Humphrey-Hawkins Act (1978) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Gramm-Leach-Bliley Act (GLBA) Nächster Begriff: Dodd-Frank Act (2010)

Ein wichtiger Versuch, die wirtschaftliche Steuerung der USA systematischer zu gestalten

Der Humphrey-Hawkins Act, offiziell bekannt als „Full Employment and Balanced Growth Act of 1978“, ist ein bedeutendes US-amerikanisches Gesetz, das die wirtschaftspolitischen Ziele der Vereinigten Staaten festlegte. Es wurde von den Kongressabgeordneten Hubert Humphrey und Augustus Hawkins initiiert und unterzeichnet, um die Beschäftigungs- und Wachstumsziele der US-Wirtschaft klarer zu definieren.

Hintergrund und Entstehung des Gesetzes

In den 1970er-Jahren kämpften die USA mit wirtschaftlichen Problemen wie hoher Inflation, langsamen Wachstumsraten und steigender Arbeitslosigkeit. Besonders die Stagflation – eine seltene Kombination aus stagnierendem Wirtschaftswachstum und hoher Inflation – stellte eine große Herausforderung für die wirtschaftspolitische Steuerung dar.

Die wirtschaftspolitische Debatte drehte sich um die Frage, wie der Staat Beschäftigung und Wachstum fördern kann, ohne die Inflation zu verstärken. In diesem Kontext wurde der Humphrey-Hawkins Act entwickelt, um der US-Regierung, insbesondere der Federal Reserve (Fed), klare wirtschaftliche Zielvorgaben zu geben.

Kernziele des Humphrey-Hawkins Act

Das Gesetz formulierte vier Hauptziele für die US-Wirtschaftspolitik:

  • Maximale Beschäftigung: Eine Arbeitslosenquote von höchstens 4 % wurde als wünschenswert angesehen.
  • Stabiles Preisniveau: Die Inflation sollte langfristig kontrolliert und reduziert werden.
  • Angemessenes Wirtschaftswachstum: Ein kontinuierliches und nachhaltiges Wachstum wurde angestrebt.
  • Zahlungsbilanzausgleich: Ein ausgeglichenes Verhältnis von Exporten und Importen wurde als wirtschaftspolitisches Ziel formuliert.

Um diese Ziele zu erreichen, verpflichtete das Gesetz die US-Regierung und die Federal Reserve, regelmäßige Wirtschaftsberichte und Prognosen zu erstellen.

Verpflichtungen für die Federal Reserve

Der Humphrey-Hawkins Act verlangte von der Federal Reserve, dem US-Kongress halbjährlich Berichte über ihre geldpolitische Strategie vorzulegen. Diese als „Monetary Policy Report“ bekannten Berichte enthalten:

  • Eine Analyse der wirtschaftlichen Lage
  • Prognosen für Inflation, Beschäftigung und Wachstum
  • Erklärungen zur geplanten Geldpolitik

Diese Berichtspflicht sollte die Transparenz und Rechenschaftspflicht der Fed erhöhen.

Auswirkungen auf die US-Wirtschaftspolitik

Das Gesetz hatte zwar keine direkten rechtlichen Sanktionen, wenn die wirtschaftlichen Ziele nicht erreicht wurden, aber es setzte einen klaren Rahmen für die Wirtschaftspolitik. Zu den wichtigsten Folgen gehören:

  • Stärkere Fokussierung auf Beschäftigung: Vor dem Humphrey-Hawkins Act lag das Hauptaugenmerk der Fed oft auf der Inflationsbekämpfung. Das Gesetz zwang die Zentralbank, auch die Arbeitslosenquote stärker zu berücksichtigen.
  • Mehr Transparenz: Die regelmäßigen Berichte an den Kongress machten die Geldpolitik nachvollziehbarer und boten Politikern sowie der Öffentlichkeit Einblick in die wirtschaftlichen Planungen.
  • Einfluss auf spätere Gesetzgebung: Das Gesetz diente als Grundlage für spätere wirtschaftspolitische Maßnahmen, insbesondere für Strategien zur Reduzierung der Inflation in den 1980er-Jahren.

Kritische Betrachtung

Trotz seiner ambitionierten Ziele wurde der Humphrey-Hawkins Act in der Praxis nicht vollständig umgesetzt. Die Hauptkritikpunkte waren:

  • Unverbindlichkeit der Ziele: Da das Gesetz keine konkreten Sanktionen vorsah, wenn die wirtschaftlichen Ziele nicht erreicht wurden, blieb es weitgehend eine Absichtserklärung.
  • Widersprüchliche wirtschaftliche Prioritäten: Die gleichzeitige Verfolgung von Vollbeschäftigung und Preisstabilität stellte sich oft als schwierig heraus, da expansive Maßnahmen zur Arbeitsmarktstimulierung die Inflation erhöhen konnten.
  • Schwindender Einfluss über die Jahre: Nach den 1980er-Jahren verlor das Gesetz zunehmend an Bedeutung, da sich die wirtschaftspolitischen Strategien weiterentwickelten.

Fazit

Der Humphrey-Hawkins Act von 1978 war ein wichtiger Versuch, die wirtschaftliche Steuerung der USA systematischer zu gestalten. Durch die Einführung klarer Ziele für Beschäftigung, Wachstum und Inflation hat das Gesetz die wirtschaftspolitische Debatte nachhaltig beeinflusst. Auch wenn es in der Praxis nicht in vollem Umfang durchgesetzt wurde, führte es zu mehr Rechenschaftspflicht und Transparenz in der US-amerikanischen Geldpolitik. Sein Einfluss zeigt sich insbesondere in der Verpflichtung der Federal Reserve, regelmäßig ihre geldpolitische Strategie offenzulegen – eine Praxis, die bis heute Bestand hat.