarktes während der Finanzkrise. Durch die Schaffung der FHFA, die staatliche Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac sowie die Einführung von Hilfsprogrammen für Hausbesitzer konnte die Krise eingedämmt und ein noch größerer wirtschaftlicher Zusammenbruch verhindert werden.

Trotzdem bleiben Herausforderungen bestehen, insbesondere die langfristige Zukunft von Fannie Mae und Freddie Mac sowie die Notwendigkeit weiterer Reformen im Hypothekenmarkt. Während HERA die akute Krise bewältigte, bleibt die Frage offen, wie die Hypothekenfinanzierung in den USA nachhaltig stabilisiert werden kann.